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Oscar war ein rebellischer Teenager - wie viele in seinem Alter. Als er ins SOS-Kinderdorf Bogotá kam, eckte er mit allen an: mit seinen leiblichen Geschwistern, seinen SOS-Geschwistern - und mit seiner SOS-Mutter.Vom ersten Moment an war klar, dass Oscar anders sein wollte, als die anderen Teenager im Dorf. Während die SOS-Teens fröhlich Fußball spielten oder ihre Hausaufgaben machten, hing Oscar in seinem Zimmer herum und sprach mit niemandem. Und wenn er sprach, dann merkte man schnell, dass dieser Junge hochintelligent war, aber auch sehr schwierig. Er wirkte abweisend und zynisch, wie jemand, der unzufrieden ist, mit sich, mit der Welt.Hier erzählt Oscar seine Geschichte - eine Geschichte, die zeigt, dass man manchmal im Kreis gehen muss, um zu seinem Glück zurückzufinden.
"Heute bin ich ein ganz anderer Mensch!": Ein Teenager im SOS-Kinderdorf in Kolumbien - Foto: Alexander Gabriel"Ich kann mich noch gut an den Tag erinnern, als ich mit meinen beiden jüngeren Brüdern Pedro und Luis im SOS-Kinderdorf ankam. Es regnete den ganzen Tag, es war kühl, und trotzdem waren alle gut gelaunt. Ich war gespannt auf meine SOS-Mutter, das schöne Haus und meine neuen Geschwister.
Aber ich handelte mir ziemlich schnell Ärger mit meiner neuen Mutter ein: Wir verstanden uns nicht. Und das meine ich wörtlich: Sie denkt und spricht ganz anders als ich. Ich hatte nicht nur Streit mit ihr: Alle gingen mir auf die Nerven, meine Brüder Luis und Pedro, meine SOS-Geschwister. Außerdem ging ich nicht gerne zur Schule, ich mochte nicht lernen. Ich hatte zwar sehr gute Noten, aber ich mochte dieses ganze Schulzeugs nicht. Ich wollte damit allen zeigen, dass ich es nicht nötig hatte.
Ich kann es heute kaum fassen, dass meine Umgebung mich damals ertragen konnte. Wahrscheinlich liebten sie mich trotzdem oder sahen etwas in mir, das ich nicht erkannte. Ich wusste damals, dass mich mein Benehmen in Schwierigkeiten bringen würde, aber es war mir egal. Bald war ich mit allen im Streit und so unbeliebt im SOS-Kinderdorf, dass ich beschloss, wegzugehen.
Ich ging zu meiner Schwester, die mit ihrem Mann und ihren beiden Kindern in einer kleinen Zwei-Zimmer-Wohnung in St. Inés wohnte - einer ziemlich gefährlichen Gegend. Sie hatte keinen Platz für mich, brachte es aber nicht übers Herz, mich wegzuschicken. Dort saß ich den ganzen Tag in der Wohnung und lag ihr auf der Tasche. Ihr Mann und ich stritten häufig, dann ging ich hinunter auf die Straße, wo ich mich immer fürchtete. Ich fühlte mich so alleine, ich hatte nichts, ich hatte keine Perspektive. Und schließlich vermisste ich das SOS-Kinderdorf und meine SOS-Mutter so sehr, dass ich zurückging.
Und dann kam der Moment, der mich für immer veränderte. Als ich das Dorf betrat, freuten sich alle. Meine SOS-Mutter und meine Geschwister nahmen mich in den Arm. Ich war so gerührt, dass sie alle mich ohne jeden Vorwurf wieder bei sich aufnahmen! Ich habe nie eine solche Wärme erlebt. 'Wir haben auf dich gewartet', sagte meine SOS-Mutter zu mir.Auch meine SOS-Geschwister haben mir eine zweite Chance gegeben - und sie bedeuten mir heute sehr viel. Uns verbindet eine ähnliche Geschichte, die Erfahrung von Armut und Zurückweisung. Wenn wir füreinander da sind, können wir uns ein Stück von dem wiedergeben, was uns in unserer Kindheit verwehrt wurde.
Heute bin ich ein ganz anderer Mensch und froh, dass diese schwierige Zeit hinter mir liegt."