Erdbeben Ecuador: Wie Familien in den Alltag zurückfinden

Traumata sitzen noch immer tief | SOS eröffnet vier Sozialzentren, um Kindern und Eltern Halt zu geben

21.07.2016 - Vor knapp drei Monaten bebte die Erde in Ecuador. Die traumatischen Erfahrungen machen es vielen Familien schwer, ihren Alltag zu bewältigen und neue Hoffnung zu schöpfen. Die SOS-Kinderdörfer helfen daher bei der Alltagsbewältigung und bieten Trauma- sowie Anti-Gewalt-Beratung für Familien. Vier neue Sozialzentren bilden die Basis für die Arbeit der SOS-Mitarbeiter.

Tausende Familien haben beim Erdbeben alles verloren. Damit sie wieder Kraft für einen Neuanfang finden, haben die SOS-Kinderdörfer vier Sozialzentren im Erdbebengebiet eingerichtet. Foto: Marco Garro

Die Naturkatastrophe im April hat tiefe Spuren bei den Menschen in Ecuador hinterlassen. Tausende haben ihre Häuser und Besitztümer verloren. Doch der Schaden geht über die äußerlich sichtbaren Folgen hinaus: Die psychische Belastung bleibt auch Monate nach dem Beben präsent. "Viele Familien haben noch immer Angst vor erneuten Erdbeben", berichtet Gontran Pelissier, Leiter der SOS-Kinderdörfer in Ecuador.

Traumata bekämpfen – Hoffnung zurückgeben

Unmittelbar nach dem schweren Erdbeben im April waren Nothilfemaßnahmen und medizinische Hilfe eingeleitet worden. Diese Maßnahmen werden weiterlaufen, jedoch legen die SOS-Kinderdörfer nun einen zusätzlichen Fokus auf die Alltagsbewältigung der Opfer. Um den Familien wieder Halt zu geben, haben die SOS-Kinderdörfer vier Sozialzentren eröffnet.

Neue SOS-Sozialzentren helfen auf verschiedenen Ebenen

  • Traumata bewältigen: SOS-Mitarbeiter halten Workshops zum Umgang mit posttraumatischem Stress.
  • Lebensfreude zurückgeben: Um den Kindern und Jugendlichen einen normalen, fröhlichen Alltag zu bieten, hat SOS verschiedene Spielaktionen und Aktivitäten organisiert – beispielsweise wurde ein großes Sommerfest gefeiert.
  • Bildung sicherstellen: Viele Eltern zögern, ihre Kinder wieder in die Schule zu schicken. SOS-Mitarbeiter beraten Eltern, um ihnen deutlich zu machen, wie wichtig für die Kinder in dieser schweren Zeit eine Rückkehr zur Schule ist.
  • Gewalt vorbeugen: Nach den schweren Einschnitten in das Leben der Menschen bleiben auch Konflikte nicht aus. Die Experten der SOS-Kinderdörfer beraten Familien daher zu den Themen Kinderrechte und Gewaltvorbeugung. Bereits mehr als 580 Kinder und Erwachsene haben an den Workshops teilgenommen.
  • psychische Widerstandskraft stärken: Mithilfe intensiver Diskussionsrunden soll die Resilienz der Familien gestärkt und ihre Hoffnung auf eine gute Zukunft geweckt werden.

Für Kinder ist es nach der Katastrophe wichtig, wieder in die Schule zu gehen. Viele Eltern zögern jedoch, ihre Kinder tagsüber in die Schule zu schicken – die Angst vor neuen Beben sitzt noch zu tief. Foto: Marco Garro

Familienhilfe für 2400 Erdbebenopfer

Mehr als 2400 Kinder, Väter und Mütter haben bereits von diesen Maßnahmen der SOS-Familienhilfe in den Städten Muisne, Chamanga, Portoviejo und Pedernales profitiert. Um noch mehr Familien zu erreichen, arbeiten die SOS-Kinderdörfer in Ecuador eng mit anderen humanitären Organisationen – beispielsweise UNICEF – zusammen.

Zugang zu Computern und Internet

In den SOS-Kommunikationszentren in Pedernales und Chamanga werden Computerkurse angeboten, die Jugendliche und Erwachsene bei Bewerbungen und im Alltag zugutekommen. Außerdem haben die Erdbebenopfer hier auch weiterhin kostenlosen Zugang zu Internet und Telefon – mehr als 750 Personen haben dieses Angebot bereits genutzt.