„Krise wird Griechenland 2012 noch härter treffen“

07.12.2011 - SOS-Kinderdörfer stehen vor gewaltigen Herausforderungen: Die Kosten für die Familienhilfe haben sich verzehnfacht.

Kinder aus dem SOS-Kinderdorf Thessaloniki
Kinder aus dem SOS-Kinderdorf Thessaloniki
07.12.11 - Die SOS-Kinderdörfer in Griechenland sehen vor Problemen. Sowohl Finanzierung der Kinderdörfer als auch die als auch die finanzielle Lage der Griechen allgemein gäben Anlass zu großer Sorge, sagte der Leiter der SOS-Kinderdörfer Griechenland, George Protopapas, bei einem Gespräch in München.

 

Während die Spenden-Einnahmen der SOS-Kinderdörfer in Griechenland wegen der dramatischen Finanzkrise des Landes vermutlich deutlich sinken werden fragen immer mehr Eltern an, ob sie ihre Kinder nicht in einem der drei Kinderdörfer unterbringen könnten, da die Eltern nicht mehr in der Lage sind, ihre Kinder zu ernähren. Seit Beginn der Krise wurden bereits über 1000 Anfragen gestellt. „Wir haben 15 Kinder in den Kinderdörfern aufgenommen“, sagte Protopapas. „Aber wir haben nicht mehr Plätze.“

 

George Protopapas, Leiter der SOS-Kinderdörfer Griechenland
George Protopapas, Leiter der SOS-Kinderdörfer Griechenland
Man könne auch nicht einfach mehr Kinderdörfer bauen, da die Organisation aufgrund deutlich geringerer Einnahmen im kommenden Jahr vermutlich selbst in schwieriges Fahrwasser geraten werde. „Wir werden erstmals seit langem auf Hilfe aus den Vereinen in anderen europäischen Ländern wie Deutschland angewiesen sein“, erläuterte Protopapas.

 

Außerdem sei es immer besser, die Kinder würden in ihrer eigenen Familie unterstützt, statt in einem Kinderdorf fern der Eltern aufgenommen zu werden. Protopapas: „Das machen wir bloß im äußersten Notfall“, sagte Protopapas. Stattdessen habe man das SOS-Familienstärkungsprogramm (FSP) in Griechenland massiv ausgeweitet. Mithilfe dieses Programms werden Familien unterstützt und die Eltern in die Lage versetzt, sich um ihre Kinder selbst zu kümmern. 

 

„Zu Beginn der Krise haben wir 120 Familien im Rahmen unseres FSP unterstützt, jetzt sind es bereits 1230“, erklärte der griechische SOS-Leiter.  „Wir würden dieses Programm gerne noch deutlich ausweiten, da wir glauben, dass die Krise die Griechen 2012 erst richtig trifft“, meinte er, „aber wir befürchten, dass auch die SOS-Kinderdörfer ein sehr schwieriges Jahr vor sich haben“.

 

Protopapas geht von einer massiven Finanzlücke im Etat der griechischen SOS-Kinderdörfer 2012 aus: Einerseits seien schon jetzt die Zahlungen der Spender und auch der Firmen rückläufig, andererseits habe der Staat im September die Steuern auch für die sozialen Einrichtungen deutlich erhöht. Allein die Heizölpreise hätten sich wegen der Steuererhöhungen fast verdoppelt. Auch Grundsteuer und sogar Spenden habe der Staat als neue Einnahmequelle entdeckt. „Griechenland ist das einzige Land in Europa, in dem Spenden nicht mehr abgesetzt werden können und zudem noch besteuert werden“, ärgert sich Protopapas. Insgesamt rechnet der SOS-Leiter in Griechenland im kommenden Jahr mit Mehrausgaben von 165.000 Euro – bei stark sinkenden Einnahmen.

 

„Wir sparen schon, wo wir können“, sagte Protopapas. „Wir haben die 15 neuen Kinder in den Kinderdörfern zum Beispiel nicht in neuen SOS-Familien untergebracht, sondern in bestehenden Familien, die wir eben vergrößert haben. Für neue Familien bräuchten wir neue SOS-Mütter, neue Häuser… Diese Kosten können wir uns mit Blick auf die Situation nicht leisten. Aber jetzt sind die Kinderdörfer voll.“ Große Sorge bereitet Protopapas der innere Friede in Griechenland. „Ich befürchte eine Destabilisierung der Gesellschaft und Unruhen, wenn immer mehr Griechen in die Armut abgleiten“, sagte er.

 

Dennoch sieht Protopapas kämpferisch in die Zukunft: „Wir müssen den Menschen helfen! Kinder dürfen nicht wegen Armut verlassen werden, Familien dürfen nicht wegen wirtschaftlicher Schwierigkeiten auseinanderbrechen. Wir tun unser Bestes in Griechenland, uns gegen die aufkommende Armut zu stemmen.“