Ecuador: Medizinische Hilfe nach dem Erdbeben

Zika-Virus und Nachbeben-Welle erschweren die Hilfsbedingungen

23.05.2016 - Fünf Wochen nach dem Erdbeben in Ecuador hat sich die Lage vor Ort zwar stabilisiert, jedoch erschüttern weiterhin Nachbeben das Land. Nach wie vor müssen viele Menschen in Notunterkünften leben. Die SOS-Kinderdörfer arbeiten im Notfallcamp von Pedernales eng mit dem Medizinischen Katastrophen-Hilfswerk (MHW) zusammen, um die rund 54 Familien im Lager ärztlich zu versorgen. Vor allem Kinder leiden hier häufig unter Durchfallerkrankungen. Auch der Zika-Virus und andere Fiebererkrankungen häufen sich.

Nothilfe-Mitarbeiter vom Medizinischen Katastrophen-Hilfswerk behandeln Patienten. Noch bis zum 29.05. ist ein Team von vier Experten vor Ort. Foto: MHW

Das schwere Erdbeben in Ecuador vom April hat die Küstenstadt Pedernales besonders heftig getroffen: "50.000 der 65.000 Einwohner sind obdachlos. 90 bis 95 Prozent der Gebäude sind unbewohnbar", berichtet Wolfgang Wedan, Einsatzleiter des MHW. "Viele Familien in Ecuador stehen nach dem Erdbeben vor dem Nichts. Es ist wichtig, dass die SOS-Kinderdörfer mit anderen Hilfsorganisationen wie dem Medizinischen Katastrophen-Hilfswerk zusammenarbeiten – so können wir möglichst schnell und effektiv helfen und jeder kann seine individuellen Stärken einbringen", erklärt Wilfried Vyslozil, Vorstandsvorsitzender der SOS-Kinderdörfer weltweit.

50 Patienten pro Tag

Die SOS-Kinderdörfer kümmern sich im Notfallcamp Pedernales um die psychologische Betreuung von Familien und Kindern und stellen Transport, Logistik und Unterkunft für die Mitarbeiter des MHW. Vom Medizinischen Katastrophen-Hilfswerk Deutschland e.V. arbeiten aktuell vier Einsatzkräfte in Pedernales. Täglich versorgen sie über 50 Patienten. "In den ersten drei Wochen unseres Einsatzes haben wir 600 Behandlungen durchgeführt. Mittlerweile kommen auch immer mehr Patienten aus dem Umland zu uns", so Wedan.

Fiebererkrankungen und Nachbeben erschweren die Hilfe


Dank der Zusammenarbeit des MHW mit den SOS-Kinderdörfern konnten bereits mehr als 600 Behandlungen in Pedernales, Ecuador, durchgeführt werden. Foto: MHW

Am häufigsten behandele das Notfallteam Durchfallerkrankungen und Parasitenbefall. Besonders Kinder seien betroffen. Zudem tauchen nun auch immer häufiger Fälle des Zika-Virus sowie des Dengue- und des Chikungunya-Fiebers auf. Laut Wedan erschweren diese Fieberkrankheiten die Arbeit der Ärzte. "Das schwüle Klima mit den täglichen Regenfällen ist ein idealer Nährboden für Moskitos. Außerdem gibt es immer wieder Nachbeben." Erst am 19.05. hatte erneut zweimal die Erde in Ecuador gebebt.

"SOS hat tolle Arbeit geleistet"

Generell sei die Lage vor Ort aber stabil: Behörden und Hilfsorganisationen – darunter auch die Ärzte ohne Grenzen Brasilien – haben eine starke Infrastruktur aufgebaut, die den Menschen einen geregelten Tagesablauf bietet. Beispielsweise werden die Kinder des Camps täglich zur Schule gebracht und es gibt sauberes Trinkwasser.

Wolfgang Wedan ist zufrieden mit der Kooperation: "SOS hat hier absolut tolle Arbeit geleistet, vor allem auch in der Zusammenarbeit mit den lokalen Behörden. Da merkt man, wie stark die Organisation vor Ort verankert und vernetzt ist. Das hat unsere Arbeit enorm erleichtert." Die SOS-Kinderdörfer sind seit 1963 in Ecuador aktiv. Hier erfahren Sie mehr über die SOS-Nothilfe nach dem Erdbeben in Ecuador.