Philippinen: Hoffnung für ein Fischerdorf

17.01.2014 - Nach dem Taifun brauchen die Menschen in und um Tacloban wieder eine Lebensgrundlage. Die SOS-Aufbauhilfe unterstützt Familien beim Neuanfang.

Das Ausmaß der Zerstörung in Bisleg ist ernom. Viele Familien haben ihre Lebensgrundlage verloren.

Bisleg ist ein kleines Fischerdorf, rund 20 km von Tacloban entfernt. Wer das Dorf besucht, ist zunächst überwältigt von dem Ausmaß der Zerstörung, die der Taifun Haiyan hinterlassen hat. Nahezu alles ist verwüstet. Die Kokospalmen des einstmals bewaldeten Orts sind abgebrochen oder entwurzelt, zerschmetterte Boote und zerrissene Netze liegen herum.

Rund 120 Familien leben in Bisleg. Sie haben sich aus Planen und dem, was sie in den Trümmern fanden, einfachste Notunterkünfte gebaut.

Spricht man mit den Menschen aus Bisleg, ist man wiederum überwältigt: von ihrem Willen und ihrer Hoffnung, ihr Leben nach der Katastrophe wieder aufzubauen. Rund zwei Monate nach dem Wirbelsturm versuchen die Familien, zu etwas Normalität zurückzukehren.

Die Lebensgrundlage ist zerstört

Die meisten Familien hier lebten von der Fischerei oder produzierten und verkauften Palmnektar. Alles, mit dem sie bisher ihr Einkommen bestritten, ist komplett zerstört. "Die Menschen wissen nicht, womit sie künftig ihren Lebensunterhalt verdienen sollen", berichtet eine SOS-Mitarbeiterin.

Hilfe zur Selbsthilfe für Familien


Ein sicherer Ort zum Spielen und Lernen für 400 Kinder: die SOS-Tagesstätte in Bisleg.

Die SOS-Kinderdörfer arbeiten nicht für, sondern mit den Familien in Bisleg. So haben die Männer des Dorfes die Hütte, die als Basis für die Hilfsmaßnahmen dient, selbst gebaut. SOS bietet hier Tagesbetreuung für die Kinder aus Bisleg an. Im so genannten "Child Care Space" können 400 Mädchen und Jungen spielen, lernen und werden versorgt, während sich ihre Eltern um den Wiederaufbau kümmern.

"Meine beiden Kinder, und manchmal sogar ich, kommen gerne hier her. Es ist immer etwas los", berichtet Isabell, eine junge Mutter. "Die Menschen sind so nett und wir haben das Gefühl, zusammen zu gehören. Die Größeren gehen hier zur Schule, die Kleinen in den Kindergarten. Oft ist der Platz zu eng, so viele nehmen an den Aktivitäten teil. Und wir brauchen noch mehr Essen für die Kinder", wünscht sie sich. Emmanuel, ein Vater von drei Kindern, ist vor allem froh, dass seine Kinder hier wieder lachen können und Spaß haben. "Es tut gut, dass die Menschen von SOS unsere Probleme verstehen", ergänzt er. "Ich möchte mithelfen, wo ich kann."

Den Aufbau gemeinsam gestalten


Familien aus Bisleg besprechen mit SOS-Mitarbeitern die weiteren Hilfsmaßnahmen.

Gemeinsam mit dem SOS-Team besprechen die Menschen aus Bisleg, wie sie ihr Dorf wieder aufbauen können. Ein "Mütterclub" wurde bereits ins Leben gerufen. Hier treffen sich regelmäßig die Frauen aus dem Dorf und tauschen sich intensiv über alle Themen aus, die ihre Kinder betreffen. Natürlich steht dabei die Sorge um die wirtschaftliche Zukunft der Familien im Vordergrund.

"Wenn wir Boote hätten, könnten wir wieder fischen gehen", planen die Männer. Um dies in die Tat umzusetzen, haben sie sich gemeinschaftlich organisiert. Die SOS-Kinderdörfer werden die Familien bei der Anschaffung neuer Boote unterstützen.

Langfristiges Ziel: Neue Wohnhäuser


S. Kaul im Gespräch mit Kindern und Müttern.
Mitte Januar ist Siddharta Kaul, Präsident der weltweiten SOS-Kinderdörfer, ins Katastrophengebiet gereist, um sich selbst ein Bild von den Hilfsmaßnahmen zu machen. Dabei traf er in Tacloban auch den Bürgermeister der Region. Neben dem Ziel, den Menschen wieder eine Lebensperspektive zu geben, planen die SOS-Kinderdörfer unter anderem den Neubau von Wohnhäusern. In Bisleg ist man derzeit auf der Suche nach einem geeigneten Grundstück.