25 Jahre Kinderrechte

Radio-Interview zum Jubiläum der UN-Kinderrechtskonvention

20.11.2014 - Vor 25 Jahren, am 20. November 1989, verabschiedete die UN die "Internationale Kinderrechtskonvention". Was hat sich seitdem getan? Louay Yassin, Pressesprecher der SOS-Kinderdörfer weltweit, im Radio-Interview.

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Kinder haben Rechte! Vor 25 Jahren wurde die UN-Kinderrechtskonvention verabschiedet - Foto: D.Sansoni

Herr Yassin, hat sich denn in diesen 25 Jahren einiges - oder sogar vieles - zum Positiven verändert?

Ja, es hat sich durchaus viel getan. Die Kindersterblichkeit z.B. hat sich seit 1990 beinahe halbiert. Aber noch immer sterben sehr viele Kleinkinder an vermeidbaren Krankheiten. Und die Ernährung: 162 Millionen Kleinkinder sind noch immer chronisch unterernährt, obwohl schon viel passiert ist. Zur Bildung: Früher sind nur 83 Prozent aller Kinder weltweit in die Schule gegangen - heute sind es schon 90 Prozent. Aber das heißt: Noch immer bekommen 58 Millionen Kinder keine Möglichkeit zur Schule zu gehen – sie lernen also nichts.

In welchen Ländern ist denn die Lage aus heutiger Sicht besonders schlimm für Kinder? Oder anders ausgedrückt: Wo muss am meisten passieren?

Das sind natürlich vor allem die Krisenregionen, allen voran Syrien. Dort gibt es wegen des blutigen Bürgerkriegs keine Schule für Kinder, es gibt keinerlei Schutz vor Gewalt. Hier wächst wirklich eine verlorene Generation auf. Natürlich betrifft das auch z.B. den Südsudan, Zentralafrika, die Ebola-Krisengebiete in Westafrika, Somalia und andere.

Man darf diese Länder natürlich nicht mit Deutschland vergleichen. Dennoch: Es gibt ja auch hier Kinder, die definitiv nicht auf der Sonnenseite leben. Wo sehen Sie, wo sieht SOS die größten Probleme hierzulande?

Zum Beispiel nimmt nach einer guten Entwicklung der letzten Jahre im Moment die Kinderarmut wieder zu bei uns in Deutschland. 1,64 Millionen Jungen und Mädchen sind auf Hartz IV angewiesen. Das ist doch ein Skandal. Die Folgen sind u.a. schlechtere Chancen auf einen guten Bildungsabschluss. Die Kinder, die in Armut aufwachsen, sind deutlich häufiger krank und sie haben schlechtere Wohnbedingungen. Wir, die SOS-Kinderdörfer, fordern deshalb, dass in Deutschland die Kinderrechte ins Grundgesetz gehören.

Welche Möglichkeiten hat SOS denn, gegen diese Entwicklung anzusteuern? In Deutschland und auch  in den über 130 weiteren Ländern, in denen Sie vertreten sind?

Da ist einerseits die SOS-Basisarbeit. Weltweit stärken wir mit unserer Familienhilfe rund 400.000 Kinder, Jugendliche und Erwachsene, die in bitterster Armut leben. Und wir machen uns weltweit für die Rechte aller Kinder stark. Wir treten an die Politiker, an die Entscheidungsträger heran, damit die Kinderrechte beachtet werden.