Gazastreifen: SOS schlägt Alarm

Verzweifelte Eltern wollen ihre Kinder im Kinderdorf abgeben / Lage im Gazastreifen verschlechtert sich zusehends

03.06.2014 - Während die Welt auf Krisenherde wie Syrien und die Ukraine blickt, erreicht die Not der Menschen im Gazastreifen nahezu unbeachtet ein neues Ausmaß. Immer häufiger wollen verzweifelte Eltern ihre Kinder im SOS-Kinderdorf Rafah abgeben, da sie nicht einmal mehr für ausreichende Nahrung sorgen können.

Radio-Interview mit SOS-Pressesprecher Louay Yassin - jetzt anhören:

 

 


Viele Häuser im Gazastreifen sind zerstört, Familien leben in Ruinen ohne Trinkwasser und Sanitäranlagen  - Foto: Stephan Pramme.

Angst, Gewalt und Armut prägen das Leben der Menschen im Gazastreifen. Der über Jahrzehnte andauernde Konflikt hat den kleinen Landstrich am Mittelmeer stark mitgenommen: Viele Häuser sind zerstört, Familien leben in Ruinen ohne Trinkwasser und Sanitäranlagen.

Arbeitslosigkeit und bittere Armut

Rund ein Drittel der Menschen ist arbeitslos. Der Bevölkerungsanteil, der unterhalb der Armutsgrenze lebt, liegt bei fast 40 Prozent. Mehr als die Hälfte der Familien im Gazastreifen kann ihre Kinder nicht ausreichend ernähren.

"Die Situation ist dramatisch", erklärte Louay Yassin, Pressesprecher der SOS-Kinderdörfer weltweit. "Immer häufiger bitten verzweifelte Eltern die Mitarbeiter im SOS-Kinderdorf Rafah, ihre Kinder aufzunehmen." Das sei allerdings keine Lösung der Misere. "Unser Ansatz ist es, die Familien zu unterstützen, damit sie zusammenbleiben können", sagte Yassin. Derzeit unterstützen die SOS-Kinderdörfer rund 1.000 Not leidende Familien mit Nahrung und Medikamenten.

Krankenhäuser ohne Strom

Die Lage in der Region hat sich unter anderem zugespitzt, weil die offiziellen Übergänge in den Gazastreifen nur selten geöffnet sind, sodass nicht genug lebenswichtige Güter hineinkommen. Auch die meisten Schmugglertunnel zwischen Ägypten und dem Gazastreifen, über die Dinge des täglichen Bedarfs in den Landstrich kamen, sind seit Mitte vergangenen Jahres geschlossen. "Besonders dramatisch ist der Mangel an Treibstoff, der immens wichtig für die öffentliche Stromversorgung ist. Manche Gemeinden sind täglich bis zu 16 Stunden ohne Strom", teilte Yassin mit. "Die Folgen: Medizinische Geräte in Krankenhäusern funktionieren nicht,  elektrische Brunnen zur Wasserversorgung von Feldern arbeiten nicht, öffentliche Dienstleitungen wie Kläranlagen sind betroffen."

SOS-Kinderdörfer sind strikt neutral

Die SOS-Kinderdörfer sind seit den späten 60er Jahren in den Palästinensischen Gebieten aktiv. Die Arbeit zeichnet sich durch strikte Neutralität aus. Die Organisation unterstützt Kinder, Jugendliche sowie arme Familien in Palästina und Israel.