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Am Berufsbildungszentrum des SOS-Kinderdorfs Nairobi/Kenia können Jugendliche verschiedene Berufe erlernen.
Ihr Traum: Modedesignerin werden. Hier fertigt Penninah gerade einen Entwurf für einen Rock anZierlich, klein und schüchtern wirkt die junge Frau neben ihren selbstbewussten Klassenkameradinnen. Trotzdem sticht sie auf den ersten Blick aus der Gruppe der Mädchen heraus. Orangefarbene Haargummis zieren die kurzen, geflochtenen Zöpfchen. An ihrem beinahe gebrechlich schlanken Körper trägt sie scheinbar alle möglichen Variationen der Farbe Pink. Vorsichtige Bewegungen, zögerlich kleine Schritte, ein schüchterner Blick von unten, all das bringt ihre Unsicherheit deutlich zum Ausdruck und passt so gar nicht zu ihrer gewagten, farbenfrohen Fassade aus Stoff. "Pink ist zur Zeit Trendfarbe in Nairobi", erklärt die 20-jährige schüchtern. Sie besucht einen der "Fashion and Design"-Kurse am SOS-Berufsbildungszentrum, wo SOS-Jugendliche sowie Teenager aus der Nachbarschaft des SOS-Kinderdorfs einen Beruf erlernen.
Mit leiser Stimme erzählt Penninah von ihrem großen Traum: Designerin werden. Das Zeichnen ist seit dem Kindesalter ihre größte Leidenschaft, ihr Interesse für Mode entwickelte die Jugendliche später. So unsicher Penninah auf den ersten Blick auch wirken mag: Auf die Erfüllung ihres Traumes arbeitet sie zielstrebig und realistisch hin. Nach dem Kurs, der eine Schneiderei-Ausbildung umfasst, möchte sie zunächst als Angestellte arbeiten: "Zuerst muss ich praktische Fähigkeiten erlernen." Später möchte sie dann am liebsten selbständig arbeiten, Kleidung entwerfen und schneidern.
Liebevoll hält Penninah eine ihrer ersten, noch unfertigen, Arbeiten in den Händen, lässt den grauen Stoff durch die dünnen Finger gleiten. Für das normale Auge ein Stück Stoff, für die Schülerin ein Schritt in Richtung Ziel. Aus drei schmalen Baumwollstreifen soll ein Rock werden, in Barbiegröße. Vorsichtig breitet das Mädchen drei ebenfalls recht schmale Papierstreifen auf dem Tisch aus: "Um exakte Arbeit leisten zu können und Stoff zu sparen, fertigen wir immer zuerst diese Entwürfe an." Beim Blick auf die eigenen Zeichnungen erhellt ein stolzes Leuchten die dunklen Augen. Die Anfertigung der "Minimode" ist Teil des Kurses. Bei diesen Stücken sind die Schüler gezwungen auf Details zu achten, das hilft ihnen später bei Kleidung in normalen Größen. "Es wäre das Größte für mich, jemanden auf der Straße in einer Jeans zu sehen, die ich entworfen habe", sagt Penninah entschlossen - ihre Schüchternheit scheint plötzlich verflogen. Mit einer Stecknadel heftet sie die Entwürfe ordentlich mit dem grauen Stoff zusammen und betrachtet noch einmal ihr Werk. Bald schon, da ist sich die Kenianerin sicher, werden die Leute in ihrem Laden außergewöhnliche Kleidung erstehen: Einen Mix aus westlichem und afrikanischem Stil.
Tanja Mokosch
Tanja Mokosch wurde beim SPIEGEL-Schülerzeitungswettbewerb 2009 ausgezeichnet. Als Preisträgerin gewann sie eine Reportagereise nach Kenia, wo sie sich ein Bild von der SOS-Arbeit in Kenia machte. Drei Minuten lautet der Titel der bewegenden Reportage, die sie zusammen mit Timo Steppat, einem weiteren SPIEGEL-Preisträger, verfasste. Mehr…