Kinder im zerstörten Aleppo: "Die schlimmsten Wunden sind unsichtbar"

SOS-Kinderdörfer warnen vor einer verlorenen Generation

10.01.2017 - Zerbombte Häuser, gespenstische Ruinen: Die Kämpfe in der syrischen Stadt Aleppo sind vorüber, doch die einst blühende Metropole gleicht einer Trümmerwüste. "Das Ausmaß der Zerstörung ist unbeschreiblich", berichtet Alia Al-Dalli, Direktorin der SOS-Kinderdörfer im Nahen Osten. Trotzdem harrten dort immer noch Zehntausende Flüchtlinge aus, teils ohne Strom und Wasser, teils ohne sanitäre Einrichtungen, teils auch ohne Obdach. „Es ist aufgrund der großen Not sehr schwierig, auch nur die dringlichsten Nöte dieser Menschen zu lindern“, sagt Al-Dalli.
Kinder in Aleppo, die bisher nur Krieg erlebt haben. Foto: SOS-Syrien

Sorgen bereitet der Kinderhilfsorganisation vor allem die Situation der Kinder. "Wir werden ein Heer an Psychologen benötigen", warnt  Al-Dalli, „denn die schlimmsten Wunden sind unsichtbar." Der Krieg werde Millionen schwersttraumatisierter Kinder hinterlassen, die ihre Kindheit zwischen Bombardierungen, Häuserkämpfen und Belagerungen erlebten.

Zwischen Trauma und Elend

"Diese Kinder wachsen zu einer verlorenen Generation heran, ohne Bildung, zwischen Trauma und Elend, anfällig für Aggressionen, Depressionen und neue Gewalt", so Al-Dalli weiter. "Sollte dieser Krieg hoffentlich bald vorüber sein, fängt unsere Arbeit erst richtig an."

SOS-Hife in Syrien

Im Moment leisten die SOS-Kinderdörfer Nothilfe: Unsere SOS-Helfer verteilen Mahlzeiten, Obst, Babynahrung und Winterkleidung, versorgen die Schutzbedürftigen mit frischem Wasser, verarzten Verwundete. In einer Nothilfe-Kita betreuen SOS-Mitarbeiter Kinder, die mit ihren Familien aus dem zerstörten Aleppo geflüchtet sind. In der Region haben die SOS-Kinderdörfer zudem eine Schule wieder instandgesetzt: 600 Kinder können dort wieder den Unterricht besuchen können.

Um Kriegswaisen eine neue Familie zu geben, richten wir ein neues SOS-Kinderdorf bei Damaskus ein.