Aktuelle Infos und Hintergründe über die SOS-Kinderdörfer.
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Canchungo liegt in der nördlichen Region Cacheu, ungefähr 75 km von der Hauptstadt Bissau entfernt. Mit seinen etwa 37.000 Einwohnern ist Canchungo das drittgrößte städtische Ballungszentrum in Guinea-Bissau. Die regionale Bevölkerung setzt sich aus verschiedenen ethnischen Gruppen zusammen, die friedlich miteinander leben. In sozialer und kultureller Hinsicht ist daher die Region sehr mannigfaltig und reichhaltig. Zahlenmäßig sind die Manjaco die stärkste ethnische Gruppe. Im Gebiet um Cacheu liegen viele Sümpfe, wo während der Regenzeit Reis angebaut wird. Reisanbau, Selbstversorgungswirtschaft und Fischfang sind die Haupteinnahmequellen der Bewohner dieser Region. In Canchungo gibt es lediglich eine Bank. Post und Telefonnetz sind meistens in Betrieb. Die medizinische Versorgung der Region ist sehr schlecht, da das einzige Krankenhaus mit 110 Betten in einem sehr schlechten Zustand ist. Notorische Unterernährung, Malaria, Durchfalls- und Atemwegserkrankungen sowie die HIV/Aids Pandemie haben die Gesundheitsproblematik in der Region verschärft. Lediglich 23% der Bevölkerung können sich mit Trinkwasser versorgen und 22,5% haben Zugang zu einfachen sanitären Einrichtungen.
Die 45 Schulen, die es in Canchungo gibt, können den Bedarf an Bildungseinrichtungen nicht decken. Zudem ist die Qualität der Schulen recht mangelhaft. Viele Kinder, allem voran Mädchen, gehen entweder überhaupt nicht zur Schule oder sind gezwungen, die Schule abzubrechen, bald zu heiraten, oder aber einer einträglichen Beschäftigung nachzugehen, um sich ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Kindergärten gibt es überhaupt keine und dies ist insbesondere für arbeitende Frauen ein großes Problem. 18,6% der Kinder leben nicht bei ihren leiblichen Eltern. Von den 0 - 14jährigen Kindern sind 13,2 % Waise oder Halbwaise. Lediglich 28,4% der Kinder scheinen im Standesregister auf bzw. haben eine Geburtsurkunde. Ganze 37,7% aller Kinder arbeiten, um sich selbst zu ernähren bzw. zum Lebensunterhalt ihrer Familien beizutragen (Kinderarbeit).
Das SOS-Kinderdorf Canchungo besteht aus 12 Familienhäusern, Dorfdirektorhaus, Gästehaus, Tantenhaus (SOS-Tanten kümmern sich während der Abwesenheit der SOS-Mutter um die Kinder), Service- und Verwaltungsblock, Mehrzweckhalle, Wärterhäuschen, Wäscherei, Generatorhaus, afrikanische Rundhütte für Zusammenkünfte und kulturelle Veranstaltungen. Das SOS-Kinderdorf Canchungo wurde am 29. Oktober 2007 feierlich eröffnet. Da auch in der Umgebung des SOS-Kinderdorfes die Wasserversorgung der Menschen unzureichend war, wurde auf dem Gelände des SOS-Kinderdorfes ein Brunnen gegraben, der mit dem öffentlichen Wasserversorgungsnetz verbunden ist. Dadurch haben hunderte Menschen regelmäßigen Zugang zu Trinkwasser.
Im SOS-Kindergarten Canchungo, der aus vier Gruppenräumen besteht, können 120 Kinder betreut werden. Die SOS-Hermann-Gmeiner-Schule (Grundschule), umfasst sechs Klassenräume, eine Mehrzweckhalle und einen Verwaltungs- und Servicetrakt. Zurzeit werden an der Schule 420 Schüler und Schülerinnen unterrichtet.
Das SOS Sozialzentrum Canchungo (Familienstärkung, Nachbarschaftshilfe) bietet medizinische und schulische Unterstützung, Beratung und Hilfeleistungen in Sachen Ernährung, Anwaltschaft für Kinder, Unterkunft und Hygiene, psychosoziale Hilfestellung und vergibt Stipendien bzw. Mikrokredite. 670 Personen kommen in den Genuss der Leistungen des SOS Sozialzentrums.