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SOS-Kinderdörfer Über SOS Aktuelles News

Uganda: Der Traum vom Frieden 

18.04.2007 - Endlich Frieden? Die Regierung von Uganda hat ein Abkommen für einen weiteren sechswöchigen Waffenstillstand mit der Rebellengruppe Lord's Resistance Army (LRA) unterzeichnet. Zwanzig Jahre lang verbreitete die LRA unter der Bevölkerung Angst und Schrecken. Tausende Menschen wurden getötet und eine große Zahl von Kindern wurde entführt, um als Kindersoldaten und Sexsklaven zu dienen. In der kleinen Stadt Gulu im Norden Ugandas, kehrt nun allmählich Ruhe ein.     


Kinder schöpfen wieder Hoffnung - Foto: H. Atkins
Kinder schöpfen wieder Hoffnung - Foto: H. Atkins
Noch vor drei Jahren war das Leben in den Dörfern rund um Gulu im Bürgerkriegszustand. LRA-Rebellen überfielen regelmäßig die kleinen Ortschaften, mordeten, verstümmelten und entführten die Bewohner. Nur das Zentrum der Stadt schien sicher zu sein. Es wurde zum Zufluchtsort für tausende Kinder, die jeden Abend nach Gulu pilgerten und die Nacht auf Gehsteigen, in Busstationen, vor Krankenhäusern und Kirchen verbrachten. Hilfsorganisationen wurden auf das Schicksal der kleinen "Nachtpendler" aufmerksam und versorgten die Kinder mit Zelten, Decken und Essen. Am frühen Morgen kehrten sie im relativen Schutz des Tageslichts wieder nach Hause zurück, um sich bei einbrechender Dunkelheit erneut auf den Weg in die Stadt zu machen.

Heute kann man in Gulu und Umgebung überall auf Zeichen des Friedens stoßen. Mitarbeiter von Hilfsorganisationen haben sich in jedem verfügbaren Hotelzimmer der Stadt eingemietet. Die Nachfrage ist so groß, dass es sogar vorkommt, dass die Zimmer im Erdgeschoss schon bezogen sind, obwohl noch am ersten Stock gebaut wird. Während offizielle Mitarbeiter mit Geländewagen herumfahren, gehen die jungen Freiwilligen aus Europa und Nordamerika, die an Wiederaufbauprojekten mitarbeiten, durch die Straßen, als wären sie zu Hause und am Weg ins College.

Die Hauptstraße von Gulu: Die Menschen trauen sich wieder hinaus - Foto: H. Atkins
Die Hauptstraße von Gulu: Die Menschen trauen sich wieder hinaus - Foto: H. Atkins

Normalität in Gulu

Neben den vollen Hotels und den kleinen Geschäften, die in den Straßen von Gulu reihenweise aufmachen, sind es die kleinen Details, die die Rückkher des normalen Lebens ausmachen. Ein Vater holt sein Kind zur Mittagszeit von der Schule ab, Frauen bringen Saatgut aus in der Hoffnung auf Regen, aus Häusern und Geschäften dringt Musik. Aber das deutlichste Zeichen, wie sehr sich die Situation in Gulu in den vergangenen drei Jahren verändert hat, ist, dass es kaum mehr abendliche Wanderzüge ins Zentrum gibt. Waren es im Juli 2004 noch über 22.000 Kinder, die in Gulu über Nacht Schutz gesucht haben, so ist die Zahl der Kinder im Dezember 2006 auf circa 1.350 gesunken. Das bedeutet, dass die meisten Kinder nun jede Nacht zu Hause schlafen - ein echtes Signal, dass die Menschen große Hoffnungen in den Friedensprozess setzen.

Charles Kiyimba, Leiter des SOS-Kinderdorfes in Gulu.
Charles Kiyimba, Leiter des SOS-Kinderdorfes in Gulu.

Frieden für Uganda?

