"In den Augen der Kinder siehst du, dass es ihnen gut geht"

"Tatort"-Kommissar Oliver Mommsen besucht SOS-Kinderdorf Nairobi in Kenia

11.11.2005 - Im Bremer Tatort spielt Oliver Mommsen den Jungermittler Nils Stedefreund. Als der Schauspieler mit der TV-Sendung VOXTOURS eine Reise nach Kenia unternahm, besuchte er auch das SOS-Kinderdorf in Nairobi. Mommsen, selbst Vater zweier kleiner Kinder, lernte dort das SOS-Kind Phenny (12) kennen. Das Mädchen zeigte Oliver Mommsen das SOS-Kinderdorf - und ging mit ihm auch in den Slum, aus dem es stammt.
Im Kinderdorf: Oliver Mommsen albert mit Kindern herum, die ihrer Mutter im Haushalt helfen - Fotos: Patrick Wittmann
Im Kinderdorf: Oliver Mommsen albert mit Kindern herum, die ihrer Mutter im Haushalt helfen - Fotos: Patrick Wittmann

Herr Mommsen, wie fanden Sie Ihren ersten Besuch in einem SOS-Kinderdorf?

Ich bin immer noch vollkommen erschlagen von den Eindrücken. Die Arbeit, die die SOS-Kinderdörfer für Kinder in Not leisten, ist einfach großartig. Diese Herzlichkeit, diese Liebe, mit der die SOS-Mütter mit den Kindern umgehen! Du musst die Jungen und Mädchen nur anschauen: Du siehst in ihre Augen und du spürst, dass es ihnen gut geht. Sie sind so wie Kinder eben sein sollen: aufgeweckt und pfiffig. Das ist unglaublich, wenn man weiß, woher sie kommen, und erahnt, was sie mitgemacht haben.

Sie waren sichtlich aufgewühlt, als Sie Phenny, ein Waisenkind aus dem SOS-Kinderdorf, in den Slum begleitet haben...

'Unvorstellbares Elend': Oliver Mommsen begleitet Phenny (l.) in den Slum, aus dem das SOS-Kind kommt.
"Unvorstellbares Elend": Oliver Mommsen begleitet Phenny (l.) in den Slum, aus dem das SOS-Kind kommt.
Ich würde mich nicht unbedingt als mutig bezeichnen. Und als wir mit unserm weißen Jeep und dem ganzen Kamera-Equipment im Schritttempo in den Slum gefahren sind, hatte ich eine Riesenangst. Noch nie war ich vorher an einem Ort, der mir so wahnsinnig fremd war, und den ich so schlecht einschätzen konnte wie diesen. Ich dachte nur die ganze Zeit: Bloß nichts falsch machen, bloß niemand provozieren, bloß wieder weg hier. In dem Slum herrscht ein Leid, wie wir es uns nicht vorstellen können. Was wir Armut nennen, ist dort für die Menschen in ihren Lehmhütten absoluter Luxus.

 

Zu Fuß ging es dann durch enge Gassen zur Hütte, wo Phennys Großmutter lebt. Sie hat sich um Phenny gekümmert, nachdem die Eltern des Mädchens kurz hintereinander an Aids gestorben waren. Weil Phennys Oma nach einem Unfall nicht mehr für Phenny sorgen konnte, kam das Mädchen ins SOS-Kinderdorf...

Herzlicher Empfang: Phennys Oma, ihr Onkel und ihre ältere Schwester mit Kind.
Herzlicher Empfang: Phennys Oma, ihr Onkel und ihre ältere Schwester mit Kind.
Phennys Oma ist eine phantastische Frau mit einer unglaublichen Ausstrahlung. Es war rührend: Wir saßen in ihrer bescheidenen Hütte auf dem Sofa, das sie extra für uns mit sauberen weißen Laken bedeckt hat. Sie hat uns so herzlich und warm empfangen, dass ich plötzlich an die Nachmittage auf dem Sofa bei meiner eigenen Omi erinnert wurde. Solchen Stolz, solche Liebe und diese lebendigen Augen hatte ich in einer so menschenfeindlichen Umgebung nicht erwartet. Phennys Oma ist alt und krank, aber sie hat nicht gejammert, sondern sie hat sich für ihre Enkelin gefreut, dass sie im SOS-Kinderdorf ein Zuhause gefunden hat und in die Schule gehen kann. Sie war so dankbar, dass Phenny diese Chance und eine Zukunft bekommen hat.

 

Bevor Sie mit Phenny im Slum waren, hatten Sie die SOS-Kinder bei einem Ausflug in den Nationalpark erlebt und mit ihnen herumgealbert. Wie haben Sie diesen Kontrast empfunden?

'Aufgeweckt und pfiffig': Beim Ausflug in den Nationalpark hatte Oliver Mommsen viel Spaß mit den SOS-Kindern.
"Aufgeweckt und pfiffig": Beim Ausflug in den Nationalpark hatte Oliver Mommsen viel Spaß mit den SOS-Kindern.

Nach dem Besuch in dem Slum hatte ich einen klitzekleinen, aber sehr intensiven Eindruck, aus was für einem Leben diese quirligen, lebendigen, frechen süßen Fratze kamen, mit denen wir den ganzen Vormittag bei unserem Ausflug unterwegs waren. Und den Rest der Zeit im SOS-Kinderdorf hörte ich nicht mehr auf darüber zu staunen, wie es möglich ist, dass diese Kinder mit ihren Schicksalen wieder so unbeschwert sein konnten.

Von der ersten Minute an hat man Ihnen im SOS-Kinderdorf angemerkt, dass Ihnen der Umgang mit Kindern viel Spaß und Freude bereitet...

Oliver Mommsen mit SOS-Kind auf Arm - Foto: Patrick Wittmann
"Unbeschwerte Momente mit den Kindern": Oliver Mommsen mit einem kenianischen SOS-Kind.

Was gibt es schöneres als mit Kindern zusammen zu sein? Bei Kindern geht der Kontakt von Herz zu Herz. Als Schauspieler hat man ja auch die Ausbildung zum ewigen Kind. Man muss sich Phantasie und Spiellaune bewahren.

 

 

Auf dem Fußballplatz der SOS-Hermann-Gmeiner-Schule
Auf dem Fußballplatz: Oliver Mommsen kickt mit Schülern der SOS-Hermann-Gmeiner-Schule.

Bei ihrem Besuch in Nairobi spielten sie mit den Kindern Fußball. Wie steht es mit Ihrer Fußballbegeisterung?

Na ja, ich bin kein besonders guter Fußballer. Als Kind stand ich eher auf dem Tennisplatz, mein Stiefvater war Tennisprofi. Die Jungs in der SOS-Schule in Nairobi haben mich ganz schön zum Schwitzen gebracht, als ich mit ihnen gekickt habe. Und ich habe die ganze Zeit gedacht: Ich muss aufpassen, dass ich niemand auf die Füße trete, weil alle barfuß spielten und ich klobige Stiefel anhatte.

 

Was nehmen Sie von ihrem Besuch im SOS-Kinderdorf in Nairobi mit?