Granaten treffen SOS-Kinderdorf in Mogadischu: Ein Mitarbeiter getötet

11.10.2011 - Gestern wurde ein Mitarbeiter der SOS-Kinderdörfer getötet. Die Truppen der Übergangsregierung und der islamischen Al-Shabaab-Milizen liefern sich seit einigen Tagen Kämpfe in der Nähe des SOS-Kinderdorfes. Der Mitarbeiter starb durch eine Granate, die in der Wäscherei der SOS-Klinik einschlug.

Ruine in Mogadischu
Ruine in Mogadischu - Fotos: Jens Honoré
Gestern wurde ein Mitarbeiter der SOS-Kinderdörfer getötet. Die Truppen der Übergangsregierung und der islamischen Al-Shabaab-Milizen liefern sich seit einigen Tagen Kämpfe in der Nähe des SOS-Kinderdorfes. Der Mitarbeiter starb durch  eine Granate, die in der Wäscherei der SOS-Klinik einschlug. Auch andere SOS-Einrichtungen wie das Kinderdorf wurden durch massiven Beschuss beschädigt. Alle SOS-Einrichtungen wurden sofort evakuiert.

Zwischen den Fronten


Nationaler Direktor der SOS-Kinderdörfer für Ostafrika, Ahmed Ibrahim
Das Viertel, in dem die SOS-Klinik und das Kinderdorf liegen, stand bisher unter dem Einfluss der Al-Shabaab. Da die SOS-Kinderdörfer seit vielen Jahren unparteiisch den Kindern und Familien in Mogadischu und Umgebung Hilfe leisten, konnten wir trotz der Kämpfe der Bevölkerung Hilfe leisten. Allerdings gerieten SOS-Mitarbeiter regelmäßig zwischen die Fronten. Zweimal wurden SOS-Angestellte in den vergangenen Jahren durch Querschläger getötet. Mehrfach musste auch das Kinderdorf evakuiert werden, zuletzt im August dieses Jahres. Dennoch konnten die SOS-Einrichtungen Zehntausenden Hungernden in Somalia intensive medizinische und humanitäre Hilfe leisten.

Nationaler Direktor der SOS-Kinderdörfer für Ostafrika, Ahmed IbrahimDie neuen Kämpfe habe die Situation jedoch grundlegend verändert, teilte der Leiter von SOS-Somalia, Ahmed Ibrahim, aus Mogadischu mit. „Der Stadtteil gilt jetzt sowohl bei den Truppen der Übergangsregierung als auch bei Al-Shabaab als Kampfgebiet“, sagte Ibrahim. „Die Truppen der Regierung haben zwar die Kontrolle über das Viertel übernommen, allerdings haben die Al-Shabaab noch Widerstandgruppen im Viertel und wollen das Gebiet zurückerobern.“

Massiver Artilleriebeschuss

Die SOS-Kinderdörfer sind ununterbrochen seit 1985 in Somalia. „Dies ist das erste Mal, dass wir alle unsere Einrichtungen evakuieren. Es bleibt uns aufgrund des massiven Artilleriebeschusses nichts anderes übrig“, sagte Ibrahim.

Der Tod des Mitarbeiters und die Gewalt, mit der in dem Viertel ohne jegliche Rücksicht auf Bewohner gekämpft wird, hat eine neue Dimension: „Der Mitarbeiter war bei uns seit 1994 beschäftigt“, erklärte der Vorstand der SOS-Kinderdörfer weltweit in München, Dr. Wilfried Vyslozil. „Wir sind sehr bestürzt, unsere Gedanken sind bei den Angehörigen und natürlich auch bei den Kindern und anderen Mitarbeitern.“ Rund 250 Angestellte arbeiten derzeit für die SOS-Kinderdörfer in Somalia, um Hunger und Elend in dem Land zu bekämpfen. „Jetzt sind erst einmal alle in Sicherheit. Wir werden die Lage jetzt sehr genau analysieren und sehen, welche Schritte als nächstes angebracht sind“, erklärte Vyslozil.