Generationswechsel: Neuer SOS-Präsident

25.06.2012 - Der neu gewählte Präsident von SOS-Kinderdorf International, Siddhartha Kaul, verfolgt ein ehrgeiziges Ziel: ein sicheres Zuhause für eine Million gefährdete Kinder. "Ob in Sri Lanka, Serbien oder Spanien - jedes Kind, das zu einem erfolgreichen jungen Erwachsenen heranwächst, bringt uns unserem Ziel näher", sagt der Nachfolger von Helmut Kutin. "Wir arbeiten direkt mit jedem einzelnen Kind, das ist das Besondere an unserer Organisation."

Siddhartha Kaul zu Besuch im SOS-Kinderdorf in Vietnam - Foto: A.Gabriel
Siddhartha Kaul zu Besuch im SOS-Kinderdorf in Vietnam - Foto: A.Gabriel
An der Spitze von SOS-Kinderdorf International, dem Dachverband aller SOS-Vereine, hat sich ein Generationswechsel vollzogen. Nach 27 Jahren Präsidentschaft kandidierte Helmut Kutin, der direkte Nachfolger von SOS-Gründervater Hermann Gmeiner, nicht mehr für das höchste Amt einer der weltweit größten Kinderhilfsorganisationen. Auf der 19. Generalversammlung im österreichischen Innsbruck, wo rund 350 Delegierte aus 133 Ländern zusammenkamen, wurde Siddhartha Kaul zum neuen Präsidenten gewählt.

Ein Zuhause für eine Million Kinder

Siddhartha Kaul hält an dem Ziel fest, die weltweite SOS-Kinderdorf-Arbeit in den kommenden Jahren stark auszubauen. "Der weltweite wirtschaftliche Abschwung hat Auswirkungen auf die SOS-Kinderdörfer, auch wenn die Notlage von Kindern weltweit nicht nur mit wirtschaftlichen Faktoren zu tun hat", sagte er in seiner Rede.
"Gemeinsam werden wir versuchen, alles Nötige zu tun, um bis Ende des Jahrzehnts einer Million Kindern ein fürsorgliches familiäres Umfeld bieten zu können. Wir haben das Versprechen für eine Million Kinder gegeben, und dies ist ein Versprechen, das wir halten wollen. Es wird eine große Herausforderung sein, dieses Ziel in der heutigen schwierigen Situation zu erreichen. Seit 63 Jahren unterstützen uns Partner und Spender mit ungebrochener Loyalität in unserer Arbeit, und wir hoffen, dass sie uns weiterhin unterstützen werden."

Derzeit sind es rund 370.000 Mädchen und Jungen, die in SOS-Familien und in Jugendeinrichtungen aufwachsen oder innerhalb ihrer leiblichen Familie Unterstützung erhalten. Hinzukommen über eine Million Kinder und Erwachsene, die SOS jährlich weltweit erreicht: durch Schulen, Kindergärten, Berufsbildungszentren, Sozialzentren, Kliniken und Nothilfeaktionen.

Aufgewachsen mit Hermann Gmeiners Vision

Siddhartha Kaul (links) mit Helmut Kutin und der Hermann-Gmeiner-Preisträgerin Rama Karki
Generationswechsel: Siddhartha Kaul (links) mit Helmut Kutin und der Hermann-Gmeiner-Preisträgerin Rama Karki auf der Generalversammlung
Bis zu seiner Wahl zum Präsidenten war Siddhartha Kaul Kontinentaldirektor von Asien und stellvertretender Generalsekretär. Nach der Tsunami-Katastrophe in Asien 2004 leitete er das größte Nothilfe- und Wiederaufbauprogramm in der Geschichte der SOS-Kinderdörfer. Helmut Kutin, Kauls Mentor, beschreibt seinen Nachfolger als "einen Organisator, einen realistischen Denker in Wirtschaftsfragen und jemanden, der die Vielfalt schätzt". Besonders würdigt er Kauls "großes menschliches Verständnis und die tiefe Zuneigung, die er den SOS-Kinderdorf-Müttern, den Kindern und jungen Menschen gegenüber empfindet".

Siddhartha Kaul wurde 1954 in Indien geboren. Er ist verheiratet und Vater zweier Kinder. Mit der SOS-Kinderdorf-Idee ist er buchstäblich aufgewachsen: Sein Vater, J.N. Kaul, ein Sozialarbeiter, war Mitbegründer der SOS-Kinderdörfer in Indien und lebte mit seiner Familie in Greenfields, dem ersten der heute 39 indischen SOS-Kinderdörfer. Weil Siddhartha Kaul dort den Großteil seiner Jugend verbrachte, nannten ihn die SOS-Kinder liebevoll "Bhaiya" (älterer Bruder). Als Student begann er sich zu engagieren, indem er Feriencamps leitete und Nachhilfeunterricht in Sprachen und Mathematik gab. Nach dem Studium der Architektur und der freien Künste überzeugten ihn Hermann Gmeiner und Helmut Kutin, ein SOS-Kinderdorf zu leiten. Nach und nach übernahm Siddhartha Kaul wichtige Positionen in Indien, Sri Lanka, Vietnam und Kambodscha und stieg zum Kontinentaldirektor und stellvertretendem Generalsekretär auf - nun bekleidet er das verantwortungsvolle Amt des Präsidenten.