Gaza: Schwieriger Schulanfang nach Krieg

Die Kinder sind traumatisiert, viele Schulen kaputt

21.11.2014 - Nach dem 50-Tage-Krieg im Sommer läuft der Schulalltag im Gazastreifen jetzt unter problematischen Bedingungen. Ghada* (10) aus dem SOS-Kinderdorf in Rafah erzählt, was sie erlebt hat und welche Herausforderungen sie jetzt meistern muss.

Viele Wohnhäuser und Schulen im Gazastreifen wurden bei den Kämpfen im Sommer zerstört. Die Kinder leben und lernen in Trümmern. Foto: Bjorn-Owe Holmberg
Die schweren Kämpfe zwischen Israel und Palästina im Juli und August haben schwere Schäden im Gazastreifen hinterlassen: Viele Menschen haben ihre Häuser verloren und leben in Ruinen, sie haben geliebte Angehörige verloren und sind durch die zahllosen Bombenangriffe traumatisiert. Auch auf das Bildungssystem hat der Krieg nachhaltige Auswirkungen: 138 Schulen in Gaza wurden zerstört. In 31 weiteren Schulgebäuden haben Zehntausende Flüchtlinge aus der Umgebung Schutz gefunden, so dass dort kein Unterricht stattfinden kann. Zudem hat die Regierung 13 geplante Bauprojekte für neue Schulen zurückgezogen, die Planungen für 26 weitere Bildungseinrichtungen wurden auf unbestimmte Zeit verschoben. "Außerdem wurde das Hilfswerk der Vereinten Nationen für Palästina-Flüchtlinge im Nahen Osten (UNRWA) vor Kurzem gezwungen, laufende Bauprojekte - darunter 22 Schulen - einzustellen", berichtet Samy Ajjour, Leiter des SOS-Kinderdorfs Rafah.

Für eine halbe Million Kinder beginnt das neue Schuljahr

Etwa 50 Tage lang  hatten die Kinder in Gaza überhaupt keinen Zugang zur Bildung. "Während des Krieges mussten alle Schulen schließen. Wegen der vielen Raketenangriffe wäre der Weg für Lehrer und Schüler zu gefährlich gewesen. Zudem waren viele Schulen direkte Angriffsziele", erklärt Samy Ajjour. Trotz der schwierigen Umstände hat Mitte September für eine halbe Million Kinder im Gazastreifen das neue Schuljahr begonnen. In der Grundschule im SOS-Kinderdorf Rafah - etwa 30 Kilometer südlich von Gaza - lernen 170 Jungen und Mädchen Lesen, Schreiben und Rechnen. "Der Neustart nach dem Krieg war nicht leicht. Einige Lehrer kehrten nicht zur Arbeit zurück, weil sie teilweise ihre Familie verloren hatten und ihre Häuser von Bomben getroffen wurden. Ähnlich ist es auch einem Teil der Schüler ergangen", sagt Samy Ajjour. Der Schulalltag ist weit von der Normalität entfernt: "Die Kinder sind schwer traumatisiert. Sie werden in Einzel- und Gruppengesprächen psychologisch betreut. Zudem bieten wir viele Aktivitäten zur Traumatherapie an: Zeichnen, Schreiben, Singen, Tanzen, Laufen und Wasserspiele", so Ajjour.

Therapie gegen traumatische Erlebnisse


Fast 400.000 Kinder im Gazastreifen brauchen laut UNICEF derzeit dringend psychologischen Beistand. Foto: Bjorn-Owe Holmberg
Ghada* (10) aus dem SOS-Kinderdorf Rafah nimmt regelmäßig an den Therapieangeboten teil. Sie war während des Krieges bei Verwandten zu Besuch. "Direkt neben uns schlug eine Rakete ein. Jeder rannte um sein Leben. Alles war voller Staub und Blut, die Menschen haben geschrieen und plötzlich waren meine Tante und mein Onkel weg", erinnert sie sich. Sie landete ganz allein in einem Flüchtlingsheim und musste dort bleiben, bis Mitarbeiter des Roten Kreuzes sie zurück ins Kinderdorf brachten. Sie erzählt: "Seit damals bin ich jeden Tag traurig. Ich kann mich in der Schule nicht konzentrieren, ich kann mir nichts merken und habe keine Energie zum Lernen - obwohl ich früher großen Spaß daran hatte. Mir fehlt momentan die Hoffnung für die Zukunft und ich hoffe, dass ich diese schwere Zeit in meinem Leben vergessen und neu beginnen kann."

* Name aus Datenschutzgründen geändert

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