Der Friedensprozess ist in Bewegung, das kürzlich geschlossene Waffenstillstandsabkommen ist ein erster Schritt. Und die LRA-Rebellen haben sich in den Busch zurückgezogen. Aber die Menschen haben Angst, dass sie bereit sind, jederzeit wieder zuzuschlagen, wenn ihre Forderungen nicht erfüllt werden. Derzeit ist die LRA angeblich weit weg von Gulu. Das verspricht vielleicht im Moment Gutes für die Stadt, aber was heißt das für die Zukunft?

Charles Kiyimba, Leiter des SOS-Kinderdorfes in Gulu, ist sicher, dass es keine Alternative zum Friedensprozess gibt. Über 100 Kinder leben im SOS-Kinderdorf, viele von ihnen sind Opfer des LRA-Krieges, einige kamen sogar in Gefangenschaft auf die Welt. "Die meisten Menschen in Norduganda sind davon überzeugt, dass nur Friedensgespräche den Krieg beenden können", so Charles Kiyimba. Und er fügt hinzu, dass erst seit Beginn der Gespräche im vergangenen Jahr eine Lösung des Konflikts im Norden des Landes realistisch zu sein scheint. "Wenn sich die zwei Konfliktparteien nicht einigen können, dann ist es sehr wahrscheinlich, dass sich die in der ganzen Nordregion verstreuten Splittergruppen der LRA wieder zusammenschließen werden, um aufs Neue zu kämpfen, Kinder zu kidnappen, Essen zu stehlen und Menschen zu töten", fürchtet Charles Kiyimba.

SOS-Dorf in Gulu: Kinder beim Naschen von Zuckerrohr
SOS-Dorf in Gulu: Kinder beim Naschen von Zuckerrohr

SOS-Kinderdorf Gulu wird trotzdem gebaut

Im Juni 2002 startete SOS-Kinderdorf Uganda ein SOS-Nothilfeprogramm in Gulu, um die Situation von Flüchtlingskindern im Norden des Landes zu verbessern. Inzwischen sind die Nothilfeaktivitäten zum Teil in permanente SOS-Einrichtungen übergeführt: ein temporäres SOS-Kinderdorf betreut Kinder, die nicht mit ihrer Ursprungsfamilie zusammengeführt werden konnten, in provisorischen Räumlichkeiten. Kinder und Mitarbeiter freuen sich schon darauf, im Laufe des Jahres 2007 in ihr neues Heim ziehen zu können. Vom SOS-Sozialzentrum Gulu aus wird in hohem Maß die benachbarte Bevölkerung unterstützt.

Wiederaufbau in Gulu - Foto H. Atkins
Wiederaufbau in Gulu - Foto H. Atkins

Förderprogramme unsicher

Für das SOS-Kinderdorf in Gulu würde ein Wiederaufflammen der Kämpfe bedeuten, dass die Kinder wieder Misshandlungen ausgesetzt werden würden. Auch die Familienförderprogramme des SOS-Sozialzentrums müssten stark eingeschränkt werden: Da weder die Mitarbeiter noch die Familien ihre Häuser verlassen könnten, wäre eine regelmäßige Unterstützung unmöglich. Derzeit konzentrieren sich die Förderprogramme vor allem auf die ländlichen Gebiete im Umkreis von Gulu, wo junge Leute lernen, wie man Gemüse anbaut und Ziegen züchtet. Niemand möchte eine Wiederkehr des Schreckens, aber trotz des intensiveren Engagements der internationalen Gemeinschaft herrscht große Unsicherheit, ob der Friede wirklich von Dauer sein wird. Die Erlebnisse der Vergangenheit sind gegenwärtig, das Vertrauen brüchig. Charles Kiyimba bringt es auf den Punkt: "Mein einziger Wunsch, mein großer Traum ist, dass der Krieg zu Ende geht und die Menschen ein normales Leben führen können. Das ist mein Wunsch und der aller Menschen."


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