Dschibuti: Bildung gegen Piraterie

19.06.2012 - Das erste Bildungsprojekt, das die SOS-Kinderdörfer weltweit mit Unterstützung des Verbandes Deutscher Reeder (VDR) am Horn von Afrika planen, entsteht in Dschibuti, einem kleinen, aber strategisch bedeutenden Land. Das moderne E-Learning-Zentrum ist als Bibliothek und Ausbildungsort konzipiert. Es soll Modellcharakter für die Region am Horn von Afrika haben und durch Bildungsarbeit im Kampf gegen die Armut einen Beitrag zur Prävention von Piraterie leisten. Dies ist auch das Ziel der mehrjährigen Partnerschaft, die SOS und VDR im vergangenen Jahr begonnen haben und die mit diesem Pilotprojekt erste Konturen annimmt.

 


EDV-Training im Armenviertel

Die SOS-Kinderdörfer werden in Dschibuti aktiv: Neben einem E-Learning-Zentrum entstehen dort ein SOS-Kinderdorf und ein SOS-Kindergarten.Das Angebot des E-Learning-Zentrums wird sich an Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene richten und sehr vielfältig sein:  EDV-Training, Online-Sprachkurse, Berufsberatung, Bewerbungstraining, Aufklärung zu den Gefahren von Drogen und Kriminalität, aber auch Freizeitangebote im Bereich Sport.

Die Regierung von Dschibuti stellt ein 2500 Quadratmeter großes Grundstück im Armenviertel Balbala in Dschibuti Stadt zur Verfügung. Der Bau des Zentrums, das drei Klassenräume für E-Learning und eine digitale Bibliothek umfasst, soll im September beginnen. Die Eröffnung ist im Herbst 2013 geplant. Die SOS-Kinderdörfer beabsichtigen, das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) für eine Teilfinanzierung des E-Learning-Zentrums zu gewinnen. Das BMZ fördert in Dschibuti bereits zwei Projekte: den Bau eines SOS-Kinderdorfes und eines SOS-Kindergartens.

Jungen Menschen eine Perspektive geben

Pressegespräch in Hamburg: Gemeinsam mit Dschibutis Familienministerin Hasna Barkat Daoud (Mitte) stellen VDR und SOS die Pläne für das E-Learning-Zentrum vor - Foto: André HeegerDschibutis Ministerin für Frauenförderung und Familie, Hasna Barkat Daoud ist begeistert von den vielen Vorteilen, die die Einführung von E-Learning in Dschibuti erzeugen kann: "E-Learning kann helfen die Untätigkeit, unter der tausende junger Menschen in Balbala leiden, zu bekämpfen. E-Learning ist ein ideales Feld, um zu lernen, aber auch um Ideen zwischen verschiedenen Gemeinden und Generationen auszutauschen."

Dass solche Einrichtungen in Dschibuti gebraucht werden, davon hatte sich Ralf Nagel, Geschäftsführendes Mitglied des Präsidiums des VDR, während eines Aufenthaltes in Dschibuti überzeugt: "Wir möchten mit diesem Projekt deutlich machen, dass die dauerhafte Lösung des Piraterie-Problems – oder zumindest seine Eindämmung – davon abhängt, dass in der Region eine gute soziale, wirtschaftliche Entwicklung stattfindet. Dazu muss man versuchen, den jungen Leuten eine Perspektive zu geben."

Fenster zur Welt: Zugang zum Internet

"Durch computergestütztes Lernen und Lesen lassen sich die Beschäftigungs- und Integrationsaussichten von Jugendlichen verbessern. Der Zugang zu Informationen über Internet, Online-Medien, digitale Bücher und die Schaffung einer Kontaktplattform machen aus diesem Zentrum auch ein kleines Tor zur Welt", erklärte Dr. Wilfried Vyslozil, Vorstand der SOS-Kinderdörfer weltweit.

Das E-Learning-Projekt soll ausstrahlen, vielleicht eines Tages auch Anregungen geben für die Region Somaliland oder Somalia. Dass im weiterhin vom Bürgerkrieg betroffenen Somalia nach wie vor große Not und Unsicherheit herrschen, machte der Nationaldirektor der SOS-Kinderdörfer in Somalia und Somaliland, Ahmed Ibrahim, deutlich.