Haiti: Wiederaufbau läuft schleppend

SOS-Kinderdörfer warnen: Hunderttausende Kinder im Inselstaat brauchen dringend Hilfe

24.01.2017 - Sieben Jahre nach dem verheerenden Erdbeben und vier Monate nach Hurrikan „Matthew“ kommt der Wiederaufbau in Haiti kaum voran. Auch sind hundertausende Kinder noch immer auf humanitäre Hilfe angewiesen.
Der Wiederaufbau kommt in Haiti nur schleppend voran. Noch immer sind hundertausende Kinder auf humanitäre Hilfe angewiesen. Foto Louay Yassin

Joubert Roquefort von den SOS-Kinderdörfern vor Ort warnt: Viele Kinder sind von Krankheiten bedroht, leiden an Mangelernährung oder haben kein Dach über dem Kopf.“ Auch bestünde berechtigte Angst vor einer schlechten Ernte im Herbst und einer steigenden Zahl von Cholera-Opfern aufgrund der miserablen hygienischen Bedingungen.

Viele Kinder sind von Krankheiten bedroht!

Hurrikan „Matthew“ hat die bitterarme Karibikinsel ähnlich hart getroffen wie schon das große Erdbeben vor sieben Jahren, als 300 000 Menschen starben und mehr als 1,5 Millionen obdachlos wurden. „Die Zerstörung war nach Matthew viel großflächiger“, sagt Joubert, „das Leid unermesslich.“ Matthew hat vor allem die ländlichen Gebiete verwüstet und nicht wie damals das Erdbeben die Hauptstadt Port-au-Prince. „Vielleicht ist das der Grund, weshalb Haitis dramatische Notlage im Rest der Welt immer noch unterschätzt wird. Ich hoffe, dass die internationale Gemeinschaft Haiti nicht vergisst“, sagt Joubert.

SOS leistet Nothilfe vor Ort

SOS-Mitarbeiter verteilen Lebensmittel, Medikamente und Hygienepakete. Foto: SOS-Haiti

Die Hilfsorganisationen und die Regierung stünden vor gewaltigen Herausforderungen. Ob sie diese ohne starke Unterstützung der internationalen Gemeinschaft meistern, sei allerdings fraglich. Daher mahnen die SOS-Kinderdörfer, dass mehr Unterstützung von der Weltgemeinschaft kommen müsse. Von den 120 Millionen Dollar Nothilfe, die die UN erbeten habe, um den Menschen im Katastrophengebiet zu helfen, sei erst ein kleiner Teil in Haiti angekommen.

Hintergrund: SOS-Kinderdörfer in Haiti

Derzeit haben in Haiti 500 Kinder und über 200 Jugendliche in drei Kinderdörfern und den angeschlossenen Einrichtungen in Port-au-Prince (Santo), Les Cayes und Cap-Haitien ein Zuhause gefunden. Rund 2.000 Kinder lernen in den zwei Hermann-Gmeiner-Schulen Haitis. Darüber hinaus unterstützen SOS-Mitarbeiter in sechs Sozialzentren und Programmen der SOS-Familienhilfe rund 3.400 Familien.

Nach dem verheerenden Erdbeben in 2010 kümmerten sich die SOS-Kinderdörfer um allein aufgefundene Kinder und leisteten umfangreiche Nothilfe. Dabei wurden unter anderem bis zu 22.000 Kinder täglich mit warmen Mahlzeiten versorgt. Diese Soforthilfe ist inzwischen in langfristige Projekte und Aufbauhilfe übergegangen.