Wie sieht Ihre Zusammenarbeit mit den Mitarbeitern von SOS-Kinderdorf aus?
Wir müssen eine gemeinsame Basis finden. Bis jetzt hat die Zusammenarbeit problemlos funktioniert. Vielleicht kann der eine oder andere eine andere Person gut leiden oder auch nicht, aber Arbeit ist Arbeit und sie muss so gut wie möglich erledigt werden. Ich habe weder als Tante noch als Mutter Probleme gehabt.
Werden viele pädagogische Seminare angeboten, und in welcher Weise profitieren Sie davon?
Natürlich lernen wir eine Menge bei diesen Seminaren und Kursen. Wir erhalten eine Menge professionelle Orientierungshilfe und Unterstützung. Ich persönlich aber glaube, dass die Dinge, die wir im täglichen Leben lernen, wichtiger und oftmals nützlicher sind als das, was wir in einer Vorlesung hören.
Ich mag die klassischen Vorlesungen und Regeln nicht. Ich lerne lieber durch zwanglose Gespräche. Jedes Kind braucht etwas anderes, und deshalb glaube ich, dass man nicht verallgemeinern und einfach aufzählen kann.
Sind die Dinge, die Sie auf fachlicher Ebene lernen, leicht umzusetzen, wenn es um direkte Arbeit mit den Kindern geht?
Ich versuche, soviel wie möglich aus den Seminaren mitzunehmen und ertappe mich oftmals bei dem Versuch, die Dinge, die ich gelernt habe, an allen sieben Kindern umzusetzen. Doch dann stellt sich oft heraus, dass nur eines der Kinder dies auch annimmt. Bis jetzt glaube ich, dass ich nichts vollkommen falsch gemacht habe, und was in Zukunft sein wird, kann ich nicht sagen.
Für mich stehen die Kinder im Mittelpunkt des Zuhauses. Ich biete ihnen volle Unterstützung, wenn es um ihre eigenen Entscheidungen, Vorstellungen und Wünsche geht. Ich habe unterstützende Funktion. Die Kinder werden von verschiedenen Dingen gelenkt. Von Dingen, die aus ihrem Innersten kommen. Und dann sollte jemand da sein, der den Arm um sie legt, ihnen zeigt, was falsch und was richtig ist, und erklärt, dass es einmal aufwärts und dann wieder abwärts gehen kann.
Vielleicht hat man jetzt den Eindruck, dass ich eigentlich nicht wirklich arbeite, aber das gilt für uns alle. Wir arbeiten hier nicht, sondern wir leben hier. Nur jemand, der mit unserem Konzept nicht vertraut ist, kann das sagen, oder jemand, der wirklich glaubt, dass das hier einfach nur ein Job ist. Für mich ist das nicht so.
Haben Sie eine positive Wende im Verhalten der Kinder bemerkt?
Ja, auf jeden Fall. Und wenn es um negative Dinge geht, wenn sie zum Beispiel etwas tun, das sie im Waisenhaus gelernt haben und wovon sie wissen, dass es falsch ist und dass sie es nicht tun sollten, so versuchen sie sofort, es wieder gut zu machen. Ich stehe zu meiner Einstellung, dass ich nicht sehr viel Einfluss auf ihre Entwicklung habe. Wie ich schon gesagt habe, halte ich mich mehr für einen Beobachter. Wenn ich merke, dass einige vom Weg abkommen, dann bin ich da, um sie zurückzuholen und die Dinge wieder in Ordnung zu bringen.
Ich weiß nicht, ob ich damit erfolgreich war. Ich spreche nicht gerne über meine Gefühle, wenn es um die Kinder geht. Ich breite meine Gefühle gegenüber den Kindern nicht gerne in aller Öffentlichkeit aus. Sie bleiben im Haus. Das ist vielleicht egoistisch, aber sie sind meine Kinder.