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    • > SOS-Hilfe in Haiti

      Nach dem Erdbeben in Haiti haben die SOS-Kinderdörfer ein umfangreiches Hilfsprogramm gestartet. Hier erfahren Sie mehr.

SOS-Kinderdörfer Wo wir helfen Hilfsprojekte Erdbeben in Haiti: SOS-Hilfe für Kinder und Familien Kinderschicksale & Reportagen Haitianer helfen sich selbst

Haiti: Mit den Menschen für die Kinder 

Haiti nach dem Erdbeben: Selbstorganisierter Schulunterricht in einem GemeindezentrumIn Eigeninitiative organisierter Unterricht in einem SOS-Gemeindezentrum  - Fotos: Toni KeppelerDer Mann fällt auf. Er ist der einzige Weiße unter lauter Schwarzen, der einzige Europäer unter Haitianern. Er gibt das Essen aus: Ein haitianischer Maisbrei, ähnlich der Polenta. Die Köchin kauert am Boden und schöpft aus einem großen Blechtopf auf offenem Feuer einen Teller nach dem anderen voll. Georg Willeit reicht das Essen weiter an die Kinder, die in einer langen Schlange warten. Der Nothilfe-Koordinator der SOS Kinderdörfer weltweit ist zu Besuch in einem der mittlerweile 117 Community Centers nahe der Hauptstadt Port-au-Prince.

Vor dem verheerenden Erdbeben vom 12. Januar gab es rund um das Kinderdorf Santo 16 solcher kleinen Zentren. Alle anderen sind nach der Katastrophe entstanden, als spontane Initiative der Bevölkerung. Das Community Center Ti Guinen ist so eine Neugründung. "Wir haben gesehen, was SOS in anderen Vierteln macht", erzählt Sinora Lormine. "Wir haben sie gefragt, ob sie uns nicht auch unterstützen könnten."

Essensausgabe im Gemeindezentrum in HaitiEssensausgabe im Gemeindezentrum in Haiti: SOS-Nothilfe-Koordinator Georg Willeit ist vor Ort und packt mit an"Es gibt kaum mehr Schulen hier in der Gegend"

Lormine ist Lehrer. Die Schule, in der er unterrichtet hat, ist zusammengestürzt. "Es gibt kaum mehr Schulen hier in der Gegend", sagt er. So kam er zusammen mit ein paar Kollegen auf die Idee, einfach eine Schule zu improvisieren. Auf einem großen freien Platz nahe Santo steht nun ein großes weißes Zelt. Drinnen und drum herum zusammengezimmerte Bänke. 234 Kinder werden hier unterrichtet, in den ersten sechs Klassenstufen. Zum Essen kommen insgesamt 386. Die Rolle der SOS-Kinderdörfer beschränkt sich darauf, die Lebensmittel zu liefern. "Genau so soll es auch sein", sagt Willeit.

Haiti nach dem Erdbeben: Schulunterricht unter freiem HimmelSchulunterricht unter freiem HimmelMit den Menschen für die Kinder

"Wir hatten großes Glück", gesteht er. Im Kinderdorf gab es keine Schäden. "Und über unsere 16 Community Centers kannten wir sehr viele Menschen rund um unser Dorf." Die wussten, wo die Not am größten ist und organisierten sich selbst. So ist die Zahl dieser Zentren in den vergangenen Monaten auf 117 gestiegen. Rund 20.000 Kinder werden täglich mit Frühstück, Mittagessen und Abendessen versorgt. Und zwischen den Mahlzeiten organisieren die Einheimischen Unterricht oder ein Freizeitprogramm. "So haben die Eltern Zeit, sich ums Geldverdienen zu kümmern." Die Kinder sind versorgt und haben zu essen. Die Gefahr, dass sie aus Verzweiflung von ihren Eltern verlassen werden, ist gebannt.

Vier Kleinlaster versorgen die Community Centers von Montag bis Donnerstag jeweils mit einer Wochenration. Nicht mit Lebensmittelpaketen für einzelne Familien, sondern mit ganzen Säcken von Bohnen und Reis und Kisten voller Obst. Ein kleines Team kocht für alle. So kommen die Menschen zusammen, reden miteinander und organisieren sich um diese Küchen herum.

Suppenküche in Haiti

Suppenküche in einem der neuen Gemeindezentren in Haiti: Die Eltern kochen für die Kinder, die SOS-Kinderdörfer liefern die Lebensmittel.

Eltern helfen mit

Das Vorbild dieser neu entstandenen Zentren sind die Community Centers, die es schon vor dem Erdbeben gab. Die haben eine feste Unterkunft samt abschließbarem Lager, ausgebildete Erzieherinnen, die hier Erziehungsmütter genannt werden, und Kochmütter. Die Eltern sind in Kommitees organisiert, helfen beim Putzen und Reparieren und werden abends selbst unterrichtet: Sie lernen Lesen und Schreiben und Grundregeln der Hygiene.

Sinora Lormine im Community Center Ti Guinen ist da fast ein bisschen neidisch. "Wir haben kaum Schulmaterial und können die Lehrer nicht bezahlen", erzählt er. "Wir bräuchten ein zweites Zelt oder wenigstens eine große Plane." Der Schatten des großen Mangobaums reicht nicht für alle sechs Klassen. Doch Lormine ist zuversichtlich: "Wir haben ans Erziehungsministerium geschrieben. Wir wollen als öffentliche Schule anerkannt werden." Dann müsste sich das Ministerium um Gehälter, Lehrmaterial und Einrichtung kümmern und die ehrenamtlichen Aktivitäten aus Ti Guinen hätten einen neuen großen Baustein für den Wiederaufbau des Viertels gelegt.

Toni Keppeler

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