Philippinen: Ein Jahr nach dem Taifun

Die Aufbauhilfe der SOS-Kinderdörfer geht weiter

08.11.2014 - Neuanfang für Kinder und Familien, Wiederaufbau von Häusern und Schulen: Dank Ihrer Unterstützung konnten die SOS-Kinderdörfer den Taifun-Opfern auf den Philippinen nachhaltig helfen. Doch es gibt noch viel zu tun!

 


 

8. November 2013: "Haiyan", einer der mächtigsten Taifune aller Zeiten, bricht mit verheerender Zerstörungskraft über die Philippinen herein. Die 200.000-Einwohner-Hafenstadt Tacloban und den SOS-Kinderdorf-Standort in der Provinz Leyte macht er fast dem Erdboden gleich. Insgesamt fordert der Sturm an diesem Tag mehr als 6000 Leben. 4,1 Millionen Menschen, darunter 1,7 Millionen Kinder, werden obdachlos.

Die SOS-Kinderdorfmutter Nanay Dottie erlebte "Haiyan" in Tacloban so:


  • Tod und Zerstörung: Vor einem Jahr brach der Taifun "Haiyan" über die Philippinen herein.
    2 Uhr nachts: „Eine seltsame Stille draußen machte mich unruhig und ließ mich nicht mehr einschlafen.“ 
  • Gegen 3.30 Uhr: „Die Glühbirne fing an zu flackern, dann ging das Licht aus: Stromausfall. Plötzlich kam ein starker Wind auf und Regen setzte ein. Beunruhigt schalteten wir das batteriebetriebene Radio an und hörten die neuesten Meldungen zu dem heranziehenden Taifun. Dann brach die Sendung ab - aus den Lautsprechern nur noch Rauschen.“
  • 6 Uhr morgens:  „Der Sturm wurde immer stärker - peitschender Regen. Wir weckten die Kinder. Plötzlich splitterten die Scheiben. Gewaltige Sturmböen hatten die Fenster eingedrückt.“
  • 6:05 Uhr „Die Kinder schrien. Wir türmten Matratzen zu einer schützenden Mauer auf. Alle drängen sich in der Nähe der Tür zusammen, um notfalls schnell aus dem Haus rennen zu können. Ich gab unserem Jüngsten gerade Milch zu trinken, als ich die Kälte an meinen Füßen spürte.“
  • 6:15 Uhr: Wassermassen schossen ins Haus. „Ich sah nach draußen.  Alles war überflutet und das Wasser stieg rasend schnell. Die Kinder kletterten vor den Fluten auf die Tische, aber das reichte nicht aus.“
  • 6:18 Uhr: „Wir riefen den Jungen und Mädchen zu, in den Dachstuhl zu flüchten. Erst halfen wir den Kindern, dann kletterten wir selbst hinauf. Ich hätte es beinahe nicht geschafft.“
  • 6:25 Uhr: „Wir waren Gefangene des Sturms. Die Kinder und ich hatten panische Angst! Plötzlich riss der Sturm ein paar Meter von der Stelle, wo wir saßen, ein Stück Dachpappe weg und hinterließ ein großes Loch. Nur Minuten später erreichten die Wassermassen den Dachstuhl. Uns blieb nur noch das Dach.“
  • 6:27 Uhr -8:30 Uhr „Zusammengekauert saßen wir schutzlos zwei Stunden im Freien, während „Haiyan“ um uns herum wütete.“
  • 8:30 Uhr „Dann - fast so schnell wie der Taifun kam, legte er sich wieder und die Fluten zogen sich zurück. Vorsichtig kletterten wir nach unten.“

Die Szenerie gleicht einem Schlachtfeld: „Ich hörte nicht auf zu zittern. Während des Sturms habe ich gedacht, ich muss sterben“, erzählt ein 13-jähriges SOS-Kind. „Unser Zuhause, das SOS-Kinderdorf, war unter Schlammmassen und Trümmern begraben.“

Hilfsmaßnahmen laufen an

Obwohl die Infrastruktur rund um das Katastrophengebiet zerstört ist, Kommunikationskanäle unterbrochen sind und vor Ort der Ausnahmezustand herrscht, beginnen die SOS-Mitarbeiter mit Unterstützung indischer und indonesischer Kollegen Nothilfemaßnahmen zu organisieren. Nahrungsmittel und Trinkwasser werden an die hilfsbedürftige Bevölkerung verteilt und Schutzzonen für rund 2000 Kinder errichtet, um Eltern den Wiederaufbau ihres Zuhauses zu ermöglichen.

Ein Jahr danach


Neuanfang für Kinder und Familien: Danke, dass Sie helfen!

365 Tage nachdem „Haiyan“ eine Schneise der Zerstörung hinterließ, ist das SOS-Kinderdorf wieder intakt, Schulen und Kindergärten im Katastrophengebiet wurden renoviert, knapp 500 betroffenen Familien half die Kinderhilfsorganisation beim Aufbau einer neuen Existenz mit Fischerbooten, Handwerksmaterial oder Mikrokrediten. Bis Mitte 2015 sollen 550 neue Wohnhäuser für obdachlos gewordene Familien fertiggestellt werden.

Durch diese Unterstützung  fassen auch die Menschen wieder Mut. „Mein sechsjähriger Sohn Jay Kian musste in der Katastrophennacht mitansehen, wie Freunde und Nachbarkinder in einer Schule, in der wir alle Zuflucht gesucht hatten, ertranken“, erzählt seine Mutter. Ein ganzes Schuljahr lang war der Sechsjährige nicht dazu zu bewegen, zum Unterricht zu gehen. "Neulich sagte er zu mir: Es geht mir wieder gut Mama, ich möchte lernen.“