Während des Krieges im Jahre 1971, aus dem Bangladesch als autonomer Staat hervorging, flohen Millionen Hindus aus dem damaligen Ostpakistan nach Indien. Um den unzähligen Waisenkindern zu Hilfe zu kommen, wurde 1975 in Bidhannagar, Salt Lake City, im Osten der Stadt Kolkata (Kalkutta) ein SOS-Kinderdorf errichtet. Die ersten Kinder konnten 1977 in das SOS-Kinderdorf einziehen. Das SOS-Kinderdorf Kolkata besteht aus 14 Familienhäusern, einer Mehrzweckhalle, Mitarbeiterunterkünften und den notwendigen Nebengebäuden. Ein Spielplatz wurde eingerichtet, damit die Kinder sich so richtig austoben können. Um die medizinische Versorgung der Dorfbewohner sicher zu stellen, wurde das SOS-Kinderdorf mit einer Krankenstation ausgestattet. Die Kinder besuchen öffentliche Schulen in der Umgebung.
1991 wurde in Kolkata eine SOS-Jugendeinrichtung eröffnet. Die Übersiedlung von Jugendlichen in eine Jugendwohneinrichtung geht meist mit dem Beginn einer Berufsausbildung oder dem Wechsel an eine höhere Schule einher. In dieser neuen Umgebung entwickeln die Jugendlichen, begleitet von qualifizierten Betreuern, realistische Zukunftsperspektiven, übernehmen mehr Verantwortung und treffen zunehmend eigene Entscheidungen. Gefördert werden Teamgeist und Kontakte zu Verwandten und Freunden, aber auch zu Behörden und möglichen Arbeitgebern.
SOS-Kinderdorf hat in Kolkata auch ein Wohnheim für SOS-Mütter im Ruhestand eingerichtet.
2003 startete SOS-Kinderdorf Indien seine Familienstärkungsprogramme in Kolkata. Mit Hilfe dieser Programme soll verhindert werden, dass Familien ihre Kinder verlassen. Um dies zu erreichen, arbeitet SOS-Kinderdorf direkt mit den Familien und den jeweiligen Gemeinden zusammen und unterstützt diese darin, bestmöglich für die Kinder zu sorgen. Organisiert wird die Präventionsarbeit gemeinsam mit lokalen Behörden und anderen Partnern. Das Familienstärkungsprogramm in Kolkata bietet Beratung und Unterstützung in den Bereichen Ernährung, Gesundheit und Bildung.
Verschiedene Ausbildungen werden angeboten, die Menschen werden bei der Berufswahl beraten und bei der Arbeitssuche unterstützt. Man hilft den Familien, mit bereits bestehenden Selbsthilfegruppen Kontakt aufzunehmen. Wenn keine passende Gruppe existiert, wird eine neue gegründet. Neben Erziehungsberatung finden auch Aktivitäten statt, um Hygiene und Kinderrechte im Bewusstsein der Bevölkerung zu verankern.