SOS-Kinderdorf-Aktivitäten im Land
Erst vor wenigen Jahren konnte in Kambodscha relative Ruhe und Frieden einkehren. Jahrezehnte lang mussten die Menschen dort ihr Leid mit stoischer Ruhe ertragen. "Die Kambodschaner sind Buddhisten. Wenn eine Bombe ihr Haus zerstört, streuen sie sich Asche aufs Haupt und fragen sich, was sie im vorigen Leben falsch gemacht haben, um so ein Unglück zu verdienen", zitiert 1975 ein westlicher Journalist, im Januar 1975 einen Ex-Minister unter König Sihanouk. Wenige Monate später, im April, besetzen die Roten Khmer unter Führung von Pol Pot die Hauptstadt Phnom Penh. Ein Schreckensregime entsteht, das sich vier Jahre lang halten wird und in dieser Zeit über 1,7 Millionen Menschen ermordet - fast 20 Prozent der Bevölkerung. 1979 wird Pol Pot vertrieben, doch bis Mitte der neunziger Jahre kommt es immer wieder zu Unruhen und bürgerkriegsähnlichen Zuständen. Erst 1998 wird der Bürgerkrieg offiziell für beendet erklärt.
Aus diesem Grund steckt auch das Projekt der SOS-Kinderdörfer in dem südostasiatischen Land noch in den Kinderschuhen. Doch Hilfe ist dringend nötig. Das Pro-Kopf-Einkommen ist im Vergleich zu den Nachbarländern Thailand, Laos und Vietnam sehr gering, das Bruttoinlandsprodukt lag 2001 bei 1600 US-Dollar pro Person. Ein Großteil der Bewohner lebt in einfachen Holzhütten, die sanitären Einrichtungen sind mangelhaft. Seuchen und Krankheiten werden vor allem über Trinkwasser und Stechmücken übertragen. Besonders davon betroffen sind Kinder: 17 Prozent von ihnen sterben in jungen Jahren.
Und so war es höchste Zeit, als Anfang 2000 der Grundstein für das erste SOS-Kinderdorf in Kambodscha gelegt wurde. Im Februar 2001 zogen die ersten Kinder und Dorfmütter in die 14 nagelneuen Häuser, errichtet im lokalen Baustil, ein. In Siem Riep und in Battambang entstanden zwei weitere Kinderdörfer. Heute wachsen rund 440 elternlose Kinder und Jugendliche in drei kambodschanischen SOS-Kinderdörfern auf - in einem liebevollen Zuhause, in einer SOS-Familie mit einer Mutter und Geschwistern.
In Kambodscha gibt es heute drei SOS-Kinderdörfer, zwei SOS-Jugendeinrichtungen, drei SOS-Kindergärten, zwei SOS-Hermann-Gmeiner-Schulen und ein SOS-Berufsbildungszentrum.