Die ersten neun Jahre ihres Lebens zog Elisabetha von einem Ort zum anderen. Zwangsweise, denn sie wurde von einem Waisenhaus zum nächsten gereicht. Ihr Glückstern begann erstmals im Waisenhaus Bjelawa zu leuchten. Hier war es die SOS-Mutter Mevlida, die die zitternde Hand des kleinen Romani-Mädchens nahm und sie an einen Ort mitnahm, der nun ihr Zuhause werden sollte: Das SOS-Kinderdorf Sarajewo.
"Es war ein sehr schwerer Anfang," sagt Elisabetha heute. "Ich hatte eine Menge Probleme. Vielleicht kann das jemand anderes besser erklären als ich. Alles was ich weiß, dass ich dachte, ich würde auch hier nicht allzu lange bleiben können." Als Elisabetha ins SOS-Familienhaus kam, war das für sie ein Kulturschock. Sie war es von den Waisenhäusern gewöhnt, dass ständig jemand um sie herum war und sie genau nach Dienstplan versorgte. Elisabetha konnte nicht begreifen, dass sie nun zusammen mit einem anderen Mädchen ein Zimmer alleine bewohnen sollte. Es war neu für sie, dass die Küche immer offen stand. Und dass jemand da war, der immer Zeit für sie hatte.
Elisabetha hatte auch damit zu kämpfen, dass sie das einzige Kind im SOS-Kinderdorf war, das von Romani abstammte. Stundenlange Gespräche mit ihrer SOS-Mutter Mevlida machten ihr schließlich klar, dass die Zeit der Wanderschaft von einem Ort zum nächsten nun vorbei sei. Aus der ehemals entwurzelten Elisabetha wurde ein Mädchen, das nun verstand, wo es hingehörte. Elisabetha übernahm Aufgaben im Haushalt und auch in der Schule ging es bergauf. Jetzt ist sie eine überdurchschnittliche Schülerin, und darauf ist sie stolz.
Besonders ans Herz gewachsen ist ihr Damir, der Pädagoge im Dorf. Oft reden die zwei über Gott und die Welt wie zwei Erwachsene - vor allem über Elisabethas Leben. Damir freut sich, dass die Zeit überwunden ist, in der sich Elisabetha allem und jedem verschlossen hat. Zum ersten Mal in ihrem Leben hat Elisabetha Pläne für die Zukunft, an denen sie arbeitet: "Ich mag Musik und Kunst. Aber das Leben als Künstler ist so unsicher. Ich werde wohl zu einer Schule gehen, wo man Lehrer werden kann. Dann werde ich Kunstlehrer."