Maria Merlin - Teil 2

Wie kleine Tarzane schwingen die Kinderdorf-Kinder an den Lianen des Banyanbaums
Wie kleine Tarzane schwingen Maria und die anderen Kinder an den Lianen des Banyanbaums
Um 16 Uhr ist die Schule aus, zusammen mit hundert anderen Kindern stürmt Maria nach draußen. Vor der Haustür zieht Maria ihre Schuhe, die ein Teil der Schuluniform sind, aus - die braucht sie heute nicht mehr, gespielt wird nämlich barfuß. Drinnen hat Grace bereits einen Snack für sie und ihre Geschwister vorbereitet. Nach einem Teller Porridge zieht es Maria wieder nach draußen.

"Fußball und Tennis sind meine Lieblingsspiele", erzählt das Mädchen. Dafür ist auf dem großen offenen Platz in der Mitte des Dorfes viel Platz. Jetzt will sie aber erst mal rutschen. "Komm mit, Aka", ruft sie und nimmt uns an der Hand. "Aka" heißt "große Schwester" auf Tamilisch, der Muttersprache der Kinder im Dorf. Maria nimmt ihre neuen großen Schwestern nicht nur mit auf die Rutsche sondern auch auf die Wippe und das Klettergerüst. Mit den vielen verschiedenen Bäumen im Dorf kennt sie sich bestens aus: "Das ist ein Mangobaum und das da ist ein Banyanbaum." Sie zeigt auf einen großen Baum mit ausladender Krone. Wie kleine Tarzane schwingen die Kinder an seinen Lianen, die von oben herunterwachsen,  durch die Luft. Doch der Baum ist nicht nur ein weiteres Spielgerät, sondern auch ein Symbol. "Wir vergleichen den Banyanbaum mit Eltern und ihren Kindern", erklärt Dorfleiter NambiVaratharajan. "Am Anfang unterstützt der Hauptstamm die Wurzeln, bis diese den Boden erreichen und selber zu Stämmen werden. Nun sorgen diese für die Ernährung des Baumes, während der ursprüngliche Stamm langsam abstirbt. So wird der Baum immer größer und stärker - wie eine Familie."