Das SOS-Kinderdorf Varanasi im bevölkerungsreichsten Bundesstaat Indiens, Uttar Pradesh, wurde 1985 eröffnet. Das SOS-Kinderdorf liegt in einer ländlichen Gegend ca. 25 km von der für Hindus heiligen Stadt Varanasi entfernt. Auf dem Dorfgelände steht ein hinduistischer Tempel unter uralten Banyanbäumen. Das SOS-Kinderdorf Varanasi besteht aus 18 Familienhäusern, Mitarbeiterunterkünften, einer Mehrzweckhalle und den notwendigen Verwaltungsgebäuden.
Die kleinen Kinder werden im SOS-Kindergarten betreut, der auch von Kindern aus der Umgebung besucht wird. Die medizinische Grundversorgung der Dorfbewohner und der Bevölkerung der Nachbarschaft wird durch die Krankenstation des SOS-Kinderdorfes gewährleistet. Außerdem befindet sich auf dem Dorfgelände eine SOS-Hermann-Gmeiner-Schule. Diese Sekundarschule hat 21 Klassen und einen Spielplatz und wird auch von Kindern aus der Umgebung besucht.
1993 wurde eine SOS-Jugendeinrichtung eröffnet. Sie besteht aus zwei SOS-Jugendhäusern und je nach Bedarf angemieteten Wohnungen. Die Übersiedlung von Jugendlichen in eine Jugendwohneinrichtung geht meist mit dem Beginn einer Berufsausbildung oder dem Wechsel an eine höhere Schule einher. In dieser neuen Umgebung entwickeln die Jugendlichen, begleitet von qualifizierten Betreuern, realistische Zukunftsperspektiven, übernehmen mehr Verantwortung und treffen zunehmend eigene Entscheidungen. Gefördert werden Teamgeist und Kontakte zu Verwandten und Freunden, aber auch zu Behörden und möglichen Arbeitgebern.
2003 startete SOS-Kinderdorf Indien seine Familienstärkungsprogramme in Varanasi. Mit Hilfe dieser Programme soll verhindert werden, dass Familien ihre Kinder verlassen. Um dies zu erreichen, arbeitet SOS-Kinderdorf direkt mit den Familien und den jeweiligen Gemeinden und unterstützt diese darin, bestmöglich für die Kinder zu sorgen. Organisiert wird die Präventionsarbeit gemeinsam mit lokalen Behörden und anderen Partnern. Das Familienstärkungsprogramm in Varanasi bietet Beratung und Unterstützung in den Bereichen Ernährung, Gesundheit und Bildung. Verschiedene Ausbildungen werden angeboten, die Menschen werden bei der Berufswahl beraten und bei der Arbeitssuche unterstützt. Man hilft den Familien, mit bereits bestehenden Selbsthilfegruppen Kontakt aufzunehmen. Wenn keine passende Gruppe existiert, wird eine neue gegründet. Neben Erziehungsberatung finden auch Aktivitäten statt, um Hygiene und Kinderrechte im Bewusstsein der Bevölkerung zu verankern.