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Bis zum Ausbruch des Bürgerkrieges im Jahr 1975 war der Libanon eine der stärksten und am weitesten entwickelten Wirtschaftsmächte der Region. Dazu gehörten ein starker Bankensektor, ein stabiler kommerzieller Sektor und ein wachsender industrieller Sektor. Der Bürgerkrieg, die israelische Invasion des Jahres 1982 und die darauffolgenden internen Konflikte führten zu der Zerstörung vieler Fabriken und Betriebe und zu einem Einbruch der ausländischen Investitionen. Nach dem Ende der Kämpfe in den frühen 90er Jahren begann ein Zeitalter der Stabilität, das durch die Konflikte des Jahres 2006 wieder unterbrochen wurde. 250 000 Menschen wurden zu Vertriebenen, mehr als tausend Menschen (darunter viele Zivilisten) wurden ermordet, und die Infrastruktur wurde stark in Mitleidenschaft gezogen. Durch die zurückgelassene Streumunition werden noch heute Menschen verletzt und getötet. Trotz der politisch instabilen Lage ist das Bruttoinlandsprodukt in den vergangenen Jahren gestiegen. Das Wachstum betrug im Jahr 2010 7,5 Prozent, wurde aber 2011 aufgrund einer erneuten politischen Krise auf 2,5 Prozent gedrosselt. Die Wirtschaft basiert vorwiegend auf dem Dienstleistungssektor, in dem 79,4 aller Erwerbstätigen beschäftigt sind. In der Industrie arbeiten 16 Prozent, in der Landwirtschaft knapp fünf Prozent der Bevölkerung (2010, Schätzung). Der Tourismus und der Bankensektor haben in den letzten Jahren an Bedeutung zugenommen; Geldsendungen von im Ausland lebenden Libanesen leisten weiterhin einen wichtigen Beitrag zur Wirtschaft des Landes. Über ein Viertel der Bevölkerung lebt von weniger als vier US-Dollar, knapp acht Prozent von weniger als zwei US-Dollar pro Tag. Die Armutsrate ist in den Regionen Hermel, Baalbeck und Akkar am höchsten, in Beirut am niedrigsten. In den größten Städten des Landes ist ein Anstieg der städtischen Armut zu verzeichnen. Vor allem ungelernte Arbeiter, Arbeitslose, Frauen und junge Menschen sind von Armut betroffen. Der Libanon ist sowohl Herkunfts- als auch Bestimmungsland für Frauen und Kinder, die zur Zwangsarbeit gezwungen oder kommerziell sexuell ausgebeutet werden.
Blättern in einem Fotoalbum (Foto: R. Ben Messalem)Im Libanon leben ca. 1,3 Millionen Kinder unter 18 Jahren. Sie leiden schwer an den sozialen, politischen und wirtschaftlichen Folgen des Bürgerkriegs im Libanon. In jüngster Zeit waren die Kinder auch von den finanziellen und emotionalen Auswirkungen des jüngsten Konfliktes aus dem Jahr 2006 betroffen. Das Gesundheitssystem des Landes befindet sich immer noch im Wiederaufbau, damit Kinder Zugang zu einer guten Gesundheitsversorgung erhalten können. Während des Konflikts wurden auch viele Schulen beschädigt, und internationale Hilfsorganisationen beteiligen sich gemeinsam mit der Regierung am Wiederaufbau. Schätzungsweise 100 000 Kinder und Jugendliche müssen Zwangsarbeit verrichten. Die Zahlen sind je nach Gegend unterschiedlich und im Norden des Landes und in der Region Mount Lebanon am höchsten. Kinder arbeiten in Lebensmittelläden, kleinen Werkstätten oder sammeln zur Wiederverwertung geeignete Materialien. Mädchen werden häufig von ihren Eltern "verkauft", um als Hausangestellte zu arbeiten. Häufig gehen diese Kinder nicht zur Schule. Obwohl die Zahl der Kinder, die eine Vorschule besuchen, gestiegen ist und sehr viele Kinder eingeschult werden, gibt die Quote der Schulabbrecher Anlass zur Sorge. Schätzungen zufolge brechen mehr als 32 Prozent der Kinder zwischen 12 und 13 Jahren die Schule ab. Jungen sind noch häufiger als Mädchen betroffen. Die Bildungsquoten in der Sekundarstufe sind wesentlich niedriger und liegen bei 74,9 Prozent. Im Verhältnis besuchen mehr Mädchen als Jungen eine Sekundarschule.
SOS-Kinderdorf begann seine Tätigkeit im Libanon in Bhersaf in der Region Mount Lebanon im Zentrum des Landes. In den 70er und 80er Jahren wurden die Aktivtäten unserer Organisation auf Beirut und Sferai ausgeweitet. In den 90er Jahren wurde die Unterstützung auf Kinder und Familien in Kfarhay im Norden des Landes und im Jahr 2006 auf die Region Ksarnaba ausgedehnt. Das Familienstärkungsprogramm setzt sich gemeinsam mit lokalen Behörden für die Unterstützung von Kindern ein, die vom Verlust der elterlichen Fürsorge bedroht sind. Die Mitarbeiter von SOS-Kinderdorf sorgen dafür, dass Kinder Zugang zu Leistungen der Grundversorgung wie Gesundheit und Bildung haben, und bieten Beratungen und psychologischen Beistand an. Kinder, die ihre Eltern verloren haben oder nicht länger bei ihren Familien bleiben können, finden liebevolle Aufnahme in einer familiennahen Umgebung, der SOS-Kinderdorf-Familie. Kleine Kinder können im SOS-Kindergarten betreut werden, während ihre Eltern den Lebensunterhalt verdienen oder an Bildungsmaßnahmen teilnehmen. Junge Erwachsene können in spezielle Unterkünfte ziehen, in denen sie auf ihrem Weg in die Selbständigkeit von ausgebildeten Fachkräften begleitet werden.
Website von SOS-Kinderdorf Libanon (verfügbar auf Englisch)