Liberia: Schwere Kämpfe in Monrovia

Über 8000 Menschen suchen Schutz im SOS-Kinderdorf

25.07.2003 - Laut jüngsten Berichten von George Kordahi, Leiter von SOS-Kinderdorf in Liberia, wird die Situation in Monrovia von Tag zu Tag unerträglicher. Hunderte zivile Opfer sind bereits zu beklagen, auf dem SOS-Kinderdorf-Gelände steigt die Zahl der Flüchtlinge ständig an. Über 8000 Menschen suchen derzeit Schutz im SOS-Kinderdorf Monrovia.

Die Lage für die Menschen zwischen den Bürgerkriegsfronten in Monrovia wird immer verzweifelter. George Kordahi schildert in einem Bericht vom 22.07.03 die Situation der Zivilbevölkerung in Liberias Hauptstadt:

"Es gibt keine Worte für das, was hier in Monrovia passiert. Innerhalb einer Woche forderten die Kämpfe zwischen LURD-Rebellen und Regierungssoldaten eine Vielzahl an Toten und Verletzten. Der wahllose Granatenbeschuss durch die Rebellen, die die Stadt unter ihre völlige Kontrolle bringen wollen, fordert so viele Opfer, dass offizielle Stellen sie nicht mehr zählen können. Die wenigen Hilfsorganisationen, die noch vor Ort sind, sind komplett überfordert, geben aber weiter ihr Bestes. Die Gefechte sind so heftig, dass niemand auf die Straße gehen kann, um Essen aufzutreiben. Heute morgen wurden wir von Artillerielärm um uns herum geweckt, da die Rebellen im Osten Monrovias eine neue Front zur Umzingelung der Stadt eröffnet haben.

SOS hilft Menschen vor Ort

Im SOS-Kinderdorf in Monrovia halten sich derzeit über 8.000 Menschen auf. Trotzdem sind wir ja noch in einer glücklichen Lage, wir haben acht Brunnen auf unserem Grundstück und können damit die Flüchtlinge mit genügend sauberem Wasser versorgen. Offensichtlich hilft das auch, dass die hygienischen Bedingungen hier noch relativ gut sind. Das "SOS-Team" geht jeden Morgen herum, reinigt die sanitären Anlagen und beseitigt Abfall, damit keine möglichen Krankheitsherde entstehen. Die Klinik ist im Vollbetrieb, sechs Krankenschwestern, ein Arzt und neun zusätzliche Helfer versuchen, die Situation unter Kontrolle zu halten."

Die Gebäude des SOS-Kinderdorfes, zu normalen Zeiten dafür angelegt, rund 150 verwaiste und verlassene Kinder zu betreuen, sowie der SOS-Kindergarten und die SOS-Hermann-Gmeiner-Schule mit einer Kapazität von insgesamt circa 400 Kindern sind durch die tausende Flüchtlinge an den Grenzen ihres Fassungsvermögens. Jeder Winkel des Grundstücks wird genutzt, Improvisieren ist gefragt. Zehn Jahre Bürgerkrieg haben die SOS-Kinderdorf-Mitarbeiter jedoch gezwungen, mit Extremsituationen umgehen zu lernen, die Solidarität unter den Mitarbeitern und SOS-Jugendlichen gibt den moralischen Zusammenhalt unter diesen immensen psychischen Belastungen.

Ein Appell an die internationale Gemeinschaft

Kordahi und sein Mitarbeiterstab, deren Büro mitten in Monrovia liegt, halten sich fast nur noch in den Kellerräumen auf. Unter diesen extremen Bedingungen versucht Kordahi beinahe täglich, das Regionalbüro von SOS-Kinderdorf via Satellitentelefon über die neuesten Entwicklungen am Laufenden zu halten. Und er appelliert an die internationale Gemeinschaft: "Wir hoffen und beten, dass endlich Truppen ins Land kommen, um dieses Chaos zu beenden, bevor es zu spät ist."

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