 Ankunft im SOS-Kinderdorf - Fotos: SOS |
"Ich habe mich fast so gefühlt wie ein Filmstar", sagt Julian und beginnt zu erzählen. Mehrere Wochen ist es inzwischen her, dass er und seine vier Geschwister - Nicolas, Luisa, Diana und Angie - im SOS-Kinderdorf Bogotá ankamen. Doch noch immer sprudeln die Worte aus Julian nur so heraus, wenn er an die Willkommensfeier in seinem neuen Zuhause zurückdenkt. "Es gab Kuchen zu essen und unsere SOS-Mutter hat sogar Fotos von uns gemacht - als ob wir berühmte Schauspieler wären." Julian macht eine kurze Pause, um Luft zu holen. Dann erzählt er weiter: "Ich meine, natürlich sind wir keine Stars. Aber das war ein tolles Gefühl: das Gefühl, dass wir unserer Kinderdorf-Mutter und all den Kindern hier etwas bedeuten."
Die Mutter starb, der Vater verschwand
 Weich und kuschelig: Viele SOS-Kinder haben im Kinderdorf zum ersten Mal ein eigenes Bett. |
Dieses Gefühl hatten Julian, Nicolas, Luisa, Diana und Angie lange vermisst. Vor einem Jahr starb die Mutter der Geschwister an einer Krankheit. Der Vater ließ seine Kinder im Stich und verschwand. Danach versuchte der älteste Bruder seine jüngeren Geschwister zu versorgen. Doch der Jugendliche war in der Vaterrolle völlig überfordert. Die Kinder verwahrlosten und drohten auf der Straße zu landen.
Doch dann wurden SOS-Sozialarbeiter auf das Schicksal der Kinder aufmerksam. Schließlich konnten Nicolas, Luisa, Diana, Julian und Angie im SOS-Kinderdorf Bogotá einziehen. Dort nahm Kinderdorf-Mutter Sandra die fünf Geschwister* in ihrer SOS-Familie auf: "Am Anfang waren sie noch ein bisschen ängstlich, als wir sie hier empfingen", erinnert sich Sandra. "Aber als ich ihnen das Haus gezeigt habe, tauten sie schnell auf. Sie konnten nicht glauben, dass hier ihr künftiges Zuhause sein würde. Sie wollten die Betten berühren, sie legten sich in die Kissen und auf die Matratzen und lachten."
 Kinderdorf-Mutter Sandra und ihre SOS-Kinder - Fotos: SOS |
Unsere SOS-Mutter kann wunderbar zuhören!
Luisa, die Jüngste, fasste schnell Vertrauen zu ihrer Kinderdorf-Mutter: "Ich vermisse meine Mama immer noch sehr. Aber jetzt, hier im SOS-Kinderdorf, habe ich eine neue Mutter!" Angie, das älteste Mädchen, öffnete sich dagegen erst allmählich: "Ich wollte erst gar nicht her. Ich kannte ja hier niemanden und konnte mir einfach nicht vorstellen, dass ich hier eine neue Familie finden würde. Aber von Tag zu Tag habe ich mich immer wohler gefühlt. Sandra, unsere Mutter, kann wunderbar zuhören, wenn man ein Problem hat. Sie nimmt einen wirklich ernst." Sie fügt hinzu: "Ach ja, das hätte ich beinahe vergessen: Wir können uns hier immer satt essen! Das ist doch großartig, oder?"
In einem SOS-Kinderdorf werden leibliche Geschwister nicht getrennt, sondern bleiben in ihrer neuen SOS-Familie zusammen. Dies ist eines der vier Prinzipien der SOS-Kinderdorf-Idee.