Hurrikan "Matthew" trifft Haiti schwer

SOS-Kinder sind wohlauf | Mehr als 4 Millionen Kinder vom Wirbelsturm betroffen

05.10.2016 - Mit Windgeschwindigkeiten von 200-220 kmh traf der Hurrikan "Matthew" am Dienstagmorgen (gegen 1 Uhr nachts lokaler Zeit) auf Haiti. Meteorologen stuften den Wirbelsturm in die zweithöchste Kategorie ein. "Matthew" gilt als stärkster Hurrikan seit 52 Jahren. Vor allem der Südwesten des Landes ist stark betroffen. Nach Angaben von örtlichen Behörden sind mindestens 339 Menschen gestorben. Tausende mussten evakuiert werden. Starkregen hat zu schweren Überschwemmungen geführt – die Sorge vor gefährlichen Erdrutschen, aber auch dem Ausbruch von Krankheiten wie Cholera wächst. Öffentliche Einrichtungen wie Schulen, Häfen oder Flughäfen sind vorerst geschlossen, die Kommunikation ist weitgehend zusammengebrochen.

Die Menschen in Haiti kommen nicht zur Ruhe. Immer wieder zerstören Naturkatastrophen ihre Lebensgrundlage. Foto: Conor Ashleigh

Celigny Darius, Nationaler Direktor der SOS-Kinderdörfer in Haiti, berichtete, dass alle SOS-Kinder, -Mütter und -Mitarbeiter wohlauf sind. Zur Sicherheit bleiben die meisten SOS-Familien vorerst in ihren Häusern. Zwei der drei SOS-Kinderdörfer des Landes haben den Sturm weitgehend unbeschadet überstanden. Die Stadt Les Cayes jedoch ist stark betroffen: Auch einige Häuser im SOS-Kinderdorf und die SOS-Schule in Les Cayes wurden überschwemmt und Dächer wurden beschädigt. Ein Team der SOS-Kinderdörfer ist auf dem Weg nach Les Cayes, um zu beurteilen, was die Menschen im Ort nun am nötigsten brauchen.

Katastrophe trifft die Ärmsten

Haiti gilt als eines der ärmsten Länder. Viele Familien leiden wirtschaftlich noch immer unter den Folgen des schweren Erdbebens von 2010. Unzählige leben nach wie vor in Zelten oder notdürftig errichteten Hütten. Die SOS-Kinderdörfer begleiten derzeit rund 3.400 Familien, die in Slums und Armutssiedlungen leben. Ab morgen werden SOS-Teams in die betroffenen Gebiete gehen können, um das Ausmaß der Schäden zu eruieren und den Hilfsbedarf für Familien dort einzuschätzen.

Mangel an sauberem Wasser und Nahrung

Die Regierung hat Notunterkünfte eingerichtet und verteilt derzeit Wasser und Nahrungsmittel an Familien, die durch die Katastrophe obdachlos wurden. Mindestens 10.000 Menschen sind jedoch noch immer in Notbehausungen mit begrenztem Zugang zu sauberem Wasser untergekommen. Laut UNICEF sind nun mehr als 4 Millionen Kinder bedroht – besonders durch im Wasser übertragene Krankheiten wie Cholera oder Durchfall.

Es wird erwartet, dass bald Nahrungsmittel knapp werden und es zu Problemen mit sanitären Einrichtungen kommen wird. SOS-Mitarbeiter gehen daher davon aus, dass auf längere Sicht weitere Unterstützung benötigt wird.

Die betroffene Region im Süden des Landes ist stark landwirtschaftlich geprägt. Die Bauern in dieser Gegend haben ihre Lebensgrundlage komplett verloren. Es könnte auch für viele Familien zu Versorgungsengpässen mit Lebensmitteln kommen.

Auf die Katastrophe vorbereitet


Nach heftigen Regenfällen stehen auch aktuell viele Gebiete in Haiti unter Wasser, wie nach dem Hurrikan Sandy 2012. Foto: Conor Ashleigh

Bereits am vergangenen Freitag begannen SOS-Mitarbeiter, die Menschen in der Nachbarschaft der SOS-Kinderdörfer vor dem Wirbelsturm zu warnen. Viele Familien leben in Haiti nach wie vor in Slums und Notbehausungen. SOS-Mütter sowie Frauen aus den von SOS-unterstützten Gemeinden legten Lebensmittelvorräte an.

In einem Krisentreffen mit Vertretern der Regierung und lokalen Hilfsorganisationen wurden entsprechende Maßnahmen koordiniert, zusätzlich gab die Regierung für den Notfall Evakuierungspläne aus. Bei Bedarf wird SOS zusammen mit anderen lokalen Organisationen Hilfe für Kinder und Familien vor Ort leisten. So sind zum Beispiel Lehrer und SOS-Mitarbeiter darauf vorbereitet, Menschen in Not in den SOS-Schulen aufnehmen und versorgen zu können.

SOS-Kinderdörfer in Haiti

Derzeit haben in Haiti 500 Kinder und über 200 Jugendliche in drei Kinderdörfern und angeschlossenen Einrichtungen in Port-au-Prince (Santo), Les Cayes und Cap-Haitien ein Zuhause. Rund 2.000 Kinder lernen in den zwei Hermann-Gmeiner-Schulen Haitis. Darüber hinaus unterstützen SOS-Mitarbeiter in sechs Sozialzentren und Programmen der SOS-Familienhilfe rund 3.400 Familien.

Nach dem verheerenden Erdbeben in 2010 kümmerten sich die SOS-Kinderdörfer um allein aufgefundene Kinder und leisteten umfangreiche Nothilfe. Dabei wurden unter anderem bis zu 22.000 Kinder täglich mit warmen Mahlzeiten versorgt. Diese Soforthilfe ist inzwischen in langfristige Projekte und Aufbauhilfe übergegangen.