Immer mehr Kinder auf der Flucht

SOS-Kinderdörfer fordern kindgerechte Versorgung

06.10.2015 - In den europäischen Transitländern steigt der Anteil der Kinder unter den Flüchtlingen rasant. "Wir beobachten aktuell, dass die Zahl der Frauen und Kinder, die vor allem aus den Camps in der Türkei und im Libanon kommen, stark zunimmt. Sie haben die Hoffnung auf ein baldiges Ende des Krieges in Syrien verloren und wollen nur eins: Sicherheit und eine Zukunft für ihre Kinder", berichtet Katharina Ebel, Mitarbeiterin der SOS-Kinderdörfer weltweit. Sie macht sich zurzeit ein Bild von der Lage der Flüchtlinge und war gerade an Brennpunkten auf der griechischen Insel Lesbos und in Mazedonien vor Ort.

Immer mehr Familien fliehen mit kleinen Kindern. Auf dem Foto eine Familie an der Grenze zwischen Mazedonien und Serbien. Foto: Joris Lugtigheid

"Gerade wenn es um die Hilfe für immer mehr Kinder und Familien auf der Flucht geht, muss Europa jetzt handeln und dringend Solidarität mit den Transitländern zeigen", appellierte die SOS-Mitarbeiterin. "Andernfalls droht eine humanitäre Katastrophe: Wird es jetzt kälter bedeutet das für die Menschen, die größtenteils im Freien übernachten, eine große Gefahr“, so Ebel weiter.

Auf der griechischen Insel Lesbos landen derzeit täglich rund 2000 Flüchtlinge, mit dem Ziel von dort weiterzureisen. Ein Großteil der Neuankömmling seien mittlerweile Familien und Angehörige, die bereits eingetroffenen Flüchtlingen folgen, berichtet SOS-Mitarbeiterin Ebel von Lesbos. "Behörden und Helfer sind überfordert, es gibt kaum Betreuungsangebote für Kinder."

Auch in Mazedonien und Serbien lasse sich bereits seit Wochen beobachten, dass immer mehr Familien und unbegleitete minderjährige Flüchtlinge eintreffen. Laut UNHCR waren im Juni noch 80 Prozent der Flüchtlinge in Mazedonien Männer, inzwischen sind rund die Hälfte Frauen und Kinder. "Die Zahlen steigen weiter und es ist nur eine Frage der Zeit, bis auch in Deutschland der Anteil der Kinder und Frauen unter den Flüchtlingen stark steigt", so SOS-Mitarbeiterin Ebel. "Die Bundesregierung muss umgehend Maßnahmen ergreifen, um in Deutschland die altersgerechte Versorgung und Integration von immer mehr Flüchtlingskindern sicherzustellen."