Internationaler Tag der Kinderrechte

SOS fordert Perspektiven für Kinder und Jugendliche

20.11.2015 - Am 20. November ist "Internationaler Tag der Kinderrechte". Noch immer brauchen unzählige Kinder Hilfe, damit ihr Recht auf elterliche Fürsorge, Schutz vor Krieg, oder auf Entwicklung und Bildung gestärkt wird.

Täglich sehen wir derzeit Kinder und deren Eltern, die eine lange Zeit der Flucht hinter sich haben und entsprechend gezeichnet sind. Im Zeichen der Flüchtlingskrise ist dieser Tag heuer besonders aktuell und notwendig.

Anhören:

Louay Yassin, Pressesprecher der SOS-Kinderdörfer weltweit, im Radio-Interview.
 


Die SOS-Kinderdörfer helfen Kindern dabei, ein Zuhause, Ernährung und Zugang zu Bildung oder medizinischer Versorgung zu erhalten. Foto: Claire Ladavicius

Herr Yassin, mal etwas provokant gefragt: War und ist die Flüchtlingskrise notwendig, damit wir alle sehen und erleben, es MUSS sich etwas ändern auf der Welt, und zwar ganz schnell auch und gerade für Kinder?
Das kann man wohl so sagen. Seit fast 70 Jahren machen die SOS-Kinderdörfer nichts anderes als sich für die ärmsten der Armen, die Kinder, einzusetzen, weltweit in über 130 Ländern. Und die UN und viele andere Hilfsorganisationen arbeiten genauso hart. Es ist viel erreicht worden seit dem Zweiten Weltkrieg, aber noch immer leben hunderte Millionen Kinder in bitterster Armut. Hier muss sich also dringend etwas ändern, sonst machen sich noch viel mehr junge Menschen auf den Weg nach Europa.

Das was wir gerade sehen und erleben ist schockierend. Dennoch, es dürfte ja vermutlich nur die Spitze des Eisberges sein. Was passiert jeden Tag auf der Welt, was keine Fernsehkameras einfangen, was wir nicht sehen? Und vor allem: wo passiert das, wo ist die Lage besonders dramatisch? 

In Syrien leben Kinder nicht nur in grauenhafter Armut, sondern werden getötet, gefoltert und als Kindersoldaten missbraucht. Allein in Syrien, dem Irak und im Südsudan sind 21 Millionen Kinder von Krieg und Gewalt betroffen. In anderen Ländern wie Haiti oder Niger müssen Kinder schwerst arbeiten, sie haben also Null Perspektive. Über 50 Millionen Kinder weltweit gehen nicht einmal in die Grundschule.
Wir erleben jetzt – wie gesagt – zum Teil hautnah und in direkter Nachbarschaft was es heißt, wenn man in Not gerät. Ein Ende dieser Entwicklung ist aktuell auch in Europa, gerade in Südeuropa, nicht absehbar.


In Serbien leben viele Kinder in großer Armut. Im Ort Nis unterstützt die SOS-Familienhilfe Kinder in Not. Foto: Judith Buethe

Muss hier grundsätzlich ein Umdenken stattfinden, und zwar langfristig und wirklich überall?

Allein in der Europäischen Union sind rund 26 Millionen Kinder und Jugendliche von Armut und sozialer Ausgrenzung bedroht. Ich bin häufig in Griechenland und sehe, wieviele völlig verarmte Familien die SOS-Kinderdörfer unterstützen müssen, da der Staat das überhaupt nicht mehr leisten kann. Statt Banken zu stützen müsste Europa mehr darauf achten, dass Kinder und Jugendliche eine ordentliche Perspektive für die Zukunft bekommen.

Die Probleme Deutschlands sind ja vergleichbar klein. Aber auch hierzulande ist natürlich nicht alles toll, gibt es da aktuelle Zahlen, wie ist es um "unsere Kinder bestellt"?

2,6 Millionen Kinder in Deutschland gelten als arm. Fünf Prozent aller unter 18-Jährigen müssen mit schweren materiellen Entbehrungen leben. In kaum einem anderen europäischen Land ist die Armut so direkt verknüpft mit geringer Bildung wie bei uns. Gleichzeitig gibt es immer Reiche in Deutschland.

Unabhängig ob in Deutschland, Europa oder in anderen Teilen der Welt: welche Kinderrechte gilt es besonders zu stärken?

Leider sehr häufig alle. Die wichtigsten sind das Recht auf elterliche Fürsorge, der Schutz vor Krieg, das Recht auf Leben, Entwicklung und Bildung und der Schutz vor wirtschaftlicher und sexueller Ausbeutung. Wenn hier einiges passieren würde, hätten wir für die Kinder dieser Welt viel erreicht.