Ebola: SOS-Kinderdorf unter Quarantäne

In Sierra Leone lebt jeder Dritte in abgeriegelten Zonen

23.10.2014 - Wo noch vor einigen Wochen reger Verkehr und buntes Markttreiben herrschte, bestimmen nun Straßensperren und leere Plätze die Szenerie. Weil die Ebola-Epidemie in Sierra Leone nicht unter Kontrolle zu bekommen ist und sich die Zahl der Neuinfektionen im Vergleich zum Vormonat verdoppelte, hat Präsident Ernest Bai Koroma die Quarantänemaßnahmen drastisch verstärken lassen. In dem Sechs-Millionen-Einwohner-Land stehen aktuell mehr als zwei Millionen Menschen unter Quarantäne. Betroffen ist auch Makeni, die größte Stadt des Nordens, und damit der Standort des dortigen SOS-Kinderdorfs – eines von dreien in Sierra Leone.

Hunger droht: Ebola nimmt Tausenden Familien den Ernährer, Felder werden nicht mehr beackert, Preise explodieren - Foto: Tommy Trenchard

Auch in Makeni wurde eine beunruhigende Zahl von Neuinfektionen festgestellt. Für die isolierten Bewohner ist die Lage verzweifelter denn je, denn nur medizinisches Personal darf sich zwischen den Quarantäne-Zonen bewegen.

Lebensmittelpakete für Familien

Inmitten der sich täglich zuspitzenden Lage, versucht SOS-Leiter Emmanuel Woode die Kontrolle zu behalten. "Wir haben ein Vorratslager für drei Monate in jedem Kinderdorf angelegt und spezielle Passierscheine organisiert, die sicherstellen, dass wir trotz der Abriegelung Zugang zu unseren SOS-Kindern haben", berichtet Woode. "Die Nahrungsmittelpreise stiegen um mehr als 100 Prozent und immer mehr Menschen können sich höchstens noch eine Mahlzeit am Tag leisten", erklärt er. Die SOS-Kinderdörfer versorgen deshalb trotz der hohen Ansteckungsgefahr extrem bedürftige Familien, insgesamt gut 2000 Menschen, weiter mit Nothilfepaketen in Makeni, Bo und Freetown.

Der Druck auf Woode steigt von Tag zu Tag. Der Hauptstadt Freetown und damit einem weiteren SOS-Standort, droht die Abriegelung. "Ich muss unsere SOS-Kinder aus drei Dörfern schützen, dafür sorgen, dass die unter Quarantäne stehenden SOS-Standorte nicht von der Versorgung abgeschnitten werden."

"Die Angst vor dem Virus ist stärker als Menschlichkeit"


Erste Hilfslieferung: Die SOS-Kinderdörfer in Sierra Leone versorgen Familien, insgesamt 2000 Menschen, mit Lebensmitteln.

Hinzu kommt, dass sich Woode um Ebola-Waisen im Land kümmern muss. Nach Einschätzung der UN soll es bereits jetzt rund 4000 Kinder und Jugendliche im Ebola-Gebiet geben, die ihre Eltern durch die grassierende Epidemie verloren haben. Sie leiden besonders. Oft sind die Ebola-Waisen sich selbst überlassen, von ihren Verwandten verstoßen. Die Angehörigen haben Angst, sich zu infizieren und weigern sich, die Kinder aufzunehmen. "Die Angst vor dem Virus ist stärker geworden als Familienbande und Menschlichkeit", sagt Woode. Er hat in Sierra Leone bereits hunderte Ebola-Waisen ausfindig gemacht.

In allen drei Ländern haben die SOS-Kinderdörfer das Schicksal der Waisen ins Zentrum ihres Engagements gerückt. So wurde begonnen, sichere Räume zu schaffen mit Tagesstrukturen, sinnvoller Beschäftigung, da praktisch alle Schulen geschlossen sind. "In die Kinderdörfer können wir sie vorerst nicht aufnehmen, das wäre eine zu große Gefahr für die SOS-Kinder", sagt Woode.

Die SOS-Mitarbeiter versuchen zudem zu klären, wer die Kinder sind und ob es Angehörige gibt, bei denen sie unterkommen können. In der chaotischen Situation eine äußerst schwierige Aufgabe. Aber SOS profitiert von der langen Erfahrung in Westafrika und in anderen Krisengebieten auf der ganzen Welt.

Kampf gegen Ebola: SOS organisiert umfangreiches Hilfsprogramm

Woodes Telefon klingelt – zum x-ten Mal an diesem Tag. Diesmal lächelt der SOS-Leiter: Die SOS-Kinderdörfer bringen ein Nothilfe-Programm im Umfang von 280.000 Euro auf den Weg. Damit ist beispielsweise die nächste Notversorgung von mindestens 2000 bedürftigen Familien und Kindern gesichert.

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In Liberia, Sierra Leone und Guinea wütet die Ebola-Epidemie. Mit Ihrer Spende helfen Sie Waisen und Familien in den betroffenen Ländern. Vielen Dank!

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