Niger eröffnet zweites SOS-Kinderdorf des Landes

12.12.2008 - Das neue SOS-Kinderdorf Tahoua wurde am 28. November feierlich eingeweiht – acht Monate vorher waren bereits die ersten Kinder eingezogen.


"Wir halten zusammen" - eine tänzerische Darbietung der SOS-Kinder
Unter dem Vorsitz der Ministerin für Bevölkerungsentwicklung und Soziales, Zila Mahamadou, feierten 800 Gäste mit den SOS-Kindern die Eröffnung ihres neuen Dorfes. Unter den Gästen waren Vertreter aus Verwaltung, Politik und Religion, Mitarbeiter von ortsansässigen Hilfsorganisationen sowie viele Menschen aus den umliegenden Gemeinden. SOS-Kinderdörfer wurden durch den Kontinentaldirektor für Afrika und den Mittleren Osten, Aristide Ramaciotti, der Regionaldirektorin für Zentral- und Westafrika, Vania Asenove, und der Nationalen Direktorin, Fatoumata Diallo, vertreten.


Zila Mahamadou und Aristide Ramaciotti schneiden das symbolische Band durch
Die Kinder, die schon seit einigen Monaten im Dorf leben, spielten bei der Zeremonie eine wichtige Rolle: Sie stellten Gedichte und Sketche zu Themen wie z.B. dem Umgang mit Kinderrechten dar und sangen Lieder und führten Tänze auf. Nachdem Zila Mahamadou das symbolische Band durchschnitten hatte, waren die Gäste eingeladen, die Familienhäuser, den Kindergarten und die Grundschule zu besichtigen, die natürlich längst von den Kindern mit Leben gefüllt worden sind. Auch die Kantine stand den Gästen offen: Dort werden Kindergarten- und Schulkinder aus Dorf und Nachbarschaft während ihrer Pausen mit einer Auswahl von Speisen und Getränken versorgt.

Das neue SOS-Kinderdorf leistet Nachbarschaftshilfe für Familien


Ein Schulkind demonstriert an der Tafel, was in den letzten Tagen gelernt wurde
21 Monate hatte es gedauert, um nach der Grundsteinlegung die Bauarbeiten für das komplette Dorf abzuschließen. Heute besteht das Dorf aus 12 Familienhäusern, einem SOS-Kindergarten und einer Grundschule, in der die Kinder eine qualitativ hochwertige Ausbildung erhalten. Außerdem gibt es ein Sozial-Medizinisches-Zentrum, das den Menschen im und um das Dorf Gesundheitsfürsorge und Nachbarschaftshilfe bietet. Ein Schwerpunkt der sozialen Arbeit liegt z.B. auf Programmen zur Familienplanung. Da ungewollte Schwangerschaften ein schwerwiegendes Problem unter jungen Frauen sind, das oft mit einer hohen Mutter- und Kindsterblichkeit einhergeht, besteht hier dringend Handlungsbedarf. Weitere Programme werden z.B. in den Bereichen HIV/AIDS Prävention oder Alphabetisierung von Erwachsenen durchgeführt.

SOS-Nothilfe während der Hungersnot 2004


Das Schild am Eingang des neuen Dorfes
Der Bau des neuen Dorfes ging Hand in Hand mit einer Serie sozialer Hilfsleistungen, die in dieser Gegend vor drei Jahren begonnen hatten. Wegen der dramatischen Hungerkrise, die Niger im November 2004 erfasst hatte, initiierten die SOS-Kinderdörfer 2005 ein Nothilfeprogramm in der Stadt Tahoua – einer der am schwersten betroffenen Regionen. In drei Phasen wurden insgesamt etwa 120 Tonnen Lebensmittel wie Reis, Hirse, Sorghum und Öl verteilt. Rund 8000 Hunger leidenden Kindern und gefährdeten Familien konnte dadurch geholfen werden. Die Begünstigten heißen die SOS-Kinderdörfer bis heute gern in ihrer Region willkommen. „Wir denken noch immer an die große Hilfe, die wir durch die SOS-Kinderdörfer erfahren haben, als unsere Region in einer ernsten Hungerkrise steckte. Wir waren sehr schwer betroffen und die Organisation hat viel getan, um uns in dieser schweren Zeit zu unterstützen. Nun sind ein paar Jahre vergangen und wir treffen wieder zusammen. Die Einweihung des SOS-Kinderdorfs Tahoua ist nicht nur für die Stadt, sondern für das ganze Land ein großer Stolz“, sagte der Gouverneur von Tahoua, Zéti Maiga.

Ein drittes SOS-Kinderdorf ist bereits im Bau

Das erste SOS-Kinderdorf in Niger wurde 1993 in der Hauptstadt Niamey eröffnet. Auch dort gibt es 12 Familienhäuser, einen Kindergarten und eine Grundschule sowie außerdem drei Jugendhäuser, einen Fußballplatz und eine kleine Turnhalle. Seit 2006 hat das Dorf auch einen Computer-Raum, in dem die Grundschulkinder IT-Unterricht erhalten. Der Computer-Raum hat Internetanschluss und steht auch der umliegenden Bevölkerung für einen einfachen Zugang zum World Wide Web offen.
Ein drittes SOS-Kinderdorf wird bald in Dosso entstehen - 200 Kilometer südöstlich vom ersten Dorf in Niamey. Die Bauarbeiten wurden letzten Monat aufgenommen.