 Mina, Helena und Dunja aus dem SOS-Kinderdorf Puschkin bei St. Petersburg |
Mina, 12, und Helena, 10, kamen vergangenes Jahr ins SOS-Kinderdorf St. Petersburg, Russland. Die beiden Schwestern waren gezeichnet an Körper und Seele. Sie kamen aus einem Rehabilitationszentrum für traumatisierte Kinder und waren für SOS-Mutter Nana eine große Herausforderung: "Es war nicht einfach für mich und die anderen Kinder, einen Zugang zu den beiden zu finden", sagt die 40-jährige SOS-Mutter.
Die beiden Mädchen fassten nur sehr langsam Vertrauen zu ihr und den Geschwistern, oft zogen sie sich zurück oder hatten plötzlich Wutausbrüche. Den Mädchen fiel es schwer, Regeln einzuhalten und Grenzen zu akzeptieren. Aber Nana schaffte das Unmögliche: Nach und nach kamen Mina und Helena mit ihren Problemen zu ihr, erzählten ihr von ihren Schwierigkeiten und stellten fest: Dieser Person kann ich vertrauen, sie ist für mich da.
Nach und nach gewöhnten sich Mina und Helena auch an die neuen Geschwister, die sich ebenfalls sehr viel Mühe gaben. "Die beiden sind wie Rosenbüsche", lächelt Nana, "man muss sie sorgfältig pflegen, dann entfalten sie ihre ganze Pracht. Aber an manchen Tagen zeigen sie einem nur ihre Dornen."
 Endlich angekommen: SOS-Kinderdorf-Mutter Nana mit der kleinen Dunja |
Außer sich vor Freude und Angst
Nach ein paar Wochen verrieten die beiden Nana dann endlich den Grund für ihre Stimmungsschwankungen: "Ihre kleine Schwester Dunja wurde von ihnen getrennt und sie wussten nicht, wo sie war. Es war, als würde den beiden ein Organ fehlen, und ich wusste, es würde den beiden keine Ruhe lassen, bis Dunja ebenfalls im Kinderdorf wäre."
Also fragte Nana in allen Ämtern und Einrichtungen in der Nähe von St. Petersburg nach der kleinen Dunja. Dies war wohl die schwierigste Zeit für Mina und Helena: Das Bangen und Hoffen, ob und wann denn die kleine Schwester endlich käme.
Bald hatte Nana das Kind gefunden: Es lebte in einem Waisenhaus in der Nähe von St. Petersburg. Der Dorfleiter regelte die Formalitäten mit den Behörden und bald stand der Termin fest, an dem Dunja zu ihren Schwestern ins Kinderdorf kommen sollte. "Mina und Helena waren tagelang außer sich", erinnert sich Nana, "vor Freude, aber auch vor Angst, dass irgendetwas schief gehen könnte."
 Die drei Schwestern, endlich wieder vereint |
Vertrauen gewinnt man langsam
Endlich war der Tag da, an dem Dunja ins Kinderdorf kam. Alle im Kinderdorf waren aufgeregt und freuten sich auf die Kleine. Die Vorfreude der beiden Schwestern war riesig, sie dachten sich Spiele aus, die sie mit Dunja spielen würden, sie deckten den Tisch besonders sorgfältig und standen mit leuchtenden Augen in der Tür, als das Auto des Dorfleiters mit Dunja hielt.
Doch dann mussten die Schwestern den nächsten Schock verkraften: Dunja erkannte sie nicht wieder. Ihre kleine Schwester hatte sie vergessen! Mina brach in Tränen aus, Helena war etwas tapferer, aber auch sie war den Tränen nahe.
Nana erklärte den beiden, dass so etwas oft vorkäme: dass Kleinkinder nach besonders schlimmen Erfahrungen einfach alles, was damit zusammenhing, vergaßen. Es dauerte einige Wochen, bis Mina und Helena begriffen, dass sie neue Brücken zu ihrer kleinen Schwester bauen mussten, Stein für Stein, dass Vertrauen etwas ist, das nicht in ein paar Tagen entsteht. Nana und auch die anderen SOS-Geschwister waren dabei immer für die drei Mädchen da.
 Helena und Dunja |
Dunja blüht auf
Heute herrscht wieder Harmonie in Nanas SOS-Familie. Kaum zu glauben, dass die Kinder so schwere Zeiten erlebt haben: Sie spielen miteinander, tollen herum, und Dunja entwickelt sich prächtig: "Sie ist wie eine weitere Blüte", freut sich Nana, "an einem prachtvollen Rosenbusch."