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Dudu Skosana betreut in einem südafrikanischen Slum Familien in Not. Begleiten Sie die SOS-Sozialarbeiterin bei ihrer Arbeit. Machen Sie sich ein Bild von der Familienhilfe der SOS-Kinderdörfer.
"Für die Kinder da sein": SOS-Sozialarbeiterin Dudu Skosana Elend hat viele Namen. In Südafrika, beispielsweise, heißen die Siedlungen der Ärmsten "unofficial settlement", auf Deutsch "Nicht-offizielle Siedlung". Eine Autostunde von Johannesburg bei der kleinen Stadt Ennerdale gibt es eine solche Siedlung mit dem Namen "Fine Town". 20.000 Menschen leben hier. Familien, auf engstem Raum in Lehm- oder Wellblechhütten. Familien? Unzählige Kinder haben hier Mutter, Vater oder beide verloren. Die mittlere Generation stirbt weg. AIDS. Wie viele Familien werden von der Großmutter geführt? Wie viele Familien werden vom ältesten der Kinder geführt? Wie viele Kinder tragen seit ihrer Geburt den HI-Virus in sich? Niemand kennt die Zahlen genau. Eine nicht-offizielle Siedlung hat eben auch keine offizielle Statistik. Die Bezeichnungen, "unofficial settlement" und "Fine Town" kaschieren auf geradezu zynische Weise, welche Not hier herrscht.
Für ihre Not gibt es keine Statistik: Etwa 20.000 Menschen leben in der inoffiziellen Siedlung Hilfe für 155 Familien
Ein paar Zahlen gibt es doch: Die Leute vom SOS-Kinderdorf Ennerdale umsorgen nicht nur die 140 Jungen und Mädchen, die ihnen im Kinderdorf anvertraut sind. Die SOS-Sozialarbeiter gehen raus nach Fine Town. Dudu Skosana, Sozialarbeiterin der SOS-Kinderdörfer, koordiniert ein Familienstärkungsprogramm für 155 Familien in Fine Town. Martin Isaacs, Dorfleiter in Ennerdale, erklärt, warum: "Die Aids-Epidemie zwingt uns, uns verstärkt um Kinder zu kümmern, die in den Gemeinden rund um das SOS-Kinderdorf leben." Isaacs folgt damit einer neuen Strategie der SOS-Kinderdörfer auf der ganzen Welt: Die Familienstärkungsprogramme entwickeln sich immer mehr zu einem zweiten Standbein der SOS-Kinderdörfer. In Südafrika beispielsweise unterhält jedes der sieben SOS-Kinderdörfer sein eigenes Familienstärkungsprogramm in den umliegenden Armenvierteln.
Keine Selbstverständlichkeit für die Kinder in Fine Town: eine warme Mahlzeit nach der Schule Lebensmittel, Schuluniformen, Beratung
In Ennerdale versorgen Dudu und ihre Kolleginnen 380 Kinder und ihre verbliebenen Angehörigen: Decken und Brennstoff für kalte Winternächte, eine warme Mahlzeit nach der Schule, eine Schuluniform oder Lebensmittel. Noch wichtiger ist die Beratung, wie von Aids betroffene Familien ihren Anspruch auf staatliche Unterstützung und Medikamente verwirklichen können. Am wichtigsten ist: Dudu und ihre Kolleginnen schenken den Kindern Aufmerksamkeit, Zuwendung und Hoffnung. Sie geben den Menschen in den Hütten ihre Würde zurück.
"Hilfe weitergeben": Angelina, eine der freiwilligen HelferinnenEin Netzwerk ehrenamtlicher Helfer
Ein Tag mit Dudu Skosana in Fine Town lässt die Arbeit auf den ersten Blick unspektakulär aussehen: Dudu unterhält sich mit den Leuten in Fine Town, macht sich Notizen, füllt gemeinsam Fragebögen aus. Es geht darum, möglichst genau herauszufinden, woran es am dringendsten fehlt. Wird eine Familie in das "SOS-Familienstärkungsprogramm" aufgenommen, dann läuft die Hilfe sechs Monate. Danach setzen sich alle wieder zusammen und prüfen, ob die Familie inzwischen Manches nicht mehr braucht, Anderes dafür umso mehr. Auf diese Weise helfen die SOS-Kinderdörfer mit relativ geringem finanziellem Aufwand sehr vielen Familien. Eine Schuluniform kostet umgerechnet 27 Euro, Lebensmittel für einen Monat schlagen mit 24 Euro zu Buche.
"Auf den Gesichtern meiner Kinder sehe ich wieder ein Lächeln": Edward und seine FamilieKampf gegen Aids
Eine dieser Familien ist die von Edward K. Er leidet an Aids im fortgeschrittenen Stadium, war lange im Krankenhaus. Gemeinsam mit seiner Frau, drei eigenen Kindern und den vier Kindern seiner verstorbenen Schwester lebt er in einer Wellblechhütte. "Mein Leben hat sich zum Besseren gewendet, seit SOS auf uns aufmerksam geworden ist. Meine Kinder gehen wieder zur Schule und nachmittags gehen sie im SOS-Kinderdorf spielen. Dank SOS kann ich jetzt auf den Gesichtern meiner Kinder wieder ein Lächeln sehen."
Unterricht in Fine Town: die Schule beruht auf Eigeninitiative, eine staatliche Schule gibt es nicht.Schule statt rumhängen
Aber wie finden die Leute vom SOS-Kinderdorf die Not leidenden Familien in Fine Town? Leute aus Fine Town haben sich als Freiwillige bei SOS gemeldet. Diese "Volunteers" wissen am besten, wo die Not in der Nachbarschaft am größten ist. Angelina ist eine dieser Volunteers. Warum engagiert sie sich? "Weil SOS mir früher auch schon geholfen hat. Ich möchte was weitergeben von der Hilfe, die ich empfangen habe." Auf die Frage, was mit den Edwards und anderen Kindern ohne SOS werden würde, zuckt sie die Schultern. Widerwillig presst sie einige Wörter heraus: "Rumhängen, Kriminalität, Drogen." Sie möchte den Gedanken gar nicht aussprechen.
"Hoffnung geben": SOS-Sozialarbeiterin Dudu Skosana, ihre Kolleginnen und freiwilligen Helfer versorgen 380 Kinder.Starke Frauen
Aber sie verdrängt ihn nicht. Und das ist viel wert. Es sind starke Frauen, die dieses Netzwerk aus 13 Freiwilligen in Fine Town bilden. Es sind übrigens ausschließlich Frauen. Männer sucht man in diesem Netzwerk vergebens. Untereinander lachen und scherzen sie, als gäbe es den Tod nicht, der hier überall wartet. Wenn sie bei den Familien sind, sind sie einfühlsam und zeigen große Kraft. Eine bewundernswerte Lebenseinstellung. Was sie bei der Stange hält, beschreibt Dudu so: "Am Anfang meiner Arbeit hier haben wir einen kleinen Jungen kennengelernt, der seine Mutter bis zu deren letzten Tag gepflegt hat. Keiner wollte mit ihm zu tun haben. Als er die Leute von SOS kennen gelernt hat, hat er neue Hoffnung geschöpft. Man musste gar nicht so sehr materiell helfen. Es war einfach gut, dass wieder jemand für ihn da war. Wenn wir in seine Hütte kamen, begann sein Gesicht wieder zu leuchten. Egal, wie vielen Menschen wir hier weiterhin helfen können - die Erinnerung an diesen Jungen motiviert mich immer wieder aufs Neue. Mehr als Geld oder andere materielle Güter."
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