SOS-Kinderdorf-Aktivitäten im Land
1969 lernte der Indonesier Agus Prawoto während eines Studien-aufenthaltes in Österreich die Idee und Einrichtungen von SOS-Kinderdorf näher kennen. Beeindruckt vom Konzept und angezogen von der fröhlichen Atmosphäre in den SOS-Kinderdörfern, entstand in ihm der Wunsch, auch in seiner Heimat elternlosen und verlassenen Kindern die Möglichkeit zu geben, in der Geborgenheit eines SOS-Kinderdorfes aufzuwachsen. Nach seiner Rückkehr nach Indonesien im Jahr 1970 begann Herr Prawoto unverzüglich mit den Vorbereitungen zur Gründung des ersten SOS-Kinderdorfes Lembang, 16 km nördlich der Stadt Bandung auf Westjava gelegen.. Der nationale Verein, ‚SOS Desa Taruna Indonesia’, wurde 1971 ins Leben gerufen. Im September 1972 konnten die ersten Familien ihr neues Zuhause im SOS-Kinderdorf Lembang beziehen.
Im Laufe der Zeit gelang es, SOS-Kinderdörfer mit angeschlossenen Einrichtungen auch in anderen Regionen des Inselstaates zu errichten. So in der Hauptstadt Jakarta und Semarang auf Java, in Tabanan auf Bali sowie in Maumere auf Flores. Schwere militärische Auseinandersetzungen zwischen indonesischen Regierungstruppen und Unabhängigkeitskämpfern in Ost-Timor im Jahr 1999 veranlassten SOS-Kinderdorf Indonesien, im Rahmen eines SOS-Nothilfeprogramms mehr als 100 Flüchtlinge aus einem Waisenhaus der timoresischen Hauptstadt Dili in das SOS-Kinderdorf Flores für die Dauer der Kämpfe in Sicherheit zu bringen.
Am 26. Dezember 2004 ereignete sich vor der Küste von Sumatra ein Erdbeben der Stärke 9.3, gefolgt von gewaltigen Tsunamis an den Küstengebieten des Indischen Ozeans. Am stärksten betroffen war der Nordwesten von Sumatra, wo über 100.000 Menschen den Tod fanden. Obwohl sich zu diesem Zeitpunkt noch keine SOS-Einrichtungen auf der Insel befanden, begannen die Mitarbeiter unter schwierigsten Bedingungen sofort mit ersten Nothilfemaßnahmen., gefolgt vom Wiederaufbau von über 500 Privathäusern und einer Reihe von Gemeindehäusern für die betroffene Bevölkerung in der Nähe von Banda Aceh und Meulaboh. Dank großzügiger Spenden und der guten Zusammenarbeit mit den örtlichen Behörden konnten bis 2007 drei neue SOS-Kinderdörfer errichtet werden.
2005 entstanden die ersten Familienförderprogramme mit dem Ziel, Kindern die Gefahr laufen von ihrer Herkunftsfamilie getrennt zu werden, den Verbleib in ihrem Familienverbund zu sichern. Dazu arbeitet SOS Desa Taruna Indonesia direkt mit Familien und den jeweiligen Gemeinden und stärkt sie in ihren Kapazitäten, die Kinder bestmöglich zu betreuen und zu schützen. Organisiert wird diese Präventivarbeit gemeinsam mit lokalen Behörden und anderen Sozialpartnern.
2006 erschütterte ein starkes Erdbeben die Stadt Yogyakarta. Die örtliche SOS Jugendeinrichtung Timoho startete sofortige Nothilfemaßnahmen und betreibt weiterhin Familienförderungsprogramme in den betroffenen Stadtteilen. Als 2007 große Teile von Jakarta überschwemmt wurden, leistete SOS Desa Taruna Indonesia erneute Nothilfe für die Flutopfer.
Zurzeit gibt es in Indonesien acht SOS-Kinderdörfer, fünf SOS-Jugendeinrichtungen, acht SOS-Kindergärten, eine SOS-Hermann-Gmeiner-Schule, zwei SOS-Berufsbildungszentren, und neun SOS-Sozialzentren.