Hungersnot in Ostafrika: SOS-Kinderdörfer leisten Nothilfe

Kinder in Flüchtlingslagern fast alle unterernährt

18.07.2011 - Millionen von Menschen in den Ländern am Horn von Afrika sind von einer Hungersnot bedroht, hunderttausende Kinder sind in akuter Gefahr. Die SOS-Kinderdörfer bereiten sich in Somalia, Äthiopien und Kenia auf Hilfsaktionen vor.

 

Hunger Ostafrika
Mogadischu, Somalia: die Flüchtlingslager sind überfüllt, die Lebensmittel knapp. Mütter, Kinder, alle kämpfen nach langen Strapazen ums Überleben.
Wegen der schlimmsten Dürre seit 60 Jahren verlassen tausende Somalier ihr Land in Richtung Äthiopien und Kenia. Doch auch dort haben Ernteausfälle und steigende Lebensmittelpreise bereits zu einer Hungerkrise geführt. Das weltweit größte Flüchtlingslager in Dadaab (im Norden Kenias) ist hoffnungslos überfüllt. Viele Kinder sterben schon auf der Flucht.

 

Mitarbeiterteams aus den SOS-Kinderdörfern in Somalia, Kenia und Äthiopien untersuchen das Ausmaß der Katastrophe in den am stärksten betroffenen Regionen ihres Landes und planen konkrete Hilfsmaßnahmen für die Not leidende Bevölkerung. Dazu besuchen sie die Flüchtlingslager, analysieren den Bedarf und bilden Netzwerke mit anderen Hilfsorganisationen vor Ort (UNICEF, WHO, National Drought Committee u. a.) sowie mit Regierungsvertretern. Die Zeit drängt, denn unzählige Kinder schweben in Lebensgefahr.

Hilfe in Flüchtlingscamps

SOS-Mitarbeiter konzentrieren sich in Somalia auf mehrere Flüchtlingscamps in und um Mogadischu sowie in Baidoa, jeweils in der Nähe der beiden SOS-Kliniken. Das äthiopische SOS-Team wird in der Region um Gode Soforthilfe leisten, während die SOS-Kinderdörfer in Kenia die Verteilung von Lebensmittelpaketen im Norden des Landes vorbereitet.

In den Flüchtlingscamps fehlen nicht nur Nahrung und Trinkwasser, sondern auch schützende Unterkünfte, Toiletten und eine Struktur zur gerechten Lebensmittelverteilung. Viele Flüchtlinge - besonders Kinder - benötigen außerdem dringend medizinische Versorgung, Impfungen und psychosoziale Betreuung. In all diesen Bereichen wollen die SOS-Kinderdörfer in Somalia, Kenia und Äthiopien aktiv helfen.

Lage in Somalia katastrophal

Am schlimmsten ist die Situation in weiten Teilen Somalias. Dort sind die Menschen nicht nur von Hunger und Dürre bedroht, sondern auch von den nicht enden wollenden Kriegszuständen. Tausende fliehen täglich vor den katastrophalen Zuständen in ihrem Land über die Grenze nach Kenia und Äthiopien. Bereits geschwächte Kinder überleben den Weg durch die Wüste oft nicht. Viele verzweifelte Menschen kommen auch in die zerstörte Hauptstadt Mogadischu, weil sie sich dort eine Mindestversorgung mit Wasser, Nahrung und Medikamenten erhoffen.

Die SOS-Kinderdörfer betreiben in Mogadischu seit vielen Jahren umfangreiche Sozialprogramme, darunter eine große Kinder-und Frauenklinik, die seit mehr als 20 Jahren für die medizinische Versorgung in der Hauptstadt unentbehrlich ist.
Täglich werden etwa 270 Familien in Camps am Stadtrand untergebracht oder sie besetzen zerstörte Häuser im Stadtzentrum und ziehen bettelnd durch die Straßen.

 

Die hygienischen Bedingungen in Darkenley sind katastrophal. Foto: SOS
Die hygienischen Bedingungen in Darkenley sind katastrophal - Foto: SOS
Kinder in Camps fast alle unterernährt

Ein SOS-Team, angeführt von Ahmed Ibrahim, dem Leiter der SOS-Kinderdörfer in Somalia, besuchte das Darkenley-Camp in der Nähe von Mogadischu. "Die meisten Kinder und älteren Menschen sind unterernährt", so Ahmed Ibrahim. Es gibt nur eine kleine medizinische Station, die kaum Medikamente hat und deshalb kranke Kinder abweisen muss. An einer einzigen Ausspeisungsstelle gibt es etwas anderes als Trockennahrung. "Kinder, Frauen und Männer stehen gemeinsam an und bekommen alle das Gleiche: Reis," schildert Ahmed die dramatischen Zustände im Camp. Viele der Familien kommen aus Gebieten, die in den vergangenen zwei Jahren wegen des Krieges nicht zugänglich waren, weshalb viele Kinder nicht geimpft sind. Es droht der Ausbruch einer Masernepidemie, dazu kommen Durchfall, Atemwegserkrankungen, Malaria und Hautkrankheiten. Die Unterkünfte bestehen teilweise nur aus Plastikplanen, manche Familien haben nicht einmal das.


Karte Hunger Ostafrika Somalia Kenia Äthiopien Dschibuti Somaliland
Von der Hungerkatastrophe sind mehrere Länder im Osten Afrikas betroffen,
Hintergrund: schwerste Hungerkatastrophe seit Jahrzehnten

Die Dürrekatastrophe am Horn von Afrika gilt als schlimmste der vergangenen 60 Jahre und betrifft neben Somalia, Somaliland und Dschibuti auch Kenia und Äthiopien. Experten warnen vor einer weiteren Verschärfung der humanitären Lage. Frühestens im kommenden Jahr sei wieder eine Ernte zu erwarten. Demnach könnten die kommenden sechs Monate sehr hart werden.

Nach Angaben internationaler Hilfsorganisationen stieg dort in der Bevölkerung der Anteil der Unterernährten seit vergangenem Jahr von 15 auf 37 Prozent. Die bereits seit über zwei Jahren anhaltende Dürre hat in Somalia, Somaliland, Äthiopien, Kenia, Dschibuti und Uganda bereits zu mehreren Ernteausfällen und steigenden Lebensmittelpreisen geführt. Verschärft werden die Probleme außerdem durch den Bürgerkrieg in Somalia. In Ostafrika sind mehr als elf Millionen Menschen auf Nahrungsmittelhilfe angewiesen.

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