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"In dieser Welt fehlt es nicht an Wohltätigkeit!"
Helmut KutinHelmut Kutin, Präsident der SOS-Kinderdörfer, ist auf der ganzen Welt zuhause. "Meine Heimat sind die Menschen", sagt der 70-Jährige. 300 Tage im Jahr ist er unterwegs in den SOS-Kinderdörfern, besucht die Kinder, Mütterzentren, spricht mit Regierungsvertretern, macht Lobby-Arbeit für die Kinder.
Helmut Kutin wurde 1941 in Bozen, Südtirol, geboren. Erst starb seine Schwester, kurz danach seine Mutter, der Vater wurde vertrieben. Kutin blieb zurück mit seinen meist jüngeren Geschwistern. 1953 kam er als 12-Jähriger als eines der ersten Kinder ins SOS-Kinderdorf in Imst. "Ich war glücklich, ein ganzes Haus für meine Geschwister und mich, eingebettet in ein Dorf für viele Kinder, mein Zuhause zu nennen. Ich habe die SOS-Kinderdorf-Familie von Beginn an als eine gute Familie erlebt, wir waren Schicksalsgenossen und haben zusammengehalten."
Nach Abschluss der Pflichtschule in Imst besuchte er die Lehrerbildungsanstalt, machte 1963 das Abitur und begann an der Universität Innsbruck das Studium der Volkswirtschaft. Als Erzieher und mit seinem kleinen Reisebüro verdiente er seinen Lebensunterhalt. Nach Gesprächen mit Hermann Gmeiner und seiner Sprachausbildung in Paris, übernahm Helmut Kutin im Herbst 1967 seine erste Aufgabe für die SOS-Kinderdörfer: Er begann mit dem Bau der ersten vietnamesischen SOS-Kinderdorfs in der heutigen Ho-Tschi-Minh-Stadt, ehemals Saigon. 1968 übernahm er die Leitung des Dorfes, das damals das größte SOS-Kinderdorf der Welt war. Er baute und betreute ein weiteres SOS-Kinderdorf und zwei Jugendeinrichtungen in Vietnam.
Helmut Kutin wird in Kenia von einem Kind aus dem SOS-Kinderdorf Mombasa begrüßt. "Prägend waren für mich die Kinder, die ich in Vietnam aus Kriegssituationen geholt habe. Jedes Mal, wenn ich ins SOS-Kinderdorf Go Vap in Saigon gekommen bin und ich sie den SOS-Kinderdorf-Mütter übergeben habe, haben mich diese Kinder nicht mehr losgelassen." Nach dem Sieg der kommunistischen Nordvietnamesen mussten die SOS-Kinderdörfer 1976 das Land verlassen. Der Abschied zählt zu seinen schmerzvollsten Erfahrungen. "Ich musste 482 Kinder und die Mütter zurücklassen, das Kinderdorf wurde von den neuen Machthabern geschlossen." Kutins schönste Erfahrung aber war die Rückkehr in sein Dorf im Jahr 1987.Seit 1985 ist Helmut Kutin Präsident der SOS-Kinderdörfer. Unter seiner Leitung wurden mehr als 250 SOS-Kinderdörfer weltweit gebaut.
Kutin ist ein Praktiker und Tatmensch. "Wenn ich so durch die Welt ziehe, sehe ich, dass es der Welt nicht an Wohltätigkeit fehlt, sondern es fehlt immer am Umsetzen in die Tat." Deswegen kann Helmut Kutin auch nicht untätig herumsitzen, das bringt das Amt des SOS-Präsidenten mit sich. Doch die SOS-Kinderdörfer, die er bei seinen Reisen besucht, sind in 133 Ländern fest verwurzelt. "Wir sind nicht gekommen, um schnell wieder zu gehen", erklärt er, "sondern um zu bleiben. Ein Kind, das mit Liebe aufgezogen wird, kennt den Hass nicht, der so viel Leid schafft. Nur ein geliebtes Kind kann ein liebender Erwachsener werden."