Haitis Kinder können nicht warten!

Initiativen bei EU und UN: SOS-Kinderdörfer fordern raschen Wiederaufbau

06.07.2011 - Der Wiederaufbau in Haiti darf nicht weiter verschleppt werden! Dafür machen sich die SOS-Kinderdörfer bei EU und UN stark. Gemeinsam mit anderen Hilfsorganisationen startete SOS Initiativen in Brüssel und New York, um sich für Haitis Kinder einzusetzen. Die SOS-Kinderdörfer bringen dabei ihre Erfahrungen aus der Arbeit vor Ort ein.

Sophie Preisch
Ein Mädchen im haitianischen SOS-Kinderdorf Santo bei Port-au-Prince - Foto: Sophie Preisch
Zahl der verlassenen Kinder nimmt zu

Das verheerende Erdbeben vom Januar 2010 hat Tod und Zerstörung über Haiti gebracht. Nach wie vor kommt der Wiederaufbau nur langsam voran. Darunter leiden vor allem die Kinder. Max Lamesch vom internationalen Hilfs- und Aufbauteam der SOS-Kinderdörfer betont: "Nicht nur die Lage von Frauen und Kindern in den Camps ist ernst. Auch die Zahl der verlassenen Kinder nimmt zu, und die Bedingungen in den Waisenhäusern muss man als katastrophal bezeichnen."

Schulterschluss für Haiti in New York

Die Vertretung der SOS-Kinderdörfer in New York hat zusammen mit 14 anderen nichtstaatlichen Hilfsorganisationen einen Appell an den UN-Sicherheitsrat gerichtet. In dem Schreiben fordern die NGOs (engl. Non-Governmental Organisation):

  • Ein Wiederansiedlungsplan muss dringend aufgestellt werden. Immer noch sind 680.000 Haitianer obdachlos und in Camps untergebracht.
  • Der umfassende Schutz vor allem von Kindern und Frauen ist sicherzustellen. Diese sind besonders gefährdet und werden in den Obdachlosen-Camps oftmals Opfer von sexueller Gewalt.
  • Die internationale Gemeinschaft muss die Regierung von Haiti stärken.

Brief an EU-Chefdiplomatin Catherine Ashton

Parallel dazu haben die SOS-Kinderdörfer gemeinsam mit Plan Europa, World Vision und der Christoffel-Blindenmission einen Brief an Catherine Ashton, Hohe Vertreterin der EU für Außen- und Sicherheitspolitik und Vizepräsidentin der Europäischen Kommission, gesandt und auf die kritische Situation der Kinder in Haiti hingewiesen. In ihrer Antwort signalisierte Catherine Ashton, dass die EU-Entscheidungsträger auf höchster Ebene kooperieren wollen, um den Wiederaufbau in Haiti voranzutreiben.

Appell an EU-Abgeordnete

Die SOS-Kinderdörfer wenden sich zudem gemeinsam mit Plan Europa und World Vision an die EU-Abgeordneten: So haben die drei Organisationen einen Artikel für "The Parliament" (Mai-Ausgabe 328; Seiten 15-16; siehe PDF-Dokument; nur Englisch) verfasst. "The Parliament" ist ein EU-Magazin für die Abgeordneten des EU-Parlaments, das Meldungen und Analysen von laufenden EU-Debatten veröffentlicht. Der Artikel fordert die EU dazu auf, mit der haitianischen Regierung systematischer zu kooperieren, vor allem wenn es um den Schutz besonders benachteiligter Bevölkerungsgruppen geht. Weitere Forderungen: Haitis Bevölkerung muss in Entscheidungsprozesse zum Wiederaufbau miteinbezogen werden. Außerdem bedarf es besserer Mechanismen, um einen gelungenen Übergang von der Nothilfe zu echter Entwicklung zu schaffen.