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Gayan soll wieder weinen und auch lachen lernen 

26.01.05 - Gayan (4), seine jüngere Schwester (3) und seine ältere Schwester (11) lebten mit ihren Eltern und ihrem Großvater in einem kleinen Haus am Strand in Hikkaduwa, Sri Lanka. Nach dem Meerbeben ist nichts mehr so, wie es einmal war.


(Foto: D. Sansoni)
(Foto: D. Sansoni)
Als die erste Tsunami-Welle über ihr Haus hereinbrach, hielt sich Gayan mit seiner Mutter in der Küche auf, seine zwei Schwestern spielten mit dem Großvater im Garten, der Vater las gerade die Zeitung. Die Familie konnte die nahende Welle nicht sehen, da die Hauswand Richtung Meer keine Fenster hatte. Sie wurde völlig überrascht. Die Welle riss alle mit sich - außer Gayan und seine Mutter. Die Mutter konnte Gayan gerade noch rechtzeitig in den Arm nehmen und mit ihm auf ein Hausdach klettern. Von dort aus sah sie, wie die Wassergewalt die Menschen mitriss wie Spielpuppen. Sie musste schließlich mit ansehen, wie ihre zwei Töchter hilflos den Wassermassen ausgeliefert waren. Die Mutter schrie verzweifelt nach ihnen, aber sie musste sich entscheiden - entweder zu ihren Töchtern ins Wasser springen oder bei ihrem Sohn auf dem Dach bleiben. Sie schrie um Hilfe, doch niemand hörte sie.

Gayan verlor in den Fluten seine zwei Schwestern, seinen Vater und seinen Großvater. Er wich seiner Mutter nicht von der Seite. Auch nicht, als sie später die Leichen ihrer Liebsten identifizieren musste. Sie schlug sich gegen die Brust und weinte bitterlich, Gayan jedoch blieb apathisch und zeigte keine Regung, er schaute sie nur wie betäubt an. Der Junge spricht bis heute kein Wort über die Tragödie. Einzig in seinen Zeichnungen drückt er seinen Schmerz aus. Sein Gesicht aber ist reglos wie eine Maske.

Gayans Mutter ist verzweifelt und möchte gar nicht mehr leben, wenn es nicht Gayan gäbe. Sie macht sich Sorgen um ihn: "Wird er je wieder Gefühle zeigen können? Wird er je wieder weinen oder lachen können? Es scheint, als ob die Flut nur seinen Körper zurückgelassen und seine Seele weggeschwemmt hat."

Die Mitarbeiter der SOS-Kinderdörfer vor Ort stehen Gayan und seiner Mutter bei und versuchen, durch intensive psychologische Betreuung mit ihnen das Trauma, das sie erlitten haben, aufzuarbeiten. Gayan soll wieder weinen und auch lachen lernen.


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