Die Provinz Matagalpa liegt im Herzen von Nicaragua und ist eine der größten und bevölkerungsreichsten Regionen des Landes. Wirtschaftlich und sozial liegt die Region danieder. Sie leidet noch heute unter den verheerenden Auswirkungen des nikaraguanischen Bürgerkrieges. Die Landwirtschaft als einziger wichtiger Erwerbszweig mit ihren Hauptsäulen Kaffeeanbau und Viehwirtschaft kann einem Großteil der Erwerbstätigen keine wirkliche Lebensgrundlage bieten. Investitionen in die Infrastruktur wären dringend nötig; die Straßen sind sehr schlecht, die Mehrzahl der Haushalte verfügen weder über Strom- noch Wasseranschluss. Die medizinische Versorgung ist unzureichend und viele Kinder leiden an Unterernährung und Mangelerscheinungen. In vielen Fällen ist Kindern der Schulbesuch verwehrt, da sie - infolge der prekären wirtschaftlichen Lage - von ihrer Angehörigen angehalten werden, durch den Straßenverkauf und andere Tätigkeiten zum Unterhalt beizutragen.
Die Provinzhauptstadt Matagalpa mit der gleichnamigen Hauptstadt liegt 127 km von Managua entfernt auf einer Seehöhe von 700 m. Alles deutet darauf hin, dass die Stadt aus einer ursprünglich indianischen Ansiedlung hervorgegangen ist. Zeugnis davon geben auch die aus dem Nahuatl stammenden Ortsnamen der Region. 1862 erhielt Matagalpa das Stadtrecht, jedes Jahr wird diesem Ereignis mit einem großen Fest am 14. Februar gedacht. Ein weiterer Festtag ist der 24. September, der zu Ehren der Jungfrau Maria (Virgen de las Mercedes) sehr festlich begangen wird.
Ausschlaggebend für die Entscheidung, ein neues Kinderdorf zu errichten, war die große Anzahl an hilfsbedürftigen Kindern in der Region und die Tatsache, dass zu dem betreffenden Zeitpunkt die Kapazitäten aller übrigen SOS-Kinderdorf-Einrichtungen in Nicaragua voll ausgeschöpft waren. 1999 wurde der Bau des SOS-Kinderdorfes und des SOS-Sozialzentrums Matagalpa in Angriff genommen. Die Bauarbeiten auf dem ca. 24.000 m2 großen Grundstück am Stadtrand dauerten bis Ende 2000. Das SOS-Kinderdorf bietet Platz für bis zu 99 Kinder. Es besteht aus 11 Familienhäusern, dem Dorfleiterhaus, einer Bibiliothek, einer Versammlungshalle und einem Verwaltungsgebäude mit Mehrzwecksaal. Außerdem gibt es einen Spielplatz für die Kinder.
Seit Juli 2005 gibt es eine SOS-Jugendeinrichtung, in der sich Jugendliche langsam auf ihre Unabhängigkeit vorbereiten, während sie noch in Ausbildung sind. Das SOS-Sozialzentrum Matagalpa nahm im Jänner 2001 seinen Betrieb auf. Es bietet eine Kindertagesstätte für Babys und Kleinkinder und organisiert Tagesmütterprogramme für Familien aus der Umgebung. Außerdem werden Aus- und Weiterbildungskurse für Eltern (besonders für Alleinerzieherinnen) durchgeführt. Es gibt einerseits berufsbildende Kurse, die den Familien ein Einkommen sichern sollen, andererseits auch persönlichkeitsbildende Kurse für Mütter, deren Kinder am Tagesmütterprogramm teilnehmen oder die Kindertagesstätte besuchen. All diese Maßnahmen sollen zur Familienstärkung in der Region beitragen, so dass möglichst viele Kinder geborgen in ihrer Ursprungsfamilie aufwachsen können.