Maria Merlin - Teil 3

Maria mit ihrer SOS-Mutter Grace
Innige Umarmung: Maria mit ihrer SOS-Mutter Grace. Im Hintergrund hängt ein Marienbild. Die SOS-Familie ist christlich, sie meisten Kinder und Mütter im Dorf sind jedoch Hindus
Das Läuten einer Glocke mischt sich unter das fröhliche Kindergeschrei. Zuerst wird es beharrlich ignoriert, dann aber versammeln sich Kinder und Mütter in dem großen runden Gebäude, das als Gemeinschaftsraum dient. Jeden Abend um 18 Uhr werden hier Nachrichten vorgelesen, man tauscht sich aus, betet gemeinsam und singt zum Abschluss Indiens Nationalhymne. Unter lautem Geschrei rennen die Kinder danach wieder nach draußen, die Mütter in ihren leuchtend bunten Saris nehmen sich etwas mehr Zeit, als sie ihren Kindern in die Häuser folgen.

Maria, ihre acht Geschwister und Grace treffen sich im kleinsten Raum des Hauses, dem Gebetsraum. Bilder von Jesus und Maria schmücken die Wände, behängt mit Blumenketten. Auf einem Tisch, der als eine Art Altar dient, stehen Plastikfigürchen der beiden, Kerzen und ein hölzernes Kreuz. Grace und ihre Familie sind Christen - die einzigen im Dorf. "Bevor ich SOS-Kinderdorf-Mutter wurde, wollte ich Nonne werden, in Italien. Ich war bereits dort, in einem Kloster bei Pisa", erzählt Grace ihre Geschichte. Aber dann kam sie mit dem Klima dort nicht zurecht und reiste zurück in die Heimat. Bei einem Blick in die Zeitung stieß sie auf eine Anzeige: "Mütter für SOS-Kinderdörfer gesucht" Lange musste sie nicht überlegen, bevor sie ihre Bewerbung abschickte. Nach der theoretischen und praktischen Ausbildung in Delhi wurde sie SOS-Mutter in Chennai.

Das war im Jahr 2000. Seitdem hat Grace insgesamt 21 Kindern ein Zuhause gegeben. "Drei meiner Mädchen und einer der Jungs sind mittlerweile verheiratet", erzählt sie stolz. Immer zu Weihnachten kommen alle, die bereits auf eigenen Füßen stehen, nach Hause, um mit ihrer Familie zu feiern. "Dann helfen mir die Mädchen, Kekse zu backen. Wir bekommen an Festtagen der Hindus immer Süßigkeiten von den anderen Familien geschenkt. Weihnachten sind dann wir dran und backen Kekse für die 13 anderen Familien im Dorf", lacht Grace.