Gemeinsam für Waisen stark machen

Bericht zur Lage elternloser Kinder im Subsahara-Afrika veröffentlicht

18.06.2014 - Fünf Jahre ist es nun her, dass die UN-Generalversammlung die Richtlinien für die alternative Betreuung von Kindern verabschiedet hat. Zeit für eine Zwischenbilanz. Eine Studie, die heute im afrikanischen Lilongwe (Malawi) vorgestellt wird, zeigt: Es gibt noch viel zu tun.

Weltweit leben geschätzte 153 Millionen Kinder nicht bei ihren leiblichen Eltern. Für viele dieser Kinder ist es dort, wo sie alternativ untergebracht sind, nicht der richtige Ort oder sogar gefährlich. Seit 2012 setzen sich die SOS-Kinderdörfer im Rahmen der Kampagne "Care for ME!" dafür ein, die Rahmenbedingungen für Kinder, die fremduntergebracht sind, zu verbessern. Durch Forschung und anwaltschaftliches Engagement wollen die SOS-Kinderdörfer erreichen, dass die grundlegenden Menschenrechte dieser Kinder gewahrt sind.

"Wir müssen mehr für die Kinder tun!"


Dr. Mary Shawa stellt den Bericht in Lilongwe vor.

Der heute veröffentlichte Bericht, der in Zusammenarbeit der University of Malawi und CELCIS an der University of Strathclyde (UK) erarbeitet wurde, stützt sich auf die Forschungsergebnisse aus acht afrikanischen Ländern: Benin, Gambia, Kenia, Malawi, Sambia, Simbabwe, Tansania und Togo.
Der Bericht klagt an: "Es gibt zu wenig Maßnahmen, die vorbeugen, dass Kinder ihre Eltern verlieren und es mangelt an geeigneten Betreuungsformen für betroffene Kinder. Man muss verhindern, dass Kinder leiden." Der Tenor der Studie: "Wir müssen alle gemeinsam etwas für diese Kinder tun, jeder auf seine Weise!"

Im Rahmen der Studie hat sich gezeigt, dass es in den untersuchten Ländern zu wenig offizielle Einrichtungen zur Kinderbetreuung gibt. Gleichzeitig wachsen die Auflagen für nicht offiziell geregelte Pflegeverhältnisse, z.B. wenn Verwandte oder Nachbarn elternlose Kinder aufnehmen. Häufig werden bei der Fremdunterbringung die Bedürfnisse des einzelnen Kindes nicht berücksichtigt und auch der Schutz der betreuten Kinder ist nicht immer gewährleistet.

Prävention und Beteiligung


Kinder sollen ein Mitspracherecht haben, wenn es um ihre Belange geht! Foto: Claire Ladavicius

Der Bericht stellt fest, dass viele Kinder, die in Heimen oder bei Pflegefamilien aufwachsen, bei ihren leiblichen Eltern leben könnten, wenn diese entsprechende Unterstützung bekämen. Es gibt zu wenig Unterstützungsangebote, darüber hinaus sind die bestehenden Angebote schlecht koordiniert und erreichen nur einen kleinen Teil der bedürftigen Menschen.

Trotz der aufgedeckten Mängel sehen die Autoren viel Veränderungspotential. In einem Handlungsplan zeigen sie detailliert auf, welche Schritte notwendig sind. Sie rufen die Regierungen der Länder auf: Bindet die Gemeinden, Familien und Kinder aktiv ein! Wenn es um Fremdunterbringung von Kindern geht, sollten diese Mitsprache und Beteiligung haben und bei Entscheidungen miteinbezogen werden. Koordiniert die Maßnahmen und geht Partnerschaften mit anderen Akteuren ein. Nehmt Unterstützung durch nicht staatliche Partner in Anspruch: Menschen aus der Privatwirtschaft und aus Organisationen können die Arbeit mit ihrem Fachwissen und sinnvoll ergänzen und unterstützen.


Kinder im SOS-Kinderdorf Bakoteh, Gambia.
Foto: Claire Ladavicius

"Drumming together for change"

Unter dem Motto "Drumming together for change" werden die SOS-Kinderdorf-Organisationen in den acht afrikanischen Ländern nicht müde werden, auf die Situation von Kindern in Not aufmerksam zu machen und sich für eine Verbesserung der Lebensumstände von Kindern, die fremduntergebracht sind, einzusetzen.
Weiterführende Informationen und Länderstudien (in englischer Sprache) finden Sie unter:
www.care-for-me.org