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SOS-Kinderdörfer Wo wir helfen SOS-Geschichten

Das Mädchen mit den blauen Augen 

Das kleine Mädchen war acht Monate alt, als sie in ein usbekisches SOS-Kinderdorf kam. Sie hatte keinen Namen, niemand wusste, wann oder wo sie geboren war. Alles, was sie hatte, waren ihre strahlend blauen Augen. So taufte sie ihre SOS-Mutter Firuza: "Blauauge".                  


Mutter mit Baby im SOS-Kinderdorf Taschkent. Foto: Hiralal WangnooMutter mit Baby im SOS-Kinderdorf Taschkent. Foto: Hiralal WangnooAls Firuza in eines der SOS-Kinderdörfer in Usbekistan kam, war sie gerade mal acht Monate alt. Ein Mitarbeiter einer Hilfsorganisation brachte sie ins Dorf. Und obwohl sie schon acht Monate alt war, sah sie aus, als wäre sie erst zwei oder drei Monate alt. Sie war so schwach, dass sie nicht einmal ihren Kopf aufrecht halten konnte. "Sie war so winzig", erinnert sich ihre SOS-Mutter, "so winzig, dass man eigentlich nur ihre blauen Augen sah."

Tatsächlich waren diese blauen Augen das einzige, was das kleine Kind mit ins SOS-Kinderdorf brachte: Niemand wusste ihren Namen oder ob sie überhaupt einen hatte. Niemand wusste, wann sie geboren war und es wusste auch niemand etwas über ihre Eltern. Der Mitarbeiter der Hilfsorganisation erzählte, dass die Mutter dieses Baby verkaufen wollte. Aber da es sehr krank war, wollte es niemand haben. So ließ sie es in der Ambulanz einer Klinik zurück und verschwand spurlos. Blaue Augen sind eine Seltenheit in Usbekistan, denn dort haben fast alle Menschen braune Augen. Es könnte also sein, dass ihr Vater aus dem Norden kommt, möglicherweise aus Russland.
 

Mädchen ohne Vergangenheit

Als Firuza im SOS-Kinderdorf ankam, fand man einen Zettel bei ihr, auf dem stand, dass sie wahrscheinlich am 16. Dezember geboren war, darunter ein undeutlicher Krankenhausstempel. Später fand man heraus, dass der Stempel eine Fälschung war und Firuza nicht in diesem Krankenhaus zur Welt kam.

Also hatte sie überhaupt keine offizielle Identität. Die SOS-Kinderdörfer mussten neue Papiere beantragen, einen Geburtsort eintragen lassen und ihr einen Geburtstag geben. Ihre SOS-Mutter beschloss, sie nach ihrer Augenfarbe zu benennen: Firuza bedeutet "Blaue Augen" auf Usbekisch. "Blaue Augen sind in Usbekistan so selten wie Juwelen", lächelt sie und ergänzt: "Auf die Geburtsurkunde schrieben wir, dass der Name ihres Vater 'Perfection' lautet. Und ich bete dafür, dass ihr das helfen wird, in ihrem Leben immer Perfektion anzustreben."

Tochter einer Heldin

SOS-Familie aus dem Kinderdorf Taschkent. Foto: Günter KalteisSOS-Familie aus dem Kinderdorf Taschkent. Foto: Günter KalteisDer kleine Sonnenschein Firuza war das erste SOS-Kind ihrer Mutter. Und so hatte die Mutter Zeit, sich völlig auf das Baby zu konzentrieren. Und Firuza brauchte es dringend, denn sie war schwach und kränklich und schlief nachts nicht. Ihre SOS-Mutter trug sie jede Nacht durchs Haus, so lange, bis sie auf ihrem Arm einschlief. Sechs Monate lang verbrachte ihre Mutter unzählige Stunden mit ihr, kuschelte mit ihr und machte sie gesund. Der Dorfleiter sagte: "Es war heldenhaft, wie sie sich um das Kind kümmerte."

Jetzt, eineinhalb Jahre später, ist Firuza wie verwandelt: Sie ist lebhaft, saust strahlend durch das Haus und spricht ununterbrochen. "Sie ist unser kleiner Sonnenschein", sagt die Familienhelferin froh. "Wenn sie nicht hier her gekommen wäre, wäre ihr Schicksal dunkel gewesen, das muss man so sagen."
 
 

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