"Ich habe meinen Schwestern nicht zu geben. Ich habe mein ganzes Geld ausgegeben und sie sind hungrig. Was soll ich tun?" Mit diesen Worten stand Victor dem Dorfleiter gegenüber. Normalerweise sind einige Formalien nötig, damit ein Kind ins SOS-Kinderdorf aufgenommen werden kann. Doch in diesem Fall war das anders. Hier musste sofort geholfen werden. Als aller erstes mussten wir eine Mutter für die beiden Schwestern finden. Doch wie durch ein Wunder fanden wir sie, noch bevor wir richtig angefangen hatten zu suchen. Die SOS-Kinderdorf-Mutter Demetria kam zufällig ins Büro des Dorfleiters. Victor erzählte seine Geschichte aufs Neue und am Ende sagte Demetria: "Ich will diese Kinder. Sie haben ein Recht auf eine Chance und ich will ihnen diese Chance geben."
Jetzt haben Ana und Milagros acht neue Geschwister. Obwohl sich die beiden Kleinen bis jetzt nur in Quechua verständigen können - der meistgesprochenen indianischen Sprache Südamerikas - finden sie schnell Vertrauen zueinander. Demetria legt großen Wert darauf, dass ihre Kinder beide Sprachen beherrschen: Spanisch und Quechua
Aber für die beiden Kleinen gibt es noch viele grundlegende Dinge zu lernen. Demetria weiß aus Erfahrung, dass sie viel Geduld bei der Erziehung aufbringen muss. So sind es Ana und Milagros zum Beispiel noch nicht gewöhnt zu duschen. Doch Demetria hat bereits einen Weg gefunden: Sie geht selbst in die Dusche und bittet die beiden nachzukommen - das hat funktioniert. Auch in der Schule läuft es für Ana und Milagros gut. Die Lehrer sind zufrieden und die Mitschüler haben viel Spaß mit den beiden Neuen.
Anas und Milagros Bruder Victor blieb noch einige Zeit im Dorf, um sich zu vergewissern, dass es seinen Schwestern gut geht. Er konnte es selbst kaum glaube, wie schnell sich Anas und Milagros eingewöhnt hatten. Mit einem lachenden und einem weinenden Auge machte er sich dann wieder auf den Weg nachhause. Aber nicht ohne zu versprechen, dass er bald wieder zu Besuch kommt.