Hauptstadt: Mogadischu
Fläche: 637.660 km²
Bevölkerungszahl: 8,6 Millionen (Juli 2005)
Bevölkerungsgruppen: Somali, Bantus
Amtssprache(n): Somali
Religion(en): Sunnitische Islam
Währung: 1 Somalia-Schilling = 100 Centesimi
SOS-Kinderdorf-Aktivitäten im Land
Die Initiativen von SOS-Kinderdorf International in Somalia begannen im Jahr 1983 mit der Unterzeichnung eines Regierungsabkommens. Als Standort für die Errichtung des ersten SOS-Kinderdorfes mit Kindergarten wurde die Hauptstadt Mogadischu gewählt, wo die Regierung ein geeignetes Grundstück zur Verfügung gestellt hatte. In den folgenden Jahren entstanden am selben Grundstück eine Schule, ein Jugendhaus und eine Mutter-Kind-Klinik.
Nach Ausbruch des Bürgerkrieges 1990 startete SOS-Kinderdorf ein groß angelegtes medizinisches Nothilfeprogramm und ein Ausspeisungsprogramm. Die SOS-Hermann-Gmeiner-Schule wurde in eine Notklinik umfunktioniert, wo Kriegsverletzte, Erwachsene und Kinder versorgt werden, auch die Mutter-Kind-Klinik wurde Teil des Nothilfeprogramms und ist bis heute die einzig funktionierende Geburtenstation und gynäkologische Einrichtung des Landes.
Um SOS-Jugendlichen und anderen interessierten Jugendlichen in Somalia eine Berufsausbildung zu bieten, wird von SOS-Kinderdorf Somalia ein drei- und vierjähriges Ausbildungsprogramm zur staatlich geprüften Krankenschwester/Krankenpfleger oder Hebamme angeboten. Dieses SOS-Berufsbildungszentrum ist das einzige dieser Art in Somalia.
SOS-Kinderdorf war jahrelang eine der wenigen internationalen Hilfsorganisationen, die im Süden des Landes tätig waren. Die politische Lage in Somalia war seit Anfang 2006 rasanten Änderungen unterworfen: bis dahin kontrollierten bewaffnete Clans Mogadischu und weite Teile des Landes. Während des ersten Halbjahres 2006 wurden diese jedoch von der Islamischen Gerichtsunion bekämpft, entwaffnet und aus Mogadischu vertrieben. Obwohl die Stadt für ihre Bewohner damit befriedet einigermaßen wurde, war die Sicherheitslage für Ausländer weiter prekär. Im September desselben Jahres wurde die Leiterin der SOS-Krankenpflegeschule, Schwester Leonella Sgorbati, von Heckenschützen getötet. Darauf mussten alle Auslandsmitarbeiter aus Mogadischu evakuiert werden.
Ende 2006 brach wiederum Krieg aus, als Truppen der somalischen Übergangsregierung gemeinsam mit äthiopischen Verbänden einrückten, um die islamische Miliz zurück zu drängen. Seitdem fielen mehrere SOS-Mitarbeiter und SOS-Jugendliche verirrten Gewehrkugeln, Granaten- und Raketeneinschlägen zum Opfer oder wurden schwer verletzt. Auch die Gebäude der SOS-Einrichtungen wurden immer wieder stark beschädigt, tageweise waren diese sogar besetzt und ein lang gedienter Mitarbeiter wurde tot aufgefunden.
Nach schwerer Bombardierung der Umgebung des SOS-Geländes Anfang Dezember 2007 wurden alle SOS-Familien evakuiert und an sichereren Plätzen in Mogadischu untergebracht. Aus Sicherheitsgründen musste die SOS Mutter- und Kindklinik, die Pädiatrie, der SOS-Kindergarten, die SOS-Hermann-Gemeiner-Schule und die SOS-Krankenpflegeschule geschlossen werden. Die medizinischen Einrichtungen wurden im März 2008 wieder geöffnet und eine Satelliten-Krankenstation in Afgoye, 22 km außerhalb von Mogadischu, etabliert, damit auch Patienten, die nicht mehr nach Mogadischu kommen konnten, wieder medizinisch versorgt werden. Im August, eröffnete eine ähnliche Einrichtung in Baidoa Town ihren Betrieb. Der Betrieb der Schule und der Krankenpflegeschule wurde in einem angemieteten Fabriksgebäude in einem anderen Stadtteil wieder aufgenommen, musste aber bereits im Oktober 2008 wieder eingestellt werden, nachdem mehrere Lehrer und andere Mitarbeiter mit dem Tod bedroht worden waren.
Die Sicherheitssituation in Mogadishu entspannte sich glücklicherweise im Jahr 2009 und nach einer profunden Evaluierung wurde entschieden, das Kinderdorf wieder zu eröffnen. Der 21. Februar 2009 war ein Freudentag für die SOS Familien, denn sie konnten wieder im Kinderdorf einziehen. Die SOS-Krankenpflegeschule nahm ebenfalls im März 2009 wieder ihren Betrieb auf. Im Juni 2009 ist geplant, die Agoye-Klinik einer lokalen Frauenorganisation zu übergeben, da die SOS Mutter- und Kindklinik wieder erreicht werden kann.
Zurzeit gibt es in Somalia ein SOS-Kinderdorf, eine SOS-Jugendeinrichtung, einen SOS-Kindergarten (momentan nicht in Betrieb), eine SOS-Hermann-Gmeiner-Schule, ein SOS-Berufsbildungszentrum, ein SOS-medizinisches Zentrum und ein SOS-Nothilfeprogramm.