
Ein Junge aus einem Slum in Nairobi - Fotos: Hilary Atkins
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Bens* Tag beginnt um 6 Uhr. Der 15-Jährige läuft von seiner armseligen Holzbarracke im Slum Korogocho zum SOS-Sozialzentrum Nairobi, wo er umsonst eine Schüssel Haferbrei zum Frühstück bekommt. Anschließend geht er zur Schule. Wenn der Unterricht am Nachmittag endet und die anderen Kinder zu ihren Eltern nach Hause gehen, rennt er zum nahen Markt - in der Hoffnung, als Tagelöhner etwas Geld zu verdienen. Und am Wochenende sucht Ben im Müll nach Verwertbarem wie Plastik und Metall, um es zu verkaufen.
Wenn er abends nach Hause kommt, erwartet ihn niemand in seiner Hütte. Denn Bens Eltern sind tot, er lebt allein. Der 15-Jährige ist einer von rund 500 Menschen, die von SOS-Sozialarbeitern in Nairobi betreut werden: Er erhält Schulgeld, medizinische Versorgung und Lebensmittelpakete.
Bens Kindheit endete, als er neun Jahre alt war: Damals starben seine Eltern. Woran genau, weiß Ben nicht - oder er will es nicht sagen, denn auch die Angehörigen von Aidskranken werden oft stigmatisiert und ausgegrenzt. Der Junge kam zunächst bei Onkel und Tante unter. Doch die zogen weg und ließen Ben zurück in Korogocho. Das Kind musste lernen, für sich selbst zu sorgen. Und Ben hat sich durchgeschlagen - in einem Elendsviertel, in dem Kriminalität, Drogenkonsum, Gewalt und die Gefahr von Kindesmissbrauch allgegenwärtig sind.

SOS-Sozialarbeiterin Fausta Mwili mit Straßenkindern
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Als Tagelöhner und Müllsammler verdient Ben an einem guten Tag über 100 Kenianische Shilling, das sind etwa eineinhalb Dollar. Davon kann er sich eine Woche etwas zu essen kaufen. Doch Ben muss auch Miete für seine Baracke zahlen. Er kommt gerade so über die Runden. Er schläft in seiner Hütte auf dem Boden, ein Bett, oder auch nur eine Decke, die ihn in kühlen Nächten wärmen könnte, besitzt er nicht.
SOS-Sozialarbeiter hörten von Ben erst, als er ein Teenager war, und suchten ihn in seiner Hütte in Korogocho auf. Die Kinder, die im SOS-Kinderdorf ein neues Zuhause finden, sind in aller Regel jünger - denn es sind die Kleinsten, die am Bedürftigsten sind. So erhielt er Unterstützung durch das Familienschutzprogramm des SOS-Sozialzentrums Nairobi. Ben muss nun nicht mehr hungern. Und er hat jetzt die Möglichkeit, zur Schule zu gehen.
Seine Mitschüler und die Lehrer mögen Ben und seine freundliche Art. Ben gefällt es in der Schule, auch weil er sich dort akzeptiert und gemocht fühlt. Und er lernt gerne - auch weil er weiß, dass er so die Chance auf eine bessere Zukunft bekommt. Das SOS-Sozialzentrum will nun für Ben eine Hütte bauen, so dass er keine Miete mehr zahlen muss. Denn wenn er lernen kann, statt ständig zu arbeiten - davon sind seine Lehrer überzeugt - wird Ben an seiner Schule zu den Besten zählen.
* Zum Schutz der Privatsphäre haben wir den Namen geändert