Kindertag: "Kinder ohne Bildung sind die Armen von morgen!"

SOS-Kinderdörfer fordern zum Internationalen Kindertag eine bessere Unterstützung armer Familien

31.05.2016 - Am ersten Juni ist internationaler Kindertag. Dieser soll die Bedürfnisse von Kindern in den Mittelpunkt stellen. Im Interview berichtet Louay Yassin, Pressesprecher der SOS-Kinderdörfer, wie zu hoher Schulstress und soziale Ungerechtigkeit die Kinder in Deutschland und weltweit belasten.

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Die SOS-Kinderdörfer ermöglichen benachteiligten Kindern und Jugendlichen den Schulbesuch und eine Berufsausbildung. Foto: Seger Erken

Herr Yassin, es scheint ja so zu sein, dass die Schule und der Schulstress viele schon ziemlich belasten. Muten wir unserem Nachwuchs mittlerweile zu viel zu?

Ganz eindeutig ja! Es geht hier aber nicht nur um das Lernpensum, sondern auch um den Druck, der von allen Seiten – auch von den Eltern – auf die Kinder ausgeübt wird. Das zeigen auch die Untersuchungen: ein Drittel aller Schüler sind regelmäßig gestresst und das beginnt bereits in der Grundschule! Freunde treffen, Spielen, Sport und Musik finden immer seltener statt. Aber mit Lernstoff allein wird man nicht erwachsen. Für Reife bedarf es mehr als Mathe und Englisch. Deshalb machen sich die SOS-Kinderdörfer für das Recht auf Bildung und Spielen stark. Das Wohl der Kinder muss in den Mittelpunkt gestellt werden, nicht der Schulabschluss.

Wie sehr kommt es denn im Jahr 2016 eigentlich noch darauf an, in welchem Umfeld ein Kind aufwächst? Stichwort: soziale Ungerechtigkeit.

Soziale Ungerechtigkeit ist in Deutschland leider immer noch ein wichtiger Punkt. Kinder aus ärmeren Bevölkerungsschichten haben sehr viel häufiger nur einen einfachen Schulabschluss und auch eine schlechtere Gesundheit. Arme Familien müssen dringend stärker unterstützt werden, damit ihre Kinder einen guten Start ins Leben erhalten. Länder wie Dänemark, Österreich oder Lettland sind uns da um Längen voraus.

Den Vergleich mit anderen Industrienationen haben Sie ja gerade eben angestellt. Allerdings gibt es auf der Welt viele Länder, die weit davon entfernt sind, eine Industrienation zu sein. Wie verhält es sich denn dort mit Kindheit, Chancen, Bildung – ich vermute mal sehr schlecht, oder?

Das stimmt. Aber es tut sich immerhin etwas. Die Zahl der Kinder, die gar nicht zur Schule gehen, hat sich seit dem Jahr 2000 weltweit fast halbiert. Das heißt im Umkehrschluss auch, dass noch immer 57 Millionen Kinder keine Chance haben, zur Schule zu gehen oder etwas zu lernen. Das ist ein Skandal: Denn Kinder ohne Bildung sind die Armen von morgen! Die SOS-Kinderdörfer unterstützen daher nicht nur arme Familien dabei, dass sie ihre Kinder zur Schule schicken können, sondern bauen und erhalten auch dort Schulen, wo es keine gibt.