Darfur: SOS-Kinderdörfer helfen traumatisierten Kindern

Krieg im West-Sudan: Psychosoziale Nothilfe-Klinik eröffnet

18.03.2005 - Die SOS-Kinderdörfer haben in der west-sudanesischen Krisenregion Darfur eine psychosoziale Nothife-Klinik eröffnet. Experten helfen Flüchtlingskindern, ihre Traumata zu überwinden.

Was machen fünfzig Jahre Bürgerkrieg mit einem Land? Und seinen Kindern? Nahezu jedes Kind im Sudan hat in seinem Leben bereits Hunger und Not erlitten, Verlust und Tod erlebt. Die Hilfsorganisationen vor Ort kümmern sich um das Nötigste, versorgen die Bevölkerung mit Nahrung und provisorischen Unterkünften. Dabei bleibt kaum Platz, den Menschen bei der Verarbeitung ihrer schweren seelischen Schmerzen zu helfen. Diese Lücke schließen jetzt die SOS-Kinderdörfer: In einer neugeschaffenen psychosozialen Kinderklinik in der Region Darfur bieten sie professionelle psychologische Unterstützung an.

Fast zwei Millionen Flüchtlinge

In Darfur eskalierten die Kämpfe vor zwei Jahren derart, dass nach Schätzungen der Vereinten Nationen inzwischen mehr als 70.000 Menschen gestorben und fast zwei Millionen auf der Flucht sind. „Diese Tragödie ist auch für die SOS-Kinderdörfer eine große Herausforderung“, sagt der Präsident der SOS-Kinderdörfer, Helmut Kutin. Mehr als 46000 Flüchtlinge leben allein im Nothilfelager Abu Shok, in dessen unmittelbarer Nähe sich die „Darfur Psychosocial Clinic“ befindet. Achtzig Prozent der Flüchtlinge sind Frauen und Kinder. Fast alle Jungen und Mädchen haben mindestens ein Elternteil im Krieg verloren, eine Untersuchung ergab, dass die psychischen Probleme groß sind: 84 Prozent der Kinder leiden unter Angstzuständen; alles mögliche, was sie mit Gewalt und Krieg verbinden, kann Panikattacken auslösen: Flugzeuge, Pferde, Waffen, Hunde oder laute Geräusche. Die Kinder sind stark verunsichert, leiden unter Konzentrationsstörungen, Gemütsschwankungen, extremer Anhänglichkeit, sie nässen ein.

Dr. Christian Honold, Psychologe und Leiter der Hermann-Gmeiner-Akademie in Innsbruck, betont, wie wichtig es ist, diese Störungen zu behandeln. „Experten sind sich einig, dass traumatisierten Kindern geholfen werden kann, wenn man sie mit jenen Situationen konfrontiert, die die emotionalen Reaktionen ausgelöst haben und sie dazu ermutigt, ihre Gedanken und Gefühle auszudrücken. In weiterer Folge müssen die gemachten Erfahrungen und die dazugehörigen Gefühle in fachlich begleiteter Form in den Alltag der Kinder so integriert werden, dass eine konstruktive und sinnstiftende Lebensgestaltung möglich ist. Genauso wichtig ist es aber auch, dem Kind Zeit zu geben, einfach nur Kind zu sein. Daraus kann es viel Kraft für die weitere Aufarbeitung ziehen.“

In der „Darfur Psychosocial Clinic“ arbeiten drei Psychologen und sechs ehrenamtliche Helfer, ein Psychiater wird bei Bedarf hinzugezogen. In Spiel- und Musiktherapien oder in Form von Theaterspielen helfen die Experten den Kindern, das Erlebte zu verarbeiten. Ein Spielplatz gibt den Jungen und Mädchen die Möglichkeit, in einer sicheren Umgebung ein Stück Normalität zu leben.

SOS-Kinderdörfer sind seit 1978 im Sudan aktiv

Beim Aufbau der Klinik kam den SOS-Kinderdörfern ihre Erfahrung und langjährige Präsenz im Land zu Gute. Bereits 1978 wurde das erste SOS-Kinderdorf in Khartum, der Hauptstadt Sudans, eröffnet, im Jahr 2002 folgte ein zweites. Bereits im letzten Jahr haben beide Kinderdörfer aufgrund der großen Not der Bevölkerung zusätzliche Kinder aufgenommen. Dazu kamen viele andere Projekte: der Bau eines Brunnens, aus dem 25 000 Menschen mit Wasser versorgt werden können, eine Schule, ein Kindergarten, ein Jugendhaus, ein Berufsbildungszentrum, ein Nothilfecamp und mehrere Notküchen.

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