Aber noch bevor er antworten konnte, schleuderte ihn eine zweite Welle wieder zurück ins Wasser. Nach Luft ringend, gelangte er kurz an die Oberfläche und sah seine Schwester immer noch auf dem Hausdach - die Wellen hatten diese Höhe nicht erreicht. Im nächsten Moment wurde Wasuru von der Wassergewalt aber wieder in die Tiefe gezogen. Der Junge kämpfte mit aller Kraft um sein Leben - er versuchte zu schwimmen, an die Oberfläche zu gelangen, wurde aber immer wieder in die Tiefe gezogen.
Schließlich gelang es ihm, sich an einer Kokospalme festzuklammern, die ihm letztendlich das Leben rettete. Obwohl sich das Wasser verhältnismäßig schnell wieder zurückzog, empfand es Wasuru wie eine Ewigkeit und die Angst um seine Familie wurde immer größer. Als Leute kamen und ihm vom Baum herunter helfen wollten, wollte er einfach nicht loslassen und verkrampfte sich am Baum. Diese brachten ihn in ein Auffanglager, wo ihn dann sein Onkel wieder fand.
An dem unheilvollen Tag verlor Wasuru seine Eltern - sie wurden Tage danach tot aufgefunden. Seine Schwester ist immer noch vermisst. Da Wasuru ganz sicher ist, dass er Kalani auch nach der zweiten Welle noch auf dem Dach gesehen hatte, vermutet sein Onkel, dass sie weg gebracht wurde.
Für Wasuru ist es, als ob seine Familie zur Gänze ausgelöscht worden ist. Für das Kind ist es sehr schwierig zu verstehen, was geschehen ist und seine Angst davor mit dem Zug zu reisen, ist verständlich. Er will nie wieder in einen Zug einsteigen. Er schreckt sogar zusammen, wenn er Zuggeräusche hört und schreit jede Nacht nach seinen Eltern. Immer wieder bittet er seinen Onkel, seine Schwester zu suchen. Es schmerzt ihn, daran zu denken, dass sich seine Schwester in einem der Notcamps aufhält - alleingelassen und verängstigt wie er gleich nach der Katastrophe war. Sein Onkel ist hilflos: "Was soll man einem Kind sagen, das ganz fest daran glaubt, dass seine Schwester die Katastrophe überlebt hat? Und wenn es auch wahr ist, wie soll ich ihm erklären, dass vielleicht jemand Kalani mitgenommen hat?"
Kinder, die den Tsunami überlebt haben, werden noch lange nicht das Erlebte verarbeiten können. Die SOS-Kinderdörfer helfen dabei mit psychologischer Betreuung und erweitern die SOS-Kinderdörfer, um ihre Existenzen langfristig wieder zu festigen